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Philomena

Philomena

Drama. Frankreich, GB, USA 2013. 98 Minuten.

Regie: Stephen Frears
Mit: Stephen Frears, Steve Coogan, Judi Dench

Vor 50 Jahren wurde Philomena (Judi Dench) von irischen Nonnen ihr Sohn weggenommen und zur Adoption freigegeben. Wird sie ihr Kind jemals wiederfinden? Vierfach oscarnominiertes Drama von Steven Frears nach einem Drehbuch von Steve Coogan.

Filmstart: 28. Februar 2014

Es klingt wie im Mittelalter, geschehen ist es erst vor einem halben Jahrhundert. Der 17-jährigen Irin Philomena passiert das, was zu vielen unaufgeklärten Teenagern passiert: Sie wird schwanger. Jetzt ist sie ein "gefallenes Mädchen", das Schande über die Familie bringt, aus Scham wird sie von ihren Eltern in ein Frauenkloster in Tipperary gesteckt. Als "Kompensation" dafür, dass die Nonnen die Geburt betreuten und sie dort wohnen lassen, muss sie schwer arbeiten, eine Stunde pro Tag darf sie ihren Sohn sehen. Als Anthony drei Jahre alt ist, sieht Philomena ihn zum letzten Mal: Durch die Rückscheibe eines Autos, das ihn wegbringt. Die Nonnen haben ihn, ohne die Einwilligung seiner Mutter, zur Adoption freigegeben, sie darf sich nicht einmal von ihm verabschieden. Das einzige, was sie in Erfahrung bringt, ist, dass ihn ein amerikanisches Ehepaar aufgenommen hat. Philomena hört nie auf, an ihn zu denken - doch mit den geringen Mitteln, die sie zur Verfügung hat und der aktiven Schweigepolitik des Klosters kann sie ihn nie finden.

Bis sie, inzwischen ist sie 70 (Judi Dench), den ehemaligen BBC-Journalisten Martin Sixsmith (Steve Coogan) trifft. Als er die Geschichte von ihrer jahrelang vergeblichen Suche nach Anthony hört, ist er nach anfänglicher schwerer Skepsis schnell angefixt - und beschließt, die Story nachzurecherchieren. Er organisiert eine gemeinsame Reise in die USA, und das ungleiche Paar macht sich auf den Weg: Die liebe, etwas einfach gestrickte alte Dame, die trotz aller Schicksalsschläge ihr Vertrauen in Gott und die Welt nie verloren hat, und der abgebrühte Zyniker, der schon lange an nichts mehr glaubt, schon gar nicht an ein höheres Wesen. Und sie finden nicht nur eine ungewöhnliche Freundschaft, sondern auch unglaubliche Fakten zu Anthonys Verschwinden.

In keinem andern nordeuropäischen Land war die katholische Kirche mit ihrer menschenverachtenden Sexualmoral so lange so mächtig wie in Irland. Geschichten wie die von Philomena Lee gibt es (leider) viel zu viele: 2009 schrieb der (echte) Journalist Martin Sixsmith sein Buch Philomena: Eine Mutter sucht ihren Sohn, der britische Regisseur Stephen Frears (Mein wunderbarer Waschsalon, High Fidelity, The Queen) machte daraus eine wundervolle Tragikomödie, die vor allem vom Zusammenspiel der großartigen Hauptdarsteller lebt – und vom Drehbuch des britischen Comedy-Superstars Steve Coogan, der auch das ernstere Fach virtuos beherrscht. Und so gibts für Philomena auch gleich vier Oscar-Nominierungen: Bester Film, beste Hauptdarstellerin, bestes adaptiertes Drehbuch und - last not least - beste Filmmusik.

Text:  Kurt Zechner

Credits

Titel Philomena
Originaltitel Philomena
Genre Drama
Land, Jahr Frankreich/GB/USA, 2013
Länge 98 Minuten
Regie Stephen Frears
Drehbuch Steve Coogan, Jeff Pope basierend auf dem Buch von Martin Sixsmith
Kamera Robbie Ryan
Schnitt Valerio Bonelli
Musik Alexandre Desplat
Produktion Steve Coogan, Tracey Seaward, Gabrielle Tana
Darsteller Stephen Frears, Steve Coogan, Judi Dench, Sophie Kennedy Clark, Mare Winningham, Charlie Murphy
Verleih Constantin Film

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

(Ver)geben und nehmen

Die beeindruckendsten Geschichten schreibt immer noch das Leben selber: Stephen Frears behutsam und angenehm unsentimental nacherzählte True Story berührt vom Anfang bis zum Ende, Judi Denchs wunderbar natürliches Spiel macht die erschütternd traurige, aber niemals hoffnungslose Geschichte zu einem sehenswerten Lehrstück über Verlust, Vergebung und Zuversicht.

10. Februar 2015
21:50 Uhr

von filmgenuss

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