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Exit Marrakech

Exit Marrakech

Drama. Deutschland, Frankreich 2013. 122 Minuten.

Regie: Caroline Link
Mit: Hafsia Herzi, Ulrich Tukur, Samuel Schneider

Irgendwo in Afrika. Ben (Samuel Schneider) soll den Sommer mit seinem Vater (Ulrich Tukur) in Marokko verbringen, und lernt stattdessen, was echtes Leben bedeutet: eine ungewöhnliche Familiengeschichte, inszeniert von Caroline Link.

Filmstart: 25. Oktober 2013

"Freust du dich auf die Ferien?" - "Geht so. Weil Ferien immer Stress sind." Ben (Samuel Schneider) ist 17 und in einem Internat untergebracht, in dem er sich wohlfühlt. Aber am Ende des Schuljahres beginnt sein Vater Heinrich (Ulrich Tukur, Das Leben der Anderen) immer, sich plötzlich verantwortlich zu fühlen. Vater-Sohn-Erlebnisse sollen stattfinden, gemeinsame Sommerwochen, obwohl Heinrich eigentlich keine Zeit hat. Er ist Theaterregisseur und inszeniert an einer großen Bühne in der marokkanischen Hauptstadt Marrakesch den deutschen Klassiker Emilia Galotti. Als Ben ankommt, ist die Generalprobe im Gange, und zwischen Premierenstress und Presseterminen findet Heinrich kaum ein paar Minuten für seinen Sohn.
Das ist gar nicht schlimm, findet Ben. Zwar hätte er seinen Sommer lieber mit Schulfreunden verbracht, aber er kann auch in Marrakesch Freunde finden. Mit zwei Bühnenarbeitern raucht er Marihuana, erkundet auf eigene Faust mit der Kamera die Marktplätze rund ums Theater, streift durch Spelunken und findet ein Mädchen, dessen Leben ihn interessiert: Karima (Hafsia Herzi) arbeitet zwar als Prostituierte, aber Ben möchte mit ihr nur essen gehen, ihre Geschichte hören. Er, der seinen Vater und dessen koloniales Gehabe des Deutschen kritisiert, der die deutsche Kultur nach Nordafrika bringt - sitzt er nun denselben Klischees auf, nur im Guten? Will er Karima retten vor ihrem Schicksal? Genau weiß er es selbst nicht, vor allem aber interessiert Ben der Theaterrummel nicht. Als Karima aufs Land in das abgelegene Dorf zu ihrer Familie fährt, setzt sich Ben kurzerhand mit in den Bus, in seiner Naivität nicht bedenkend, dass er sie damit gegenüber ihrem Vater in schlimmste Bedrängnis bringt. Und auch dass sich Heinrich durch Bens Abhauen vor den Kopf gestoßen fühlt, ist Ben herzlich egal …

Caroline Link (Nirgendwo in Afrika) erkundet ein komplexes, modernes Vater-Sohn-Verhältnis, die zwiespältige europäische Beziehung zu Marokko, und zeichnet in gewaltigen Aufnahmen den europäischen Blick auf ein fremdes Land, ein Film, der auf der intellektuellen Ebene funktioniert, zugleich aber ein gewaltiges Gefühlsdrama innerhalb einer Familie entfesselt: Ein Coming-of-Age-Film, in dem Vater und Sohn mindestens gleich viel lernen, in dem der Tod hautnah ist und in dem das Leben um so intensiver schmeckt.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Exit Marrakech
Originaltitel Exit Marrakech
Genre Drama
Land, Jahr Deutschland/Frankreich, 2013
Länge 122 Minuten
Regie Caroline Link
Drehbuch Caroline Link
Kamera Bella Halben
Schnitt Patricia Rommel
Musik Niki Reiser
Produktion Peter Herrmann
Darsteller Hafsia Herzi, Ulrich Tukur, Samuel Schneider, Mourad Zaoui, Josef Bierbichler, Marie-Lou Sellem, Sophie Rois
Verleih Constantin Film

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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