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Prisoners

Prisoners

Thriller. USA 2013. 146 Minuten.

Regie: Denis Villeneuve
Mit: Hugh Jackman, Jake Gyllenhaal, Paul Dano

Es geschah am hellichten Tag. Nachdem seine Tochter gekidnappt wurde, sieht Familienvater Hugh Jackman rot. Aber ist es auch wirklich der Täter, den er zur Verantwortung ziehen möchte? Meisterlicher, starbesetzter Thriller von Denis Villeneuve (Die Frau die singt - Incendies).

Filmstart: 11. Oktober 2013

Thanksgiving-Tradition, alljährlich angewandt. Geselliges Beisammensein im Kreise der Liebsten, ein paar gute Freunde zu Besuch, angemessen aufgetischter Truthahn. Genau so einen Abend möchte auch das Ehepaar Keller (Hugh Jackman) und Grace Dover (Maria Bello) mitsamt den Kindern bei einer befreundeten Nachbarsfamilie verbringen. Die Begrüßung an der Tür von Franklin (Terrence Howard) und Nancy Birch (Viola Davis) ist zuversichtsspendend herzlich, der Teenager-Nachwuchs kommt miteinander klar, die zwei jüngeren Mädels sowieso, es wird sogleich ausgelassen herumgetollt. Kummer stellt sich allerdings unvermittelt ein: Dover-Tochter Anna (Erin Gerasimovich) und Birch-Tochter Joy (Kyla Drew Simmons) sind nach der gemeinsamen Straßen-Spielerei schlichtweg nicht mehr zurückgekehrt. Als aus Minuten des Wartens Stunden des Suchens werden, glaubt keiner der Beteiligten mehr an ein harmloses Versteckspiel. Eine bange Frage hängt im Raum: Wurden die beiden womöglich entführt? Der so ambitionierte wie aufbrausende Detective Loki (Jake Gyllenhaal) wird auf den Fall angesetzt. Halbwegs brauchbare Anhaltspunkte gibt es wenige, ein in unmittelbarer Nähe der Kinder gesichtetes, übel abgeranztes Wohnmobil lenkt die Ermittlungen zunächst aber einmal in Richtung des geistig zurückgebliebenen Fahrzeughalters Alex Jones (Paul Dano). Als Loki diesen jedoch aus Mangel an wirklich stichhaltigen Beweisen nicht überführen kann und darob wieder von dannen ziehen lassen muss, reißt dem zunehmend angespannten Familienvater Keller der Geduldsfaden. Er nimmt das Gesetz des Handelns selbst in die Hand, verschleppt Jones in sein altes Apartment, um ihn, nach anfänglichem Zaudern auch unterstützt von Franklin Birch, so lange mit allen vertretbaren und bald eher nicht mehr vertretbaren Mitteln zu "befragen", bis die Wahrheit über das Verschwinden der Mädchen ans Tageslicht kommt. Was aber, wenn Jones tatsächlich nichts mit der Entführung zu tun hat? Was, wenn die Geschichte womöglich weit verworrener und obendrein viel verstörender ist, als es allen Beteiligten lieb sein kann?

Thriller-Tradition, atmosphärisch abgewandelt. Oft kommt es anders, als man denkt: Dass in Prisoners die ach so knallharten Normen der spätestens seit 96 Hours wieder überaus gefragten Selbstjustiz-Actioner mehr als nur leicht variiert zur Anwendung kommen, ist zweifelsohne dem Mann im Regiesessel zu verdanken. Der mittlerweile mit bestem Recht top-gefragte kanadische Filmemacher Denis Villeneuve (der mit Enemy übrigens eine weitere finalisierte Zusammenarbeit mit Gyllenhaal in der Pipeline hat) ließ bereits vor drei Jahren mit seiner für den Auslands-Oscar nominierten Schuld-und-Sühne-Parabel Die Frau die singt - Incendies anklingen, dass ihm eine noch so einfach anmutende Rache-Geschichte gar nicht moralisch komplex genug aufgeladen sein kann. So nimmt es denn auch kaum Wunder, wenn sich nun sein Hollywood-Einstand, flankiert von einer sich formidabelst einbringenden Starschauspielerriege sowie der bewährt suggestiven Kameraarbeit von Roger Deakins (Skyfall), gleichfalls als Meisterleistung in Sachen dramaturgischer Hakenschläge und emotionaler Zuspitzung entpuppt. Prisoners vermag so in der Tat dem vermeintlich gut abgelatschten Thriller-Terrain  unerwartete Abgründe jener Sorte zu entlocken, die selbst Suspense-Routiniers geschockt nach Atem ringen lassen werden.

Text:  Christoph Prenner

Credits

Titel Prisoners
Originaltitel Prisoners
Genre Thriller
Land, Jahr USA, 2013
Länge 146 Minuten
Regie Denis Villeneuve
Drehbuch Aaron Guzikowski
Kamera Roger Deakins
Schnitt Joel Cox, Gary Roach
Musik Jóhann Jóhannsson
Produktion Kira Davis, Broderick Johnson, Adam Kolbrenner, Andrew A. Kosove, Mark Wahlberg
Darsteller Hugh Jackman, Jake Gyllenhaal, Paul Dano, Terrence Howard, Melissa Leo, Maria Bello, Viola Davis, Dylan Minnette, Wayne Duvall, Erin Gerasimovich, Kyla Drew Simmons, Len Cariou
Verleih Tobis

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

Überdurchschnittlich

Die hochkarätige Darstellerriege spielt beherzt, aber wirklich herausragend ist diesmal nicht mal Paul Dano, weil ihm seine Rolle dazu zu wenig Spielraum bietet. Hugh Jackman ist bemüht, aber etwas eindimensional, am Besten hat mir noch Gyllenhaal gefallen, den Tick mit seinen Augen hätte er sich aber sparen können. Insgesamt hat mich der Film längere Zeit über eigentlich recht kalt gelassen, erst am Ende bin ich wirklich reingekippt. Fazit: Überdurchschnittliche Hollywood-Ware aber kein Meistewerk.

12. Oktober 2013
07:20 Uhr

von Virago95

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