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Auge um Auge

Out of the Furnace

Drama. USA 2013. 116 Minuten.

Regie: Scott Cooper
Mit: Christian Bale, Woody Harrelson, Casey Affleck

Der eine ist aufrecht und unbeugsam, der andere ein moralischer Krüppel. Zwei Männer, die verschiedener kaum sein könnten, geraten aneinander - bis zum gnadenlosen Finale … Scott Coopers (Crazy Heart) groß besetztes Drama mit Christian Bale, Woody Harrelson & Casey Affleck.

Filmstart: 4. April 2014

Das Land ist weit, hart aber großzügig, so wie es immer war. Doch die Zeiten haben sich geändert hier im ländlichen Pennsylvania, mitten im sogenannten Rust Belt, einer ehemals blühenden Industrieregion, die seit Jahren im wirtschaftlichen Niedergang begriffen ist. Ehrlich sein und hart arbeiten ist einfach nicht mehr genug für ein ruhiges Leben, auch wenn Russel Baze (Christian Bale) es ernsthaft versucht. Täglich rackert er schwer im örtlichen Stahlwerk, pflegt aufopfernd seinen bettlägerigen Vater, den dieselbe Arbeit schwer krank gemacht hat. Dazu kümmert er sich um seinen jüngeren Bruder Rodney (Casey Affleck), Army-Soldat, der nach mehreren Irak-Einsätzen schwerst traumatisiert zurückgekommen ist. Rodney war immer schon ein Problemkind, aber jetzt droht er, völlig abzudriften. Die einzige, bei der Russel sich auch mal entspannen kann, ist seine Freundin, die Kindergärtnerin Lena (Zoë Saldana), die er aufrichtig liebt.

Ein ganz normales Leben, wie es scheint, das doch durch eine unbedachte Bewegung völlig aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann: Eines Abends lässt sich Russel einen Drink aufdrängen - und ist am Nachhauseweg in einen Autounfall verwickelt. Ein Kind stirbt, Russel muss ins Gefängnis. Stoisch und aufrecht übersteht er auch das, aber als er zurückkommt, ist alles anders: Sein Vater ist gestorben. Lena hat ihn verlassen und ist nun mit dem Sheriff des Ortes (Forest "The Butler" Whitaker, der in dieser Rolle schon wieder ganz anders ausschaut) zusammen. Und Rodney, arbeitslos und ständig besoffen, versucht, seine Schulden beim zwielichtigen John Petty (Willem Dafoe) mit der Teilnahme an brutalen, illegalen Faustkampf-Duellen zu begleichen - und kommt fast jeden Tag mit noch schlimmeren Wunden nachhause. "Nichts davon ist schlimmer als das, was ich im Irak erlebt habe", meint er nur und schenkt sich noch mehr Whisky ein.

Onkel Red (Sam Shepard) versucht seinen Neffen so gut es geht beizustehen, aber genau wie Russel muss er zusehen, wie Rodney immer tiefer sinkt. Und nachdem er sich schließlich mit dem völlig skrupellosen Harlan DeGroat (Woody Harrelson) anlegt, vor dem sich sogar Petty in die Hose scheißt, verschwindet Rodney schließlich ganz.
Die Polizei wirkt hilflos, also macht sich Russell, begleitet von Onkel Red, selbst auf die Suche nach seinem kleinen Bruder. Und entdeckt, nur wenige Kilometer von seiner Heimatstadt entfernt, eine Welt, die ihm völlig unbekannt ist: Die Welt von Harlan DeGroat, Meth-Dealer und Hillbilly-Riesenarschloch. Wir, das Kinopublikum, kennen ihn bereits seit der allerersten Filmszene - ein großartig brutal inszeniertes Minidrama im Autokino (on screen: Die Clive-Barker-Produktion The Midnight Meat Train mit Bradley Cooper, leider nie in Österreich zu sehen), in dem Harlan nach einem kurzen Wortwechsel mit seiner Freundin den unbezähmbaren Meth-Psycho rauslässt. Russell erkennt erst nach und nach, welches Seelenmonster ihm hier gegenübersteht: brutal, skrupellos und durch und durch unberechenbar. Klar: Diese beiden Männer wer den keine Freunde …

Drama deluxe. Sein Regiedebüt, die Musik-Tragikomödie Crazy Heart, wurde mit gleich zwei Oscars ausgezeichnet. Kein Wunder, dass für Scott Coopers neuen Film (Produktion: Leonardo DiCaprio, Ridley Scott!) die Stars quasi Schlange standen - und durchwegs mit ungewöhnlich intensiven und unprätentiösen Darstellungen beeindrucken. Auge um Auge ist ein ebenso trockener wie blutiger Flanellhemd-Western mit nicht zu vielen Worten und großartigen Bildern von Kameramann Masanobu Takayanagi (Silver Linings, The Grey).

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Auge um Auge
Originaltitel Out of the Furnace
Genre Drama
Land, Jahr USA, 2013
Länge 116 Minuten
Regie Scott Cooper
Drehbuch Scott Cooper, Brad Ingelsby
Kamera Masanobu Takayanagi
Schnitt David Rosenbloom
Musik Dickon Hinchliffe
Produktion Michael Costigan, Leonardo DiCaprio, Ryan Kavanaugh, Jennifer Davisson Killoran, Ridley Scott, Tony Scott
Darsteller Christian Bale, Woody Harrelson, Casey Affleck, Zoe Saldana, Willem Dafoe, Forest Whitaker, Sam Shepard, Dendrie Taylor, Bingo O'Malley
Verleih Tobis

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

2 Kommentare

Düster & traurig

Ein rundum großartig besetztes und gespieltes Krimi-Rache-Drama, auch wenn ich mit dem Schluss nicht wirklich was anfangen konnte. Sehr düster und deprimierend halt, Amerika von seiner trostlosesten Seite ...

9. April 2014
16:12 Uhr

von Haubenkoch

...worauf ihr nicht gerichtet werdet.

Authentische Emotionen - glaubhafte Charaktere. Christian Bale ist ein Spezialist, wenn es darum geht, in der Darstellung seiner Rollen auch das soziale Umfeld zu integrieren. Kaum einer sonst ineragiert so stark mit dem Zustand seiner Welt, in der er sich befindet. Davon lebt auch dieses geradlinige, düstere Rache- und Sozialdrama, welches durch Elemente aus Ciminos "Die durch die Hölle gehen" oder Susanne Biers "Brothers" noch um die Anklagepunkte eines Antikriegsdramas bereichert wird. Mit Woody Harrelson und Casey Affleck hat Bale auch noch Schaupieler an seiner Seite, die großartig aufspielen. Ein sehenswertes Darstellerdrama, so einfach gestrickt wie intensiv besetzt.

28. September 2015
13:22 Uhr

von filmgenuss

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