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Im Herzen der See

In the Heart of the Sea

Action-Abenteuer. USA 2015. 121 Minuten.

Regie: Ron Howard
Mit: Chris Hemsworth, Benjamin Walker

1820 versenkte ein Pottwal den US-Walfänger Essex. 8 Mann überlebten monatelang auf hoher See. Das Drama inspirierte u. a. Herman Melvilles Moby Dick – und Nathaniel Philbricks Non-Fiction-Bestseller, nun von Ron Howard grandios in Szene gesetzt. In Seenot: Chris Hemsworth, Cillian Murphy und Brendan Gleeson.

Filmstart: 4. Dezember 2015

Ich See, ich See. Im August 1819 sticht von Nantucket, Massachusetts, der stolze Walfänger Essex in See, um vor Südamerika nach einem der profitablen Meeresriesen zu jagen. Die Essex gilt wegen ihrer vielen erfolgreichen Missionen als „Glücksschiff“: Kein Wunder, dass Kapitän George Pollard (Benjamin Walker), sein erster Offizier Owen Chase (Chris Hemsworth) und sein zweiter Offizier Matthew Joy (Cillian Murphy) mit hohen Erwartungen auf die große Reise gehen. Pollard ist damals mit erst 29 Jahren einer der jüngsten Walfänger-Kapitäne aller Zeiten und befehligt eine Crew von 20 Mann. Allerdings steht die Reise von Beginn an unter keinem Glücksstern: Schon am zweiten Tag wird die Essex von einer Riesenwelle getroffen und kentert fast. Trotzdem entschließt sich Pollard, die Reise fortzusetzen – eine fatale Entscheidung. Denn die Welle ist nicht das letzte Missgeschick: Durch schlechte Wetterverhältnisse bedingt dauert es Monate, bis das Schiff im Südpazifik ankommt. Dort sind die Gewässer jedoch überfischt, und Pollard beschließt, in Richtung Galápagos-Inseln weiterzusegeln.

No man is an island. Dort angekommen, werden Schiffsreparaturen durchgeführt, die Proviantlager aufgefüllt (u. a. mit Galápagos-Schildkröten; Artenschutz kannte man damals nicht) – und vor der Weiterfahrt gelingt es einem Rudergänger noch, durch einen dummen Streich die gesamte Insel Floreana niederzubrennen und damit eine Schildkröten- und eine Vogelart fast auszurotten. Auch in den kommenden Wochen ist ihr legendäres Glück der Essex nicht hold. Die Jagd bleibt erfolglos, die Spannungen innerhalb der Crew, im Speziellen zwischen Pollard und Chase, werden immer heftiger.

Mensch gegen Tier. Am 20. November schließlich entdecken die Männer einen Pottwal, der ungewöhlich groß ist und sich seltsam verhält: Er liegt erst bewegungslos im Wasser, steuert dann direkt auf die Essex zu, rammt das Schiff mit voller Kraft und attackiert es, bis es sinkt. Noch nie zuvor hat man erlebt, dass ein Wal offenbar ganz bewusst Menschen angreift …
Völlig verstört und mit viel zu wenig Trinkwasser und Proviant finden sich die 20 Männer nun in drei kleinen Beibooten auf offener See, 3.700 km westlich der südamerikanischen Küste. Etwa 1.900 km weiter westlich liegt die nächste bekannte Inselgruppe. Pollard will sie ansteuern – doch der Rest der Crew ist dagegen, man fürchtet Kannibalen. Also geht die Reise Richtung Osten, zum Festland. Und die Männer erwartet eine unsägliche Tortur: Wasser und Essen sind nach zwei Wochen aufgebraucht, die Boote, für lange Reisen ungeeignet, beginnen zu lecken. Es gibt die ersten Toten. Eine winzige Insel verspricht Erleichterung, doch deren Ressourcen sind bald aufgebraucht, die Crew macht wieder die Boote klar. Was die Männer nicht wissen: In unmittelbarer Nähe liegt die um einiges größere Insel Pitcairn, auf der die Überlebenden der legendären Bounty hausen und wo Pollard und seine Crew Hilfe bekommen hätten …

90 Days Later. Drei Monate nach dem Walangriff, im Februar 1821, wurden 8 der ursprünglich 20 Besatzungsmitglieder gerettet, darunter Pollard, Chase und der 15-jährige Schiffsjunge Thomas Nickerson (Tom Holland, Brendan Gleeson spielt ihn als alten Mann). Chase veröffentlichte schon kurz nach seiner Rettung die Geschichte der letzten Fahrt der Essex – ein Buch, das den jungen Schriftsteller Herman Melville (im Film: Ben Whishaw) zum Klassiker Moby Dick inspirierte. Auch Nickerson schrieb in fortgeschrittenem Alter seine Sicht der Dinge nieder – worauf wiederum US-Autor Nathaniel Philbrick seinen Bestseller Im Herzen der See: Die letzte Fahrt des Walfängers Essex basierte. Ein großartiger Stoff für einen großen Abenteuerfilm, erkannte Regisseur und Produzent Ron Howard (Rush, Illuminati, Apollo 13 …) und setzte Segel: Mit einer ausgesuchten Crew an Hollywood-Stars und viel Sinn für die ganz große Welle wagte er sich in den epischen Wal-Kampf.

Text:  Kurt Zechner

Credits

Titel Im Herzen der See
Originaltitel In the Heart of the Sea
Genre Action-Abenteuer
Land, Jahr USA, 2015
Länge 121 Minuten
Regie Ron Howard
Drehbuch Charles Leavitt, Rick Jaffa, Amanda Silver nach dem Buch Im Herzen der See: Die letzte Fahrt des Walfängers Essex von Nathaniel Philbrick
Kamera Anthony Dod Mantle
Schnitt Daniel P. Hanley, Mike Hill
Musik Roque Baños
Produktion Brian Grazer, Ron Howard, Paula Weinstein
Darsteller Chris Hemsworth, Benjamin Walker, Ben Whishaw, Cillian Murphy, Tom Holland, Brendan Gleeson
Verleih Warner

1 Kommentar

Budenzauber auf hoher See

Die legendäre Geschichte über den Untergang der Essex verfilmt man entweder als spannende Doku oder als salzwasserdurchtränkten Bilderreigen. Und letzteres ist es auch geworden - eine famos anzuschauende Hommage an die Abenteuergeschichten der 50er Jahre, allein Gregory Peck oder James Mason gelten als vermisst. Sonst ist alles da, und sogar noch mehr, denn die Tricktechnik von heute schlägt die von damals um Längen. Szenen wie aus den besten Tierfilmen unserer Zeit wechseln sich ab mit dramatischen Licht- und Wolkenstimmungen und experimentierfreudiger Kamera. Das menschliche Drama allerdings lässt man im Hafen zurück - zu hölzern, zu oberflächlich, zu altbacken ist die Dramaturgie. Das hat man den alten Haudegen des Technicolor-Kinos selbstverständlich noch verziehen - vom modernen Kino der Superlative aus gesehen könnte man meinen, schauspielerisch schon etwas weiter zu sein. Denn auf diese Art bleibt das Abenteuerdrama eine Spielfilmdoku für die große Leinwand.

20. Januar 2016
10:13 Uhr

von filmgenuss

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