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Untersuchung an Mädeln

Untersuchung an Mädeln

Satire. Österreich 1999. 90 Minuten.

Regie: Peter Payer
Mit: Anna Thalbach, Elke Winkens, Max Tidof

Ein Krimi nach einem Buch des österreichischen Schriftstellers Albert Drach: Zwei junge Frauen zwischen Lust und Verbrechen! Aber ist Lust an sich schon ein Verbrechen? Eine brisante Satire auf unsere Satire.

Zwei Autostopperinnen sollen einen Mord begangen haben. Vom Mordopfer aber fehlt jede Spur. Trotzdem werden sie verurteilt. Wie ist das möglich?
Ein Kriminalfall ohne Leiche. Dafür geben die mutmaßlichen Täterinnen eine Menge her. Es scheint, als würden die nur für die Lust leben. Als wollten sie Liebe nur - und sonst gar nichts.
Der Untersuchungsrichter, der die "Untersuchung an Mädeln" leitet, erschießt sich sogar, weil er ihre "animalisch-erotische" Ausstrahlung nicht erträgt.
Was war geschehen? Stella Blumauer (Anna Thalbach) und Esmeralda Nemetz (Helden in Tirol-Star Elke Winkens) waren per Autostopp unterwegs. Ein gewisser Josef Trummer nahm sie mit. Seither ist er verschwunden. Die beiden "Mädeln" werden beschuldigt, ihn mit einem Kreuzschraubenschlüssel erschlagen und danach beraubt zu haben. Das Tatmotiv? "Trummer hat sie vergewaltigt", behauptet jedenfalls die Polizei.
"Es war ein Deal", sagt Esmeralda. "Er bekam Sex, ich Geld. So hat jeder das gekriegt, was er wollte. Warum hätte ich ihn umbringen sollen?"
Nicht einmal die ermittelnden Beamten glauben an Notwehr als Tatmotiv. Denn wie die "Untersuchungen" zeigen, waren die "Mädeln" äußerst "liederlich", was soviel bedeutet wie: zum Sex allzeit bereit. Warum also hätten sie ausgerechnet Herrn Trummer ermorden sollen, wenn sich zuvor schon so viele andere Herrn an ihnen bedient hatten, ohne dafür mit dem Leben zu bezahlen?
In Rückblenden erleben wir ihre Ausschweifungen hautnah. Mit dem Matrosen Poppinger trieben sie es beide - gleichzeitig. Und von klein auf lagen sie in den Armen irgendwelcher Männer. Stella brannte mit ihrem ersten Liebhaber durch. Doch die unschuldige Lust endete im Schock: Stella überraschte ihn im Bett mit einer anderen. Von da an war ihr jeder recht.
Esmeralda wieder wurde schon von ihrem Vater für die Lust bestimmt. Der war Schneider, und sie mußte für ihn Kunden locken. Sogar dem Dorfpfarrer mußte sie sich hingeben, und sie konnte sich nicht wehren, denn der Priester raunte: "Bedenke, mein Kind, dein Vater braucht Aufträge!" Und so ließ sie ihn drüber. Ein Gegengeschäft. Esmeralda wurde ein fast professionelles Freudenmädchen, das Freude gab und Freude nahm. Vor allem der Platzhirsch Poppinger war nach ihrem Geschmack. Der Matrose imponierte auch ihrer Freundin Stella, mit seinen fantastischen Geschichten aus fernen Ländern und mit seiner eisernen Faust, mit der er jedem Konkurrenten im Ort die Hoden quetschte.
Poppinger ist auch der einzige, der an die Unschuld der "Mädels" glaubt. Trummers Pass ist verschwunden. Der Herr hatte Spielschulden angehäuft, und die Vermutung liegt nahe, dass er seinen Tod nur vortäuschte und in Amerika untertauchte. Beweise dafür gibt es nicht. Die öffentliche Meinung aber, die Behörden und die Presse, haben die "Mädels" trotzdem längst für schuldig befunden. Und so kann Stella vor Gericht nur noch ihre letzte Message rüberbringen, die da lautet: "Die Männer machen die Welt, und wir Frauen leben nur so daneben her."
Untersuchung an Mädeln ist das etwas andere Kinoerlebnis. Das liegt schon am exotischen Soundtrack, der von Werner Pirchner stammt, einem genialen, zutiefst unterschätzten heimischen Talent, der mit seinem Halben Doppelalbum einen Meilenstein moderner österreichischer Musik schuf. Ein Meilenstein moderner österreichischer Literatur liegt dem Film zugrunde: der Roman Untersuchung an Mädeln des 1995 verstorbenen Schriftstellers und Rechtsanwaltes Albert Drach. Seine als "Kriminalprotokoll" getarnte Satire auf gesellschaftliche Vorurteile, Sexualneid und Frauenverachtung erschien 1971, hat aber nichts an Brisanz eingebüßt, wie diese unkonventionelle Verfilmung mit großartigen Schauspielerpersönlichkeiten beweist. (gd)

Credits

Titel Untersuchung an Mädeln
Originaltitel Untersuchung an Mädeln
Genre Satire
Land, Jahr Österreich, 1999
Länge 90 Minuten
Regie Peter Payer
Drehbuch Wolfgang Beyer, Peter Payer nach dem Roman von Albert Drach
Kamera Andreas Berger
Schnitt Britta Nahler
Musik Werner Pirchner
Darsteller Anna Thalbach, Elke Winkens, Max Tidof, Otto Sander, Simon Schwarz, Nicholas Ofczarek
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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