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Lou Andreas-Salomé

Lou Andreas-Salomé

Biografie, Drama. Deutschland 2016. 113 Minuten.

Regie: Cordula Kablitz-Post
Mit: Katharina Lorenz, Liv Lisa Fries, Nicole Heesters

Philosophin, Schriftstellerin, Psychoanalytikerin: Die große Gelehrte Lou Andreas-Salomé wurde von Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Sigmund Freud verehrt – und bis heute steht sie in deren Schatten. Dieses Biopic will das ändern.

Filmstart: 9. September 2016

Eigentlich hatte sie keine Chance. Geboren 1861 in St. Petersburg als Tochter einer wohlhabenden Familie, ist ihr Leben vorbestimmt: Etwas Konversationsunterricht, dann einen Mann finden, Kinder kriegen, fertig. Doch Louise von Salomé (jung: Liv Lisa Fries) ist viel zu neugierig auf die Welt. Sie findet in einem aufgeklärten Pastor einen Philosophielehrer, der ihr Aristoteles empfiehlt und Spinoza. Doch bald merkt sie, dass sie als Mädchen ihre Autonomie bitter erkaufen müsste: Würde sie sich einmal der Liebe hingeben, verlöre sie auf immer ihre Freiheit. Doch sie will sich niemals einem Mann unterwerfen. Also konzentriert sich Lou (erwachsen: Katharina Lorenz) gegen den Widerstand ihrer Mutter (Petra Morzé) auf ihre Philosophiestudien. Sie wird als eine der ersten Frauen an der Universität Zürich aufgenommen und trifft bald auf die beiden jungen Philosophen Paul Rée (Philipp Hauß) und Friedrich Nietzsche (Alexander Scheer), die sie mit ihrem analytischen Geist beeindruckt. Aber mit einer ebenbürtigen Frau wissen beide nicht anders umzugehen als sich in sie zu verlieben und ihr Heiratsanträge zu machen – genau das, was Lou nicht will. Erst Jahre später, da ist sie schon erfolgreich als Schriftstellerin, willigt sie in eine Scheinehe ein, mit dem älteren Friedrich Carl Andreas (Merab Ninidze). Und dann begegnet sie bei einer Lesung einem jungen Fan: Der noch unbekannte Rainer Maria Rilke ist der intellektuellen Lou völlig verfallen. Und die erlaubt sich mit ihm erstmals körperliche Leidenschaft …

Die Persönlichkeit und die Schriften von Lou Andreas-Salomé sind nicht nur imposant, sondern auch geheimnisvoll. Und das liegt an ihr selbst: Vor ihrem Tod 1937 zerstörte sie alles, von dem sie nicht wollte, dass es die Nachwelt erfährt – wie die Rahmenhandlung des Films verdeutlicht, in der eine allmählich erblindende Lou (Nicole Heesters) einem befreundeten Germanisten Teile ihrer Memoiren diktiert. Doch dass ihre Liebes- und Diskussionspartner – später verband sie eine enge Freundschaft mit Sigmund Freud – viel berühmter sind als Andreas-Salomé, liegt nicht zuletzt daran, dass Frauen immer noch eher als Musen denn als eigenständige Denkerinnen wahrgenommen werden. Dieser eindrucksvolle Film macht klar, wie verkehrt das ist.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Lou Andreas-Salomé
Originaltitel Lou Andreas-Salomé
Genre Biografie/Drama
Land, Jahr Deutschland, 2016
Länge 113 Minuten
Regie Cordula Kablitz-Post
Drehbuch Cordula Kablitz-Post
Kamera Matthias Schellenberg
Schnitt Beatrice Babin
Musik Judit Varga
Produktion Cordula Kablitz-Post, Gabriele Kranzelbinder, Helge Sasse
Darsteller Katharina Lorenz, Liv Lisa Fries, Nicole Heesters, Katharina Schüttler, Alexander Scheer, Philipp Hauß, Petra Morzé, Merab Ninidze, Helena Pieske
Verleih Polyfilm

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