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Bellaria - So lange wir leben!

Bellaria - So lange wir leben!

Dokumentation. Deutschland, Österreich 2001. 100 Minuten.

Regie: Douglas Wolfsperger
Mit: Ernst Weizmann, Baroness Lips von Lipstrill, Karl Schönböck

"Was ist denn schon wie´s einmal war? Garnix." Bellaria - So lange wir leben! ist eine liebevolle Würdigung einer großen Wiener Kino-Institution und ihrem treuen Publikum, das die Goldene Ära des UFA-Kinos am Leben hält.

Filmstart: 12. April 2002

Mitten in der goldenen Wienerstadt (gleich hinter dem Volkstheater) steht ein kleines, feines Programmkino, das sich mit ganzem, goldenen Herzen Filmen aus der Zeit verschrieben hat, als der Begriff "goldenes Wienerherz" noch nicht den Kabarettisten vorbehalten war.
"Unvergessene Filme - unvergessene Stars" prangt stolz am Haupteingang des Bellaria-Kinos, und diesem Motto ist man treu. Hier kämpft nicht der Terminator, sondern der Förster vom Silberwald, und statt Bruce Willis sorgt hier Willy Birgel für Action - pardon, Bewegung. Nicole Kidmans Beine oder Jennifer Lopez´ Po lassen hier jeden kalt - doch wehe, wenn Marika Rökks Spitzenhöschen blitzen.
Treu ist auch das Publikum des Bellaria-Kinos - bis zur Selbstaufgabe. Oder darüber hinaus. Mit mildem Lächeln zeigt ein Stammgast einen kleinen Stapel billiger Konservendosen: die genau eingeteilte Essensration für den laufenden Monat. Mehr geht sich nicht aus, denn schließlich muss ja von der Mini-Pension auch jeden Tag eine Kinokarte bezahlt werden.
Dass der tägliche Kinobesuch nichts anderes ist als Realitätsflucht, wird nicht bestritten. Warum denn auch? "Schaun´s, in meinem Alter hat man ja nur die Vergangenheit. Weil Zukunft hab´ ich ja keine. Und die Gegenwart - des is ka Zeit für mich mehr."
Zum Kinofan wurde man irgendwann ja genau deshalb: Weil die strahlende Welt auf der Leinwand einen für ein paar Stunden wegholte aus einem Alltag, der noch nichts wusste von Freizeitstreß oder Entertainment-Routinen. "Früher hat man tagaus tagein nur gearbeitet. Der Film - der Glitzer, der Glimmer, die heile Welt - das war wie ein Griff nach den Sternen. Der Rettungsanker, um nicht zu versinken im grauen Alltag!" Und jetzt zittert man immer noch mit dem Tiger von Eschnapur, leidet mit La Habañera, pflückt Rosen in Tirol oder paradiert mit den Deutschmeistern durch rauschende Ballnächte.
Die Stars des Bellaria-Publikums hießen Hans Holt, Johannes Heesters, Marte Harell, Willi Forst, Marika Rökk, Zarah Leander, Paul Hörbiger, Lilian Harvey oder Karl Schönböck. Meet & Greet gibt’s zwangsläufig meist nur noch am Friedhof - dafür um so inniger. Mittlerweile sind auch manche Stammgäste schon sowas wie Berühmtheiten: Die schrullige Baroneß Lips von Lipstrill etwa oder die Münchner Tenbuß-Zwillinge, manische Autogrammsammler, die bei jedem Wien-Besuch im Bellaria vorbei schauen, um ihrer großen Leidenschaft zu frönen: der heilen Welt auf Zelluloid.
"Die Realistik gefällt mir nicht", bringt es Herr Weizmann, Damenimitator i. R. und eingefleischter Zarah-Leander-Fan, auf den Punkt. "Der heutige Film zeigt alles realistisch. Ich will das aber verklärt, märchenhaft. Ich will die 'Traumwelt Film' - und heut ist nichts mehr zum Träumen."
Manches ja doch. Bellaria - So lange wir leben! lief mit großem Erfolg bei der heurigen Berlinale 2002 und beim Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken - und wird natürlich auch, als einer der ersten Filme des 21. Jahrhunderts, im Bellaria-Kino gezeigt werden.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Bellaria - So lange wir leben!
Originaltitel Bellaria - So lange wir leben!
Genre Dokumentation
Land, Jahr Deutschland/Österreich, 2001
Länge 100 Minuten
Regie Douglas Wolfsperger
Kamera Helmut Wimmer
Schnitt Götz Schuberth
Musik Hans Jürgen "Haindling" Buchner
Produktion Douglas Wolfsperger, Martin Dietrich, Dieter Pochlatko
Darsteller Baroness Lips von Lipstrill, Karl Schönböck, Ernst Weizmann, Franziska Schicho, Heinrich Mosch, Pepi Treitl, Rosi Tomek
Verleih Einhorn Film

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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