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Maikäfer flieg

Maikäfer flieg

Drama, Literaturverfilmung. Österreich 2015. 100 Minuten.

Regie: Mirjam Unger
Mit: Ursula Strauss, Heinz Marecek, Gerald Votava, Zita Gaier

Endlich wurde Christine Nöstlingers Klassiker verfilmt: Ursula Strauss und Hauptdarstellerin Zita Gaier spielen in Nöstlingers legendär trocken erzählten Erinnerungen an eine Kindheit im Krieg und unter russischer Besatzung unter der Regie von Mirjam Unger.

Filmstart: 11. März 2016

Bomben & Granaten. Christl (Zita Gaier) ist neun Jahre alt. Ihre Welt besteht vor allem aus Trümmern, Staub und Nächten im Luftschutzbunker: Der zweite Weltkrieg liegt in den letzten Zügen. Das nahe Kriegsende bedeutet für sie und ihre Familie kaum Erleichterung, sondern Bedrohung: Die Russen kommen. Und so macht sich Christl mit ihrer Mama (Ursula Strauss) und ihrer großen Schwester (Paula Brunner) auf in die Vorstadt, die geliebten Großeltern (Krista Stadler, Heinz Marecek) allerdings müssen in der halb zerbombten Wohnung in Hernals zurückbleiben.

Krieg & Frieden. In einer Villa in Neuwaldegg finden sie Unterschlupf, gemeinsam mit der Witwe eines ehemaligen Nazibonzen, Frau von Braun (Bettina Mittendorfer), und deren Sohn (Lino Gaier). Und schließlich findet auch Christls schwer verwundeter Papa (Gerald Votava) zu ihnen, der aus dem Lazarett desertiert ist, um nicht als Kanonenfutter an die zerbröselnde Front geschickt zu werden. In der unsicheren Idylle bastelt sich die ungleiche Truppe so etwas wie Alltag. Christl ist ein neugieriges, kluges Kind, das erwachsener Autorität mit einer Mischung aus kindlicher Naivität und unbeirrbarem Hinterfragen gegenübertritt – und als schließlich die gefürchteten Russen, mittlerweile Siegermacht, die Villa in Beschlag nehmen, findet Christl im Außenseiter Cohn (Ivan Shvedoff), der auch die schlimmsten Quälereien seiner Genossen mit einem verzweifelt-stoischen „Macht nix, Frau“ kommentiert, sogar einen richtigen Freund. Ob er sie wohl in die Stadt, zu ihren geliebten Großeltern, bringen kann?

Jahr & Tag. Heute machen wir uns Gedanken darüber, ob ein Volksschulkind ein Smartphone benützen darf, oder ob der Schulweg über zwei Zebrastreifen nicht zu gefährlich ist – da fällt es schwer, sich eine Kindheit im zertrümmerten Wien der 40er Jahre vorzustellen, in dem es oft einfach um Tod oder Leben ging. Und doch war das damals alltägliche Realität, genauso wie übrigens für Millionen Flüchtlingskinder heute – und genau davon handelt auch Christine Nöstlingers autobiografischer Roman Maikäfer, flieg! Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich aus 1973. Filmemacherin Mirjam Unger (Oh Yeah, She Performs) hat nun die ebenso berührende wie beinharte Vorlage gekonnt auf die Leinwand gebracht: Als spannend-humorvolle Geschichte einer Kindheit, als Porträt einer Zeit des (buchstäblichen) Umbruchs – und als Hommage an eine große Schriftstellerin.

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Maikäfer flieg
Originaltitel Maikäfer flieg
Genre Drama/Literaturverfilmung
Land, Jahr Österreich, 2015
Länge 100 Minuten
Regie Mirjam Unger
Drehbuch Sandra Bohle, Mirjam Unger nach dem gleichnamigen Roman von Christine Nöstlinger
Kamera Eva Testor
Schnitt Niki Mossböck
Musik Eva Jantschitsch
Produktion Gabriele Kranzelbinder
Darsteller Ursula Strauss, Heinz Marecek, Gerald Votava, Zita Gaier, Krista Stadler, Paula Brunner, Bettina Mittendorfer, Ivan Shvedoff
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

PULVERLAND IST ABGEBRANNT

Sommer 1945: Christine Nöstlingers verfilmte Erinnerungen ans Kriegsende haben mehr Buch- als Filmcharakter. Die ganze Review auf meinem Blog FILMGENUSS unter https://filmgenuss.wordpress.com/2017...

29. November 2017
09:54 Uhr

von filmgenuss

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