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Bridge of Spies - Der Unterhändler

Bridge of Spies

Thriller. USA 2015. 141 Minuten.

Regie: Steven Spielberg
Mit: Tom Hanks, Amy Ryan

Aus dem Gerichtssaal in den Geheimdienst. Tom Hanks spielt den Anwalt James B. Donovan, der während des Kalten Krieges zum Verhandler für die CIA wurde: historische Hochspannung von Steven Spielberg – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen.

Filmstart: 27. November 2015

Ein aufrechter Mann. Für heikle Fälle braucht es erfahrene Leute, und der New Yorker Versicherungsanwalt James B. Donovan (Tom Hanks) ist einer der besten in seinem Fach: Er verteidigt seine Mandanten mit Gelassenheit, Souveränität und Hausverstand, ob es um einen Verkehrsunfall geht oder um einen Wasserschaden. Und meistens bekommt er recht. Dann allerdings wird ihm ein ausgesprochen ungewöhnlicher Mandant anvertraut: Ein gewisser Rudolf Abel (Mark Rylance), Kunstmaler und russischer Geheimagent, soll einen fairen Prozess bekommen. Es ist 1957, der Kalte Krieg kocht gerade heiß, und mehrere Verteidiger haben Abel abgelehnt. Donovan nimmt den Fall an. Und er argumentiert, wie er es immer tut: gelassen, souverän und im Sinne seines Mandanten. Zwar verliert er den Prozess, doch er erreicht immerhin, dass Abel „nur“ zu lebenslanger Haft verurteilt wird und nicht wie reihum erwartet zum Tode. Denn, so legte Donovan dem Richter dar: Ein Mann wie Abel kann für die USA noch einmal sehr viel wert sein.

Weitblick. Der Tag lässt nicht lange auf sich warten: Ein junger US-Pilot wird bei einem heiklen Spionageflug über Russland abgeschossen. Natürlich ist es im allerhöchsten Interesse der US-Regierung, ihn möglichst bald zurückzuholen, bevor er auszupacken beginnt. Nun erweist sich Rudolf Abel als wertvolles Pfand, und James Donovan soll erneut aushelfen: In geheimer Mission soll er als ganz normaler Zivilist nach Ostberlin reisen, wo gerade die Mauer frisch erbaut wird, und mit ostdeutscher Vermittlung mit den Sowjets einen Gefangenenaustausch verhandeln. Doch die Sache ist vertrackt: Die Ostdeutschen wollen Abel nicht gegen den jungen Piloten, sondern gegen einen amerikanischen Collegestudenten tauschen, der in Ostberlin verhaftet wurde. Und die Sowjets wollen sich nicht von den Ostdeutschen dreinpfuschen lassen. Donovan steht vor einem Problem: Er hat zwei Verhandlungspartner, zwei amerikanische Gefangene – aber nur einen Geheimagenten als Pfand …

Geschichtsstunde. Ob Schindlers Liste, Amistad, München oder Lincoln: Immer wieder ist es Steven Spielberg gelungen, unsere Wahrnehmung historischer Ereignisse wesentlich mitzuprägen. Hier ist der Kalte Krieg die dramatische Begleitmusik eines realen Agententhrillers, dessen Dreh- und Angelpunkt ein ganz normaler Mann mit Menschenkenntnis und Geschick ist: Der einfache Versicherungsanwalt Donovan hat es später übrigens noch einmal in die Geschichtsbücher geschafft – er half 1962 wesentlich bei der Entspannung der Kuba-Krise mit. Aber das ist eine andere Geschichte.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Bridge of Spies - Der Unterhändler
Originaltitel Bridge of Spies
Genre Thriller
Land, Jahr USA, 2015
Länge 141 Minuten
Regie Steven Spielberg
Drehbuch Ethan Coen, Joel Coen, Matthias Charman, Matthias Charman
Kamera Janusz Kaminski
Schnitt Michael Kahn, Thomas Newman
Produktion Steven Spielberg, Marc Platt, Kristie Macosko Krieger
Darsteller Tom Hanks, Amy Ryan, Alan Alda, Mark Rylance, Sebastian Koch
Verleih Centfox

1 Kommentar

The Good American

Wo Spielberg draufsteht ist Spielberg drin. Technisch anspruchsvolles, gut recherchiertes und souverän besetztes Kino. Auch diesmal weiß der vielseitige Dreamworker mit seinem neuesten Werk aus der Geschichte des 20ten Jahrhunderts nicht zu enttäuschen, wenngleich das Spionagedrama mit Routinier Tom Hanks einer seiner konventionellsten Filme geworden ist. Erstaunlich unaufgeregtund in klassisch chronolohischer Erzählweise erfüllt Spielberg einmal mehr seinen Bildungsauftrag und füllt die Lücke zwischen "Schindlers Liste" und "München" mit sicherer Handschrift, ohne Experimente und stilistischen Überraschungen. Andererseits: Braucht es das denn? Die wahre Geschichte an sich ist fesselnd und interessant genug, jede Szene exakt bemessen, nichts zu lang oder zu kurz. Spielberg ist halt ein alter Meister, von dem viele neue Filmschaffende vorallem in punkto Timing jede Menge lernen können.

20. Januar 2016
09:03 Uhr

von filmgenuss

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