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Risse im Beton

Risse im Beton

Drama. Österreich 2014. 105 Minuten.

Regie: Umut Dag
Mit: Murathan Muslu, Alechan Tagaev

Kleinkriminalität, blutige Fäuste, die erste große Liebe und harte Reime von der Straße: Von der Unerbittlichkeit des Aufwachsens in den Randbezirken von Wien erzählt Umut Dag (Kuma - Zweitfrau) in seinem zweiten Spielfilm.

Filmstart: 19. September 2014

Abbrecher. Die Schule hat er längst hinter sich gelassen. Da kommt kein Geld rein, Mama braucht Unterstützung, und gegen ihren großen Sohn durchsetzen kann sie sich eh nicht. Mikhail (Murathan Muslu) ist immerhin schon 15. Nach dem Aufstehen raucht er den ersten Joint und schreibt dann ein paar dreckige Lyrics, mit Ficken, Zähneeinhauen und abenteuerlichen Gesetzesübertretungen. Abends im Club vercheckt er Drogen, nichts Arges, nur Hasch. Um ehrlich zu sein, Mikhail hat nicht nur Mamas offene Rechnungen im Kopf: Er will diesen Kleinscheiß hinter sich lassen. Und das geht, Beispiele gibt es ja genug, mit Rappen. Im Jugendclub gibts ein kleines Studio, da nimmt er sein Tape auf, mixen soll das ganze ein Bekannter, der Kontakte zu Mikhails Vorbild Azad (Azad Azadpour himself!) hat. Das alles kostet zwar, aber der Bekannte sagt, das muss so sein. Und Azad, ist Mikhail sicher, wird sein Potential erkennen. Und wird ihn fördern. Bis eines Tages Mikhail selbst auf der Bühne steht, und alle zu ihm aufschauen.

Aussteiger. Ertan (Alechan Tagaev) war zehn Jahre im Gefängnis. Fünfzehn hatte er gekriegt, jetzt ist er auf Bewährung raus. Totschlag, ein dummer Schwabo hatte ihn beleidigt, ein Österreicher, der keine Ahnung hatte, wer da vor ihm steht. Damals war Ertan wer. Aber zehn Jahre in der Zelle und ein Fenster so klein wie ein Scheißhausdeckel, das verändert einen Menschen. Jetzt ist Ertans damaliger bester Freund der King in der Gegend, stellt 15-Jährige als Drogenkuriere an und leiht denen Geld, die er gern in seiner Schuld sieht. Aber Ertan will sauber bleiben. Auch wenn ihm seine Freunde sagen: "Du kriegst dich von der Straße, aber nie die Straße aus dir."

Rückzieher. Ertan weiß, wer Mikhail ist, und versucht, sich mit ihm anzufreunden. Mikhail ist irritiert: Wer ist das, der plötzlich überall auftaucht und ihm anbietet, bei Problemen für ihn dazusein? Wobei, Probleme gäbe es genug: Da ist Daria (Magdalena Pawlus), die einzige, die wirklich gut ist in Mikhails Leben. Aber irgendwas stimmt nicht mit ihr. Dann ist da die Sache mit Azad, die immer teurer wird. Und Mikhails Geldprobleme lassen sich auch diesmal mit einem Besuch im Wettcafé nicht lösen …

Hoffnungsträger. Welche Vergangenheit Ertan und Mikhail verbindet, ahnt man als Zuschauer bald. Was sich aus dieser Konstellation ergibt, ist echtes Straßenmelodram. Risse im Beton ist glaubwürdig, engagiert, mit genauem Blick für jene Umstände, die das Leben des jungen Mikhail so erschweren: der unbeugsame Machismo, die Knastromantik, die Rivalitäten zwischen Nationen und Klassen, die Wettcafés, diese Krätze der Stadt. Aber dann gibt es auch Jugendzentren, Leute, die zuhören, einen vernünftigen Bewährungshelfer. Es ist zum Heulen, aber es gibt Hoffnung: So geht großes Kino!

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Risse im Beton
Originaltitel Risse im Beton
Genre Drama
Land, Jahr Österreich, 2014
Länge 105 Minuten
Regie Umut Dag
Drehbuch Umut Dag, Petra Ladinigg
Kamera Georg Geutebrück
Schnitt Claudia Linzer
Musik Iva Zabkar
Produktion Michael Katz, Veit Heiduschka
Darsteller Murathan Muslu, Alechan Tagaev, Ivan Kriznjak, Shamil Iliskhanov, Daniel Mijatovic, Magdalena Pawlus, Azad Azadpour
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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