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Halbe Brüder

Halbe Brüder

Komödie. Deutschland 2015. 116 Minuten.

Regie: Christian Alvart
Mit: Fahri Ogün Yardim, Sido, Julia Dietze, Tedros Teclebrhan

Söhne der Anarchie auf Schnitzeljagd: Sido, Fahri Yardim und Tedros Teclebrhan begeben sich als erstmals vereintes, denkbar ungleiches Brüdergespann auf die Spuren der unbekannten Mutter und ihres versteckten Erbes. Exzesshumoriges Mash-up aus Road Movie und Buddy Comedy.

Filmstart: 9. April 2015

Ein Trio. Treffen sich drei Typen in einem Wartezimmer: einer Deutscher, einer Türke, einer Afrikaner. Was sich wie die Einleitung eines mäßig lustigen Witzes anlässt, hat einen ernsten Hintergrund. Das Wartezimmer gehört nämlich zu den Räumlichkeiten eines Nachlassverwalters - und das Trio, ohne es zu ahnen, zusammen. Die Verlesung des Testaments einer Nonne(!) hält dann eine handfeste Überraschung parat: Die Verstorbene ist vor ihrem entbehrungsreichen Klosterleben ein richtiges Hippie-Mädchen gewesen, das das eher säkulare Gebot der freien Liebe betont praxisorientiert ausgelegt/gelebt und als Folge dessen drei Söhne von ebensovielen unterschiedlichen Erzeugern in die Welt gesetzt hat. Ebendiese sitzen nun also logischerweise verdattert da und wissen nicht so recht wie ihnen geschieht bzw. wie sich verhalten sollen. Schließlich würde ihr gemeinsames Erbe 120.000 Euro betragen, es müsste halt bloß zuerst mal an einem nicht näher angeführten Versteck aufgespürt werden.

Ein Trip. Die Neuverwandten sind sich ob ihrer grundverschiedenen Art zwar nicht sonderlich sympathisch, etwas eint sie aber doch: ein gewisser Finanzbedarf. Julian (Paul "Sido" Würdig) mag zwar von der lasterhaften Laufbahn abgebogen sein, hat sich neulich aber dennoch, um Frau (Mavie Hörbiger) und Kind besser versorgen zu können, auf eine Glückspielabzocke eingelassen, wegen der er sich nun im Schussfeld eines Schurken und seines Eintreibers im Hasenkostüm wiederfindet. Yasin (Fahri Yardim) hingegen sollte demnächst den gut gehenden Betrieb seines Stiefvaters übernehmen, hat davor allerdings so viel Schiss wie vor allem anderen im Leben auch - und ist deshalb drauf und dran, alles in den Sand zu setzen. Und zuletzt hat Addi (Tedros Teclebrhan) seine Rap-Karriere immer noch nicht wesentlich angeschoben, weshalb er eher mit Drogenverticken denn mit Plattenverkaufen Geld macht. Davon wird er freilich bald noch mehr benötigen: Seine Freundin und er erwarten Nachwuchs. Es bleibt den halben Brüdern gar nix anderes übrig als die halben Sachen bleiben zu lassen, sich zusammenzuraufen und sich auf eine fahrende Familienaufstellung quer durch die deutschen Lande zu begeben - auf die Fährte der turbulenten Geschichte ihrer Mutter, die sie wohl auch zu ihren leiblichen Vätern und im besten Falle zum erhofften Schotter führen wird.

Ein Step. Es ist ein mutiger Schritt, den der deutsche Regisseur Christian Alvart, der bislang als Crime- und Thriller-Spezialist (Antikörper, Fall 39, manche Tatort-Tat mit Til Schweiger) galt, da mit seinem neuen Film wagt: Halbe Brüder ist seine erste Komödie. Dass ihm der Genrewechsel nicht nur leicht von der Hand, sondern zu großen Teil recht kurzweilig aufgeht, ist neben einem meist pointensicheren, mit aller gebotener Albernheit und flottem Tempo inszenierten Drehbuch (an dem übrigens Michael Ostrowski mitschrieb) auf gewagte und geglückte Casting-Manöver zurückzuführen: So gibt Deutsch-Rap-Veteran Sido hier den Wannabe-Normalo und eben grade nicht den reimenden Maulhelden, der stattdessen von YouTube-Spaßfritz Tedros Teclebrhan gespielt wird. Der sonst so harte Knochen Fahri Yardim darf als Schüchti ebenfalls eher ungekannte Facetten zeigen. Durch die solcherart gegen den Strich besetzte Dreiergruppe entwickelt dieser Zwitter aus Road Movie und Buddy Comedy ein reizvolles Wechselspiel aus Reibung und Harmonie, aus Bruhaha und Gefühlsmoment, das einen mit etwas gutem Willen schon mal glauben lässt, dass so was wie Hangover auch in unseren Breitengraden möglich sein kann. Experiment geglückt, Patient schmunzelt.

Text:  Christoph Prenner

Credits

Titel Halbe Brüder
Originaltitel Halbe Brüder
Genre Komödie
Land, Jahr Deutschland, 2015
Länge 116 Minuten
Regie Christian Alvart
Drehbuch Doron Wisotzky, Michael Ostrowski
Kamera Christof Wahl
Schnitt Marc Hofmeister
Musik Christoph Blaser, Steffen Kahles
Produktion Marc Conrad, Jan S. Kaiser, Sigi Kamml, Christian Alvart
Darsteller Fahri Ogün Yardim, Sido, Julia Dietze, Tedros Teclebrhan, Detlev Buck, Violetta Schurawlow, Roberto Blanco, Charly Hübner
Verleih UPI

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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