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Big Eyes

Big Eyes

Biografie, Drama. USA 2014. 106 Minuten.

Regie: Tim Burton
Mit: Amy Adams, Christoph Waltz

Sie malt, er macht sich wichtig. Die Künstlerin Margaret Keane wird erst berühmt, als ihr Mann ihre Bilder als seine verkauft - keine unproblematische Ausgangsbasis. Tim Burtons Golden-Globe-gekröntes Biopic mit Amy Adams und Christoph Waltz.

Filmstart: 24. April 2015

Traurige Mädchengesichter, die den Betrachter aus riesigen, ausdrucksvollen Augen ansehen: In den USA waren die charakteristischen Porträtbilder, die so gekonnt zwischen Kunst und Kitsch daherkamen, in den 1950ern extrem beliebt, es war dies einer der ersten Fälle, wo bildende Kunst in den Massenmarkt einbrach: Denn der Künstler hinter den Big Eyes war auch ein echtes Marketinggenie. Walter Keane (Christoph Waltz) war nicht nur Celebrity und Stammgast in diversen Talkshows, sondern hatte darüber hinaus die revolutionäre Idee, seine Bilder als billige Drucke, Postkarten und Poster zu vervielfältigen und noch dazu in "atypischen" Outlets wie etwa Tankstellen oder Heimwerkermärkten einem großen Publikum anzubieten. Und so kam es, dass in quasi jedem zweiten Haushalt ein Bild von Walter Keane hing. Oder eher: ein Bild, auf dem Walter Keanes Autogramm prangte.

Wer hats erfunden? Denn seine Unterschrift war tatsächlich das einzige, was an den Bildern wirklich von Walter war - alles andere stammte von Margaret Keane (Amy Adams' Golden-Globe-Rolle), der eigentlichen Künstlerin, Walters Ehefrau. Die, talentiert aber jung und schüchtern, hatte nie besonderes Talent zur Selbstvermarktung und sich an der Seite des charmanten, beredten Walter endlich Erfolg erhofft. Und erst erschien es ihr ja auch einleuchtend, gleich das ganze Marketing-Paket an ihren erfahrenen, eloquenten Ehemann abzugeben. Bereitwillig spielte sie die liebevolle Künstlergattin. Doch als der Ruhm, den er schließlich nur ihr allein verdankt, Walter immer mehr in den Kopf steigt, erkennt sie, dass die Zeit für die Wahrheit gekommen ist - auch wenn das ihr Eheglück nicht gerade fördert.

Hinter der Leinwand. Jahrelang hatten die Produzenten die mittlerweile 87-jährige Margaret Keane (Walter starb im Jahr 2000) bekniet, die Rechte für ihre Lebensgeschichte zu verkaufen. Und nun verfilmte sie ausgerechnet einer ihrer größten Fans: Kultregisseur Tim Burton. Big Eyes ist ein sehr persönlicher Film für Burton,  vielleicht griff er deshalb seine Figuren viel zarter an als sonst - berührend und mit vielen Seitenhieben auf die moderne Kunstindustrie erzählt er hier das Drama einer Beziehung, die Burton-typische leicht surreale Optik verbreiten hier fast ausschließlich Keanes Bilder.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Big Eyes
Originaltitel Big Eyes
Genre Biografie/Drama
Land, Jahr USA, 2014
Länge 106 Minuten
Regie Tim Burton
Drehbuch Scott Alexander, Larry Karaszewski
Kamera Bruno Delbonnel
Schnitt JC Bond
Musik Danny Elfman
Produktion Tim Burton, Scott Alexander, Lynette Howell, Larry Karaszewski
Darsteller Amy Adams, Christoph Waltz, Jason Schwartzman, Terence Stamp, Danny Huston, Krysten Ritter
Verleih Constantin Film

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

Die Kunst der Anderen

Welch ein Fehler, Christoph Waltz nicht nochmal gewinnen zu lassen. Und welch ein Fehler, den Film bei den diesjährigen Oscars überhaupt übergangen zu haben. Denn Filmgruftie Tim Burton erzählt eine unglaublich wahre Geschichte, die seinen üblichen visuellen Firlefanz, den ich allerdings sehr schätze, gar nicht mal benötigt. Über die Frage, was Kunst ist, lässt sich in diesem Film zwar ewig streiten, aber das mit viel Hingabe. Und über die Frage, wo diese aufhört und der Kommerz beginnt, ebenso. Beide Betrachtungen findet man in einer intelligenten, durchaus mitreißenden sowie farbenfrohen Künstlerbiopic, die gnadenlos gut besetzt und in jeder Minute von Adams´und Waltz´ interessiertem und leidenschaftlichem Spiel durchdrungen ist. Witzig und erschütternd, manchmal vielleicht etwas zu viel Selbstparodie, aber im Ganzen ein fesselnder Urheberrechtskrimi, der einmal verfilmt werden musste. Toller Stoff.

19. Mai 2015
09:58 Uhr

von filmgenuss

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