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Nightcrawler

Nightcrawler

Drama, Krimi. USA 2014. 117 Minuten.

Regie: Dan Gilroy
Mit: Jake Gyllenhaal, Rene Russo

Mean Streets. Louis (Jake Gyllenhaal) ist ein gewissenloser Paparazzo auf der Suche nach blutigen Bildern, im Auftrag der toughen Newsproduzentin Nina (Rene Russo): fulminantes, rabenschwarzes Regiedebüt von Autor Dan Gilroy (Das Bourne Vermächtnis).

Filmstart: 14. November 2014

"Denk dir unsere News als schreiende Frau, die die Straße runterrennt - mit aufgeschlitzter Kehle." Nina Romina (Rene Russo) hat was übrig für drastische Bilder. Das liegt an ihrem Job: Sie ist Produzentin einer nächtlichen Nachrichtensendung. Und weil die Quoten irgendwo im Keller dümpeln, braucht Nina dringend gutes Newsmaterial. Und gut bedeutet: Blut.

Louis Bloom (Jake Gyllenhaal) ist hungrig. Lange genug hat er sich damit übers Wasser gehalten, durch die Nacht zu streifen, Metall zu stehlen und es beim Schrotthändler zu verscherbeln. Er hat im Internet einen Businesskurs absolviert, er will endlich Karriere machen. Irgendwann wird er Zeuge bei einem Verkehrsunfall und beobachtet die Kameraleute, die sich zwischen Opfer und Sanitäter drängeln und nach den schockierendsten Bildern gieren. Und Louis hat seinen Traumjob gefunden.

Hartnäckigkeit und ein stabiler Magen sind essentiell für einen Freelance-Kameramann. Was außerdem hilft, ist die Abwesenheit jeglicher Skrupel: Louis besorgt sich eine Kamera, geht bei der nächsten Supermarktschießerei noch näher ran ans Opfer als die erfahrenen Kollegen, marschiert beim nächstbesten Fernsehsender rein und stellt sich bei Nina vor. Die ist ohnehin schwer unter Quotendruck und beeindruckt von Louis’ Aufnahmen eines Geschäftsmannes, der live verstirbt. Und sie gibt dem Neuling und seinem flugs per Annonce engagierten Kameraassi Rick (Riz Ahmed, Four Lions) eine Chance. Doch Louis will Erfolg ohne Kompromisse - und wer sich von seiner Maske aus Businesssprech und Zahnweißlächeln blenden lässt, hat schon verloren …

Jake Gyllenhaal spielt diesen Louis Bloom als furchteinflößendes Arschloch, als unberechenbaren Strategen, der bei seiner Karriereplanung Leichen billigend in Kauf nimmt, einen Soziopathen mit brennendem Blick, für den Wahnsinn und Voyeurismus des 24-Stunden-News-Zyklus genau die richtige Spielwiese sind. Nightcrawler ist das Regiedebüt von Drehbuchautor Dan Gilroy (Das Bourne Vermächtnis) und beginnt als Thriller, nur um sich allmählich zur bösen Mediensatire zu wandeln: ein atemloses nächtliches Road Movie von den Straßen von L. A., das Porträt eines Zynikers und seiner pervertierten Variante des amerikanischen Traums.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Nightcrawler
Originaltitel Nightcrawler
Genre Drama/Krimi
Land, Jahr USA, 2014
Länge 117 Minuten
Regie Dan Gilroy
Drehbuch Dan Gilroy
Kamera Robert Elswit
Schnitt John Gilroy
Musik James Newton Howard
Produktion Jennifer Fox, Tony Gilroy, Jake Gyllenhaal, David Lancaster, Michel Litvak
Darsteller Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Bill Paxton, Riz Ahmed, Ann Cusack
Verleih Constantin Film

1 Kommentar

Über Leichen

Der abgemagerte Jake Gyllenhal ist ein erschreckender Anblick. Seine überdimensional großen Augen und das siegessichere Lächeln hat etwas unsagbar expressionistisches. Der fast zur Gänze in der Nacht spielende Medienthriller ist kein angenehmer Film, und Gyllenhal sorgt durch sein subversives Spiel für zunehmende Verunsicherung. Wo andere Filme wie "Network" oder "Mad City" viel mehr ihr satirisches Potenzial ausschöpfen, bleibt "Nightcrawler" zwar zynisch, aber immer packend real. Überspitzungen erkennt man nicht sofort, Sarkasmus ist hier ernüchternde Wirklichkeit. Ein spannendes Stück urbaner Albtraum, jedoch kein Film, mit dem man sich anfreunden möchte.

28. September 2015
21:46 Uhr

von filmgenuss

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