Filminfo zu

Blau ist eine warme Farbe

La vie d'Adèle

Drama, Liebesfilm. Frankreich 2013. 175 Minuten.

Regie: Abdellatif Kechiche
Mit: Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos

Auf den ersten Blick. Ein Mädchen (Adèle Exarchopoulos) verliebt sich, heftig, womöglich sogar unsterblich - in eine junge Frau (Léa Seydoux) mit blauen Haaren: Abdellatif Kechiches Cannes-Sieger ist der am heftigsten diskutierte Liebesfilm des Jahres.

Filmstart: 20. Dezember 2013

Worüber alle reden: Ja, die Sexszenen zwischen den beiden jungen Frauen sind wirklich sehr leidenschaftlich und explizit. Da ist nichts dezent verschattet oder ästhetisch im Gegenlicht abgefilmt, es ist alles zu sehen, was es zu sehen gibt. Eben so, wie Sexszenen sein sollen, die ihre Zuschauer erfreuen und dabei auch etwas über die Akteure erzählen. So, wie Sex im Kino, ganz ehrlich, viel zu selten gezeigt wird.
Damit wäre das also besprochen. Und nun zu Wichtigerem - denn zieht man die sieben Minuten Sex ab, bleiben von Blau ist eine warme Farbe immer noch 168 Minuten, und dass der Film in Cannes zum ersten Mal in der Geschichte des Filmfestivals die Goldene Palme für Regisseur und die beiden Hauptdarstellerinnen bekommen hat, ist wahrscheinlich nicht nur mit diesen bereits legendären sieben Minuten zu rechtfertigen.
Mit 15 stellt Adèle (Adèle Exarchopoulos) nicht infrage, dass Mädchen und Buben zusammengehören. Als sie in der Schule von dem etwas älteren Thomas (Jérémie Laheurte) umworben wird, gibt sie nach. Weil das von ihr erwartet wird, weil er ja auch nett und einfühlsam ist. Doch sie hat auf der Straße eine junge Frau mit blauem Haar (Léa Seydoux, Mission: Impossible - Phantom Protokoll) gesehen, und die geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Adèle ist verstört.
Die Beziehung mit Thomas geht irgendwann in die Brüche, Adèle kann nicht genau sagen, warum. Bis ihr die junge Frau mit dem blauen Haarschopf wieder begegnet: Sie heißt Emma, ist Kunststudentin, und Adèle fühlt sich, als wäre sie erwacht. Zum ersten Mal haben ihr Leben und ihr Begehren ein Ziel. Doch womit Adèle nicht gerechnet hat: In der Schule hat niemand Verständnis für ein Mädchen, das nicht nach dem gewohnten Muster liebt. Und auch Emma scheint sich Adèle entziehen zu wollen. Doch warum?

Blau ist eine warme Farbe beruht zum Teil auf der Graphic Novel Le bleu est une couleur chaude von Julie Maroh. Aus dem berührenden Material macht Kechiche eine große Liebesgeschichte über eineinhalb Jahrzehnte, eine Geschichte, die so noch nie im Kino erzählt wurde, explizit, erotisch und emotional. So unvergesslich die Sexszenen auch sind, die größte Qualität des Films liegt woanders: In der Sinnlichkeit dessen, wie Adèle sich selbst entdeckt, und in der Zärtlichkeit, mit der Kechiche sie beim Aufblühen beobachtet.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Blau ist eine warme Farbe
Originaltitel La vie d'Adèle
Genre Drama/Liebesfilm
Land, Jahr Frankreich, 2013
Länge 175 Minuten
Regie Abdellatif Kechiche
Drehbuch Abdellatif Kechiche, Ghalia Lacroix basierend auf der Graphic Novel von Julie Maroh
Kamera Sofian El Fani
Schnitt Sophie Brunet, Ghalia Lacroix, Albertine Lastera, Jean-Marie Lengelle, Camille Toubkis
Produktion Abdellatif Kechiche
Darsteller Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos, Salim Kechiouche, Aurélien Recoing, Catherine Salée, Jérémie Laheurte
Verleih Thimfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.