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Hannas schlafende Hunde

Hannas schlafende Hunde

Drama. Deutschland, Österreich 2015. 120 Minuten.

Regie: Andreas Gruber
Mit: Hannelore Elsner, Franziska Weisz

Ewig gestrig. Die kleine Hanna (Nike Seitz), ihre Mama (Franziska Weisz) und ihre Oma (Hannelore Elsner) werden in ihrer Nachbarschaft schief angeschaut: Grausige Zeitgeschichte aus der bigotten österreichischen Provinz der sechziger Jahre.

Filmstart: 1. April 2016

Vorsicht, bissig. Der Hauswart macht grausliche Geräusche und schielt der Mama (Franziska Weisz) auf den Hintern. Der Bankdirektor a. D. tut immer ganz besonders freundlich, wenn Hanna (Nike Seitz) ihm am Sonntag die Kirchenzeitung bringt. Die Religionslehrerin baut komische Bemerkungen in den Unterricht ein, über die Juden, die den Herrn Jesus umgebracht haben, und schaut Hanna dabei herausfordernd an. Und die Mama? Die weint heimlich und erzählt niemandem warum, und dann ist sie streng. Dabei versucht Hanna doch nur, brav zu sein. Hanna ist neun und weiß eigentlich nicht, warum alle so seltsam sind. Aber sie merkt: Irgendwas darf in ihrer Familie nicht erzählt werden.

Lieb sein. Irgendwas ist anders an ihr, obwohl sie sich doch so bemüht, lieb zu sein und bitte und danke zu sagen, sogar zum widerlichen Hauswart. Nur wenn Oma (Hannelore Elsner), die nicht mehr sehen kann seit damals im Krieg, geheimnisvolle Andeutungen macht, fühlt sich Hanna ein bisschen besonders. Vielleicht stimmt ja doch alles mit ihr? Ja, doch, verrät ihr die Oma eines Tages. Hanna ist halt eine Jüdin, wie die Mama, und wie die Oma. Aber das ist doch nichts Schlechtes. Nur, wenn die böse Nachbarin zischt, „Euch haben’s nicht erwischt, ihr habt Glück gehabt“, dann wird Hanna ganz anders. Denn in Wels in den sechziger Jahren, da erinnert man sich gern an die Nazizeit zurück, auch wenn man’s nicht mehr sagen darf. Aber man wird doch wohl noch was sagen dürfen!

Vor über zwanzig Jahren drehte Andreas Gruber mit Hasenjagd. Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen einen notwendigen Film für Österreich über die entsetzliche sogenannte „Mühlviertler Hasenjagd“, als in den letzten Kriegstagen eine Gruppe von Gefangenen aus dem KZ Mauthausen entkommen war und sich die Bevölkerung eifrig an der Jagd auf die Geschundenen beteiligte. Nun befasst sich Andreas Gruber erneut mit einer Geschichte, die in seiner Heimat passiert ist: Hannas schlafende Hunde beruht auf dem autobiografischen Roman von Grubers Jugendfreundin Elisabeth Escher. „Zwanzig Jahre nach dem Krieg schreit niemand mehr laut ,Heil Hitler’, aber in den Köpfen steckt es sehr wohl“, sagt Gruber über seinen Film. Hannas schlafende Hunde ist erneut ein notwendiger Film über unverschämten Antisemitismus und ein wichtiges Sittenbild einer verlogenen, selbstzufriedenen Gesellschaft, deren Erbe uns bis heute beschäftigt.

Credits

Titel Hannas schlafende Hunde
Originaltitel Hannas schlafende Hunde
Genre Drama
Land, Jahr Deutschland/Österreich, 2015
Länge 120 Minuten
Regie Andreas Gruber
Drehbuch Andreas Gruber nach dem Roman von Elisabeth Escher
Kamera Martin Gressmann
Musik Gert Wilden
Produktion Andreas Gruber, Fritjof Hohagen
Darsteller Hannelore Elsner, Franziska Weisz, Nike Seitz, Rainer Egger, Nico Liersch, Christian Wolff
Verleih Thimfilm

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