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Gruber geht

Gruber geht

Literaturverfilmung, Tragikomödie. Österreich 2015. 92 Minuten.

Regie: Marie Kreutzer
Mit: Manuel Rubey

Werbefuzzi John Gruber (Manuel Rubey) ist Perfektionist. Deshalb liebt er sich auch selbst am allermeisten - bis ihm Körper, Kopf und Herz einen Strich durch die saubere Rechnung machen. Marie Kreutzers (Die Vaterlosen) wunderbare Verfilmung von Doris Knechts Bestseller.

Filmstart: 30. Januar 2015

Es gibt Menschen, gegen die kommt ihr eigenes Klischee daher wie eine tiefenpsychologische Studie. Johannes Gruber (Manuel Rubey) ist so jemand. Nennt sich oh-so-weltläufig John, lebt im superchicen Wiener Glaskobel-Dachappartment. Sein Geld verdient er als Superchecker in einer Werbefirma, seine Freizeit verbringt er abwechselnd im Fitnessstudio, in einer hippen Bar oder im Bett mit einem feschen One-Night-Stand. Die spärlichen Besuche bei der ach so biederen Familie - Schwester (Doris Schretzmayer), deren nervige Kids und spießiger Ehemann, Mama - gelten eher als Tiefpunkte im sozialen Kalender und werden selten nüchtern absolviert.

Es gibt Tage, die sind wie wenn einem von hinten jemand ins Knie tritt. Wie der, als Gruber am Laufband im Fitnessstudio plötzlich zusammenbricht. Oder der, als ihn sein Chef unerfreut darauf hinweist, dass ein sehr wesentlicher Etat einer Schweizer Firma offenbar kräftig wackelt - Gruber muss also nach Zürich fliegen um zu retten, was zu retten ist, pronto.

Es gibt Zufälle, die das Leben verändern. Schon im Flieger nach Zürich ist Gruber die charismatische Berlinerin Sarah (Bernadette Heerwagen) aufgefallen. Sie fällt eigentlich nicht wirklich in sein Beuteschema, aber irgendwas funkt da. Und dann wohnt sie im gleichen Hotel wie Gruber, sie ist auch nur kurz in der Stadt, engagiert als DJane in einem chicen Club. Es kommt wie es kommen soll, die beiden landen im gleichen Hotelbett, und sind fasziniert voneinander. So vertraut, so unverkrampft gehen sie miteinander um, das hier ist etwas Besonderes. Und so gibt Gruber Sarah auch den Brief vom Krankenhaus zu lesen, den er seit weißgottwielange ungeöffnet mit sich herumträgt …

Es gibt Bücher, in die man sich einfach verliebt. Doris Knechts Debütroman um einen oberflächlichen Schnösel, der in rascher Folge mit existenziellen Ereignissen - schwere Krankheit, große Liebe - konfrontiert wird, wurde zum Überraschungserfolg. Die Wiener Filmemacherin Marie Kreutzer machte daraus nun einen klug inszenierten, spannenden und unrettbar romantischen Film über einen urbanen Zyniker, der zu leben lernt - veredelt vom wirklich cleveren Dialogwitz und dem hinreißenden Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Gruber geht
Originaltitel Gruber geht
Genre Literaturverfilmung/Tragikomödie
Land, Jahr Österreich, 2015
Länge 92 Minuten
Regie Marie Kreutzer
Drehbuch Marie Kreutzer nach dem Roman von Doris Knecht
Kamera Leena Koppe
Schnitt Ulrike Kofler
Produktion Helmut Grasser, Constanze Schumann
Darsteller Manuel Rubey, Bernadette Heerwagen, Pia Hierzegger, Thomas Stipsits, Ulrike Beimpold, Harald Windisch, Doris Schretzmayer, Pheline Roggan
Verleih Thimfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

Auf den Boden zurückgeholt

Die österreichische Filmemacherin Marie Kreutzer hat nach dem beeindruckend intensiven Generationendrama "Die Vaterlosen" erneut ein vor allem suggestiv und berauschend bebildertes Charakterdrama inszeniert, welches vor allem durch behutsam getimte Takes besticht. Dass Manuel Rubey mit seiner monotonen, in sich hinein nuschelnden Sprache nicht immer, und wirklich sehr selten richtig zu verstehen ist, dürfte das einzige Manko an diesem Film sein, sprechen doch die nonverbalen Szenen und akkurat arrangierten Stillleben, die das Innenleben der Protagonisten mit viel Liebe zum Detail - man beachte die Statements auf dem Display von Grubers Mobiltelefon - widerspiegeln, mehr als tausend Worte. Die Läuterung eines Scrooge der Gegenwart ist wie ein filmischer, unterkühlter Indie Song, dessen Melodie zwischen den gesprochenen Zeilen erst so richtig seine Melodie entfaltet.

20. Januar 2016
10:08 Uhr

von moviecheck

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