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Inherent Vice - Natürliche Mängel

Inherent Vice

Komödie, Krimi. USA 2014. 148 Minuten.

Regie: Paul Thomas Anderson
Mit: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Katherine Waterston

Kiffer-Noir, ko(s)misches Lustspiel, das ewige Wagnis Liebe: P. T. Andersons fulminante Kinoversion eines Romans von Thomas Pynchon schickt den Dude Joaquin Phoenix auf einen weed-verhangenen Trip durch Gegenkulturen und Gangsterwelten eines sehr kalifornischen Jahres 1970.

Filmstart: 13. Februar 2015

L. A. Noir. Und unversehens steht da die Vergangenheit in der Tür, ohne Anmeldung, aber mit Anliegen: Ein Hippie-Mädchen mit Namen Shasta (Katherine Waterston), das vom Ex einen Gefallen braucht. Der ist schließlich Privatdetektiv, obgleich auch nicht mehr sonderlich gut im Geschäft – das viele gute Kiffen ist eben das, worin im gegenkulturellen Kalifornien anno 1970 allzu gern Zeit und Mittel fließen. So erfährt dieser Doc Sportello (backenbärtig begnadet: Joaquin Phoenix) von einem Komplott, das den momentanen Lover der Verflossenen, den Tycoon Mickey Wolfmann (Eric Roberts), unter Federführung von dessen Frau und ihrem Toyboy in die Klapse bringen soll. Kaum, dass Shasta ihn auf den Fall angesetzt hat, ist sie aber schon wieder spurlos verschwunden – und der verpeilte Schnüffler mittendrin in einer Recherche, in der sich die Entwicklungen rasch überschlagen und ihm einen ominösen Todesfall später auch schon der „Renaissance Cop“ Bigfoot Bjornson (Josh Brolin) im Genick sitzt. Dass sich Doc parallel dazu auf die Suche nach einem totgeglaubten Saxofonisten begibt, erweist sich da weniger als Ablenkung als angenommen: Denn dieser sich allerbester Gesundheit erfreuende Coy Harlingen (Owen Wilson) ist ein untergetauchter Spitzel, der eventuell sogar Hinweise zum Wolfmann-Fall liefern könnte. Womöglich hängt hier ja alles zusammen? Womöglich sollte Sportello auch mehr mit dem humorbefreiten Bigfoot kooperieren? Womöglich sollte er aber zuerst mal noch ein bissl was rauchen.

How Marlowe can you go? Wenn man sich beim Schauen von Inherent Vice –- Natürliche Mängel bisweilen so fühlt als würde man wie der Dude, sorry: der Doc, durch meterdicke Marihuanawolken wanken, dann liegt das durchaus im Sinne der Erfinder – handelt es sich doch um den allerersten Versuch, einen der labyrinthischen literarischen Wege von Thomas Pynchon filmisch zu beschreiten, unternommen von Sonderkönner Paul Thomas Anderson. Weit weg von der Schicksalsschwere seiner letzten Filme wie z. B. There Will Be Blood treibt er sein Publikum auf einen deliziös delirierenden Trip mitten rein in eine wild Volten schlagende Noir-Story, die ihren Protagonisten ohne Unterlass in sehr schrullige Szenarien laufen lässt. Auf ungezwungene Weise ist das alles hochgradig unterhaltsam, verquer sinnlich und unergründlich existentiell zugleich, dabei sowohl Hohelied als auch Abgesang auf eine unwiderbringlich verschollene Ära. Oder, mit einem hier sehr gern gebrauchten Wort: groovy.

Text:  Christoph Prenner

Credits

Titel Inherent Vice - Natürliche Mängel
Originaltitel Inherent Vice
Genre Komödie/Krimi
Land, Jahr USA, 2014
Länge 148 Minuten
Regie Paul Thomas Anderson
Drehbuch Paul Thomas Anderson basierend auf dem Roman von Thomas Pynchon
Kamera Robert Elswit
Schnitt Leslie Jones
Musik Jonny Greenwood
Produktion Paul Thomas Anderson, Daniel Lupi, Joanne Sellar
Darsteller Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Katherine Waterston, Owen Wilson, Benicio Del Toro, Reese Witherspoon, Jena Malone, Martin Short, Eric Roberts, Maya Rudolph, Joanna Newsom
Verleih Warner

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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