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Der Teufelsgeiger

Paganini: The Devil's Violinist

Biografie, Drama. Deutschland, Italien, Österreich 2013. 122 Minuten.

Regie: Bernard Rose
Mit: David Garrett (II), Jared Harris, Andrea Deck

Er ist ein Meister seines Instruments, ein einzigartiger Künstler, die Frauen liegen ihm zu Füßen - und doch ist er zeitlebends erfolglos auf der Suche nach dem Glück. Ausnahmegeiger spielt Ausnahmegeiger: Saiten-Superstar David Garrett in seinem Leinwanddebüt als Klassik-Genie Niccolò Paganini.

Filmstart: 31. Oktober 2013

Er war schon als kleiner Bub anders. Von Kindheit an zu Höherem berufen, fand zumindest sein Papa, selber Musiker, der den kleinen Niccolò Paganini (Jahrgang 1782) täglich stundenlang auf der Violine üben ließ. Bei jedem falschen Ton gibts eine Ohrfeige, mit noch mehr Aggression reagiert Papà allerdings auf die (noch) zaghaften Komponierversuche seines Sprösslings. Was für ungebührlicher Hochmut!
Die Jahre vergehen, das Unverständnis, das dem mittlerweile zum Virtuosen seines Instruments herangewachsenen Niccolò (David Garrett) von allen Seiten entgegenschlägt, ist geblieben. Der junge Mann ist ein echtes Genie, beseelt von Musik, er entlockt der Violine Harmonien und Melodien, die man noch nie zuvor gehört hat - und genau das ist das Problem. Das Publikum ist von seinen ungewöhnten Klängen völlig überfordert, nach dem "Was der Bauer nicht kennt"-Prinzip wird Niccolò ausgebuht oder, noch schlimmer, ignoriert. Frustriert flüchtet sich der fesche Jüngling in den Suff, das Glücksspiel und natürlich in die Arme der Frauen, die ihn heiß verehren - nicht nur die Geige spielt er virtuos. Doch als nach einer durchfeierten Nacht im Mailänder Luxushotel der Hausherr persönlich im Zimmer steht und vehement die Begleichung von Paganinis konsiderablen Schulden verlangt, ist guter Rat noch teurer als die offene Rechnung.
Diabolus ex machina: Plötzlich steht jedoch ein fremder Herr im Raum. Signore Urbani (Jared Harris, der Moriarty aus Sherlock Holmes - Spiel im Schatten) trägt ein feines Lächeln und einen eleganten Mantel, und unterbreitet Niccolò ein Angebot, dass der kaum ablehnen kann: Wenn er, Paganini, in den Deal einwilligt, dann garantiert ihm Urbani, ihm Tag und Nacht als loyaler Diener zur Seite zu stehen und ihn zu einem reichen und erfolgreichen Mann zu machen. Die vergleichsweise unspektakuläre Gegenleistung? In einem nicht näher definierten "nächsten Leben" soll Paganini dann Urbani dienen. Tja, viel zu verlieren hat Niccolò nicht, also unterschreibt er.
Und tatsächlich, schon wenig später ist Paganini ein Star. Sogar ein Angebot aus dem fernen London schneit herein: Der mäßig erfolgreiche Impresario John Watson (Christian McKay) sieht in einer von ihm veranstalteten Konzertreihe mit dem Genie aus Italien seine letzte Chance auf Erfolg.
Einfach ist es nicht, den vergnügungssüchtigen Paganini nach England zu bringen, aber schließlich empfangen Watson, seine Geliebte Elisabeth (Veronica Ferres) und seine blutjunge Tochter Charlotte (Andrea Deck) den geheimnisumwitterten Musiker samt dem allgegenwärtigen Urbani in ihrem Haus. Und bereuen  es schnell: Niccolò ist noch arroganter und unberechenbarer als sein Ruf, der ihm rasend schnell vorauseilt. Watsons Haus wird bald von Reportern belagert, und Paganini macht keine Anstalten, sich auf die bevorstehenden Konzerte vorzubereiten. Dafür zeigt er gefährliches Interesse für die engelsgleiche Charlotte - was wiederum der sinistre Urbani mit unerklärlichem Unbehagen aufnimmt …

Unfrisiert und genial: Als vielleicht ersten Rockstar der Musikgeschichte zeichnen Regisseur Bernard Rose und Hauptdarsteller David Garrett das Musikgenie Niccolò Paganini, der die Geigenmusik revolutionierte und dem, dem damaligem Zeitgeist entsprechend, ein Pakt mit dem Teufel nachgesagt wurde. Bei Roses Biopic geht es auch weniger um historische Genauigkeit, das groß besetzte Panoptikum (in Nebenrollen u. a. Joely Richardson, Olivia d’Abo, Helmut Berger, Andrew Tiernan und Franziska Weisz) ist eine packende, bunte und natürlich hochmusikalische Hommage an einen Musiker und seine Legende.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Der Teufelsgeiger
Originaltitel Paganini: The Devil's Violinist
Genre Biografie/Drama
Land, Jahr Deutschland/Italien/Österreich, 2013
Länge 122 Minuten
Regie Bernard Rose
Drehbuch Bernard Rose
Kamera Bernard Rose
Schnitt Britta Nahler
Musik David Garrett (II), Franck Van Der Heijden
Produktion Christian Angermayer, Gabriela Bacher, Rosilyn Heller
Darsteller David Garrett (II), Jared Harris, Andrea Deck, Joely Richardson, Christian McKay, Veronica Ferres, Helmut Berger, Olivia d'Abo
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

2 Kommentare

echt übermäßig enttäschend

Die Handlung ist, vorsichtig ausgedrückt, nur leicht an die Biographie Paganinis angelehnt. Die Handlung zieht sich stellenweise wie Kaugummi. Anderorts ist sie sprunghaft sondergleichen. Plötzlich hat er einen 10 jährigen Sohn, Personen die völlig unwichtig sind, werden in den Mittelpunkt gestellt. Die schlechteste schauspielerische Leistung die ich je im Kino gesehen habe lieferte der Hauptdarsteller. Er war schlicht und ergreifend grottenschlecht. Das Leben Paganinis und seine Musik, wo Garrett seine größte Stärke, seine Virtuosität am Instrument, ausspielen hätte können, kam viel zu kurz. Ich war von Garretts Konzert in der Wiener Stadthalle echt begeistert, aber seine Leistung auf der Leinwand war echt schwach.
Das nächste Konzert besuche ich jederzeit gerne wieder, einen Film mit Garrett tue ich mir bestimmt nicht mehr an.

15. November 2013
08:08 Uhr

von tuxi72

Don't like it (2 Sterne)

Bestenfalls ein Märchen mit einem schönen Hauptdarsteller (Paganini war ja angeblich grottenhässlich). Für Menschen mit musikalischem Anspruch nicht empfehlenswert. Die schöne Sängerin hat nicht einmal so getan, als würde sie singen, und was die dauernde Hintergrundmusik des Erlkönig mit Paganini zu tun hat, ist mir bis zum Schluss nicht klar geworden.
Blöd auch, wenn die Story in London spielt, und der Wiener Josefsplatz im Bild erscheint. (Ansonsten war das London-Problem durch dichten Nebel gelöst.)
Nichts desto trotz: Dem breiten Publikum dürfte der Film gefallen, es waren ca. 40 Personen anwesend. Die Filme, die ich sonst besuche, haben maximal 10 Zuschauer.....

22. November 2013
11:44 Uhr

von Elshalom

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