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Die Entdeckung der Unendlichkeit

The Theory of Everything

Biografie, Drama. GB 2014. 123 Minuten.

Regie: James Marsh
Mit: Eddie Redmayne, Felicity Jones

Die Theorie von allem: John Marshs Biografie von Stephen Hawking (Eddie Redmayne) und seiner Frau Jane (Felicity Jones) ist nicht nur die Geschichte des berühmtesten lebenden Physikers der Welt - sondern auch großes Gefühlskino.

Filmstart: 25. Dezember 2014

Erste Liebe. Ein ungekämmter, rotblonder Haarschopf, ein breites Lächeln, beißende Ironie und strahlende Augen: Als die 18-jährige Romanistikstudentin Jane Wilde (Felicity Jones, Powder Girl) bei einer Silvesterparty 1963 in Cambridge den angehenden Physiker Stephen Hawking (Eddie Redmayne, Les Misérables) kennenlernt, ist sie hingerissen. Zwar kann Stephen nicht tanzen - er ist von anrührender Tollpatschigkeit -, und seine Forschungsarbeit wird immer vor allem anderen kommen, aber er ist zärtlich, klug - und ungemein angesehen bei seinen Kommilitonen und Professoren. Vielleicht ist nicht alles einfach, Stephen versteht etwa partout nicht, warum sie frühe spanische Poesie studiert. Doch die beiden sind ein wunderschönes Paar: Das Leben liegt vor ihnen, alles scheint möglich, Stephen arbeitet mit Begeisterung an einer revolutionären Theorie über den Ursprung des Universums, verblüfft damit seine Fachkollegen, und abends schaut er mit Jane in den Nachthimmel.

Grenzenlos. Doch während sein Geist Grenze um Grenze überwindet, gibt Stephens Körper immer öfter nach, er spricht oft undeutlich, seine Bewegungen sind fahrig. Irgendwann, auf dem Weg zu Jane, im Laufschritt, versagen seine Beine. Er knallt ungebremst auf das harte Pflaster. Und als er im Krankenhaus wieder zu sich kommt, unzählige Tests später, stellt sich die Sache mit der Unendlichkeit des Daseins mit einem Mal völlig anders dar: Stephen leidet an einer seltenen, degenerativen Nervenkrankeit, Amyotrophe Lateralsklerose (kurz: ALS, die Krankheit zu deren Erforschung die Ice-Bucket-Challenge erfunden wurde). Die Ärzte geben ihm noch zwei Jahre, bis seine nutzlos gewordene Muskulatur aufgibt und er erstickt. Doch Jane denkt nicht daran, Stephen alleinzulassen: Obwohl sein Vater (Simon McBurney) dringend vor zu viel Optimismus warnt, steht sie zu ihm, kurze Zeit später heiraten die beiden. Stephen geht zu diesem Zeitpunkt bereits am Stock, mit 23 Jahren. Jane ist wild entschlossen, dieser Liebe alles zu geben – so wenig Zeit den beiden auch miteinander bleiben mag.

Mehrdimensional. Die Biografie von Stephen Hawking ist an sich schon bemerkenswert - und die starke, langmütige, zärtliche Liebe seiner Frau steht nun im Zentrum von Die Entdeckung der Unendlichkeit: James Marshs Film beruht auf Jane Hawkings Memoiren Die Liebe hat elf Dimensionen: Mein Leben mit Stephen Hawking, in der sich Jane an die Zeit mit Stephen zurückerinnert, nicht immer ganz ohne Bitterkeit: Das Zusammenleben mit dem körperlich immer weiter eingeschränkten Physiker, der zugleich immer berühmter wird, und seine jahrelange Weigerung, irgendeine Hilfe von außen anzunehmen, zehren an Janes Kraft. Zugleich erleben sie viele schöne Momente miteinander: Bald kommt der erste Sohn Robert zur Welt, ein paar Jahre später Lucy. Die Kinder erleben ihren Vater als zugewandt, auch wenn er sich immer schlechter ausdrücken kann.

Oscar-Material. Wenigstens nimmt er eines Tages den Rollstuhl an, den Jane ihm anbietet. "Das ist aber nur temporär", hält er fest, als er sich schwer in den Sitz fallen lässt. Jedes Hilfsmittel anzunehmen fällt ihm schwer, weil es einen weiteren nicht rückgängig machbaren Verlust von Autonomie bedeutet, doch für Jane ist Stephens Sturheit schwer zu ertragen: Sie empfindet sich mehr als seine Krankenschwester denn seine Partnerin. Irgendwann, als Jane dem Zusammenbruch nahe ist, rät ihre Mutter ihr: "Geh doch in den Kirchenchor. Du wirst sehen, das wirkt Wunder." Jane lacht, das sei wohl das Britischste, was ihr je jemand geraten habe. Doch sie befolgt den Rat. Und findet im Chorleiter Jonathan (Charlie Cox) endlich ein Gegenüber, das ihr lange gefehlt hat … James Marsh, der 2009 für den Dokumentarfilm Man on Wire den Oscar bekommen hat, ist mit Die Entdeckung der Unendlichkeit zugleich Biografie und Liebesfilm gelungen, ein Einblick in das Innere einer Ehe mit einem Genie: Es ist die Geschichte zweier Menschen, die sich weigern, aufzugeben, und ein Zeugnis der Macht des Willens.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Die Entdeckung der Unendlichkeit
Originaltitel The Theory of Everything
Genre Biografie/Drama
Land, Jahr GB, 2014
Länge 123 Minuten
Regie James Marsh
Drehbuch Anthony McCarten basierend auf dem Buch von Jane Hawking
Kamera Benoît Delhomme
Schnitt Jinx Godfrey
Musik Jóhann Jóhannsson
Produktion Tim Bevan, Lisa Bruce, Eric Fellner, Anthony McCarten
Darsteller Eddie Redmayne, Felicity Jones, Emily Watson, David Thewlis, Harry Lloyd, Alice Orr-Ewing, Simon McBurney, Charlie Cox, Michael Marcus, Charlotte Hope
Verleih UPI

2 Kommentare

Wunderbarer Film

Der gut gemachte Film bietet sehr berührende Einblicke in das Leben von Jane und Stephen Hawking und die Entwicklungen seiner Theorien.

3. Januar 2015
19:36 Uhr

von 123sunshine123

Köpfchen muss man haben...

...und eine ordentliche Portion gesunden Humor. Sonst wäre das Schicksal, in seinem eigenen Körper gefangen zu sein, unerträglich. Die Lebensgeschichte der beeindruckendsten Geistesgröße der Moderne ist weder Betroffenhsitskino noch Seifenoper, sondern, aus der Sicht seiner großen Liebe und Wegbegleiterin Jane Wilde erzählt, ein aufschlussreicher, faszinierender Blick hinter die Kulissen einer wissenschaftlichen Kultfigur. Dass Eddie Redmayne den Oscar zu Recht verdient hat, steht ausser Frage - seine intensive Darstellung eines dem Schicksal trotzenden Denkers lässt aufgrund seiner Intensität über weite Strecken den echten Stephen Hawking vermuten. Der Geist ist stärker als das Fleisch – ein Input, der motiviert.

21. April 2015
11:03 Uhr

von filmgenuss

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