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Where to Invade Next

Where to Invade Next

Dokumentation. USA 2015. 110 Minuten.

Regie: Michael Moore

Ideenklau in großem Stil: Wenn freie Bildung, gute Ernährung, sozialer Strafvollzug und all diese anderen europäischen Konzepte so gut funktionieren, warum macht das nicht auch Amerika? Michael Moore (Bowling for Columbine) geht auf einen subversiven Eroberungsfeldzug quer durch Europa.

Filmstart: 25. Februar 2016

Stars and Stripes. Zweifelsohne ist Amerika the Greatest Country in the World: Da gibt’s Meinungsfreiheit, und die Freiheit, Waffen zu tragen und überwacht zu werden, es gibt Gefängnisse voller schwarzer Männer, und … ach nein. Nochmal: Amerika, Land of the Great, ist im Großen und Ganzen ziemlich fehlerfrei. Bis, vielleicht, auf das Gesundheitssystem. Und das Justizsystem. Und das Bildungssystem. Und das Finanzsystem. Und … also gut, nochmal: Die Vereinigten Staaten, was für ein Land! Hier sind die Mutigen angekommen, um das wilde freie Land von den hier lebenden Ureinwohnern ... Moment, nein. Egal: Wenigstens eines ist grandios an den USA, nämlich der Brauch, überall dort auf der Welt einzumarschieren, wo es etwas gibt, das Amerika selbst nicht hat. Sich das schamlos einzusacken und mitzunehmen. Und damit daheim in den USA so richtig Reibach damit machen.
Oscarpreisträger Michael Moore, weltweit erfolgreich mit Dokumentationen über amerikanische Probleme und Schwachstellen (Bowling for Columbine, Fahrenheit 9/11), will diese liebgewonnene Tradition fortführen: Die Jungs und Mädels im Pentagon dürfen diesmal gerne zu Hause bleiben, Michael mit seiner internationalen Erfahrung erledigt das gerne.

Say Cheese. Was also gibt es beispielsweise in Frankreich, das Amerika nicht hat? Eine üppige Küche mit Käse, Schlagobers und Butter, aber kaum dicke Kinder. Moment, was läuft hier schief? Bringen die Franzosen ihrem Nachwuchs womöglich etwas bei, das die kleinen Amerikanerinnen und Amerikaner nicht lernen – nämlich, wie ein Mittagessen mit ausreichend Zeit und Begeisterung gewürdigt wird? Oder Slowenien, dieses kleine Land in Europa, das ein Amerikaner nie auf Anhieb auf der Karte finden würde (erst, nachdem er es siebenmal mit der Slowakei verwechselt hat): Dort tummeln sich an der Uni nicht nur slowenische, sondern auch viele internationale Studierende, weil hier nämlich die Universität gratis ist. Einfach so! Aber warum? Ist eben so, erklärt der Bildungsminister dem staunenden Michael Moore, der umgehend auch diese großartige Idee als erobert erklärt: Wie toll wäre das, wenn auch amerikanische junge Leute nach dem Uniabschluss nicht mit einem riesigen Schuldenrucksack ins Berufsleben starten müssten?
Oder Deutschland, wo Kinder egal welcher Herkunft in der Schule lernen, welche schlimme Geschichte das Land zu verantworten hat. „Meine Eltern kommen zwar woanders her, aber ich lebe jetzt hier, also ist das auch meine Verantwortung“, erklärt ein Schüler dem staunenden Ami. Oder Island, wo die Finanzkrise ganz zu Beginn das gesamte Land aus den Angeln gehoben hat und wo mit tatsächlicher Verurteilung der Schuldigen und neuen Spielregeln im Finanzsektor die Wirtschaft stabiler ist als zuvor – übrigens nach ursprünglich amerikanischem Muster …

Ideenschmiede. Ostentativ staunend stapft Mr. Moore durch französische Schulkantinen, slowenische Universitäten, finnische Volksschulen und plaudert mit isländischen Bankerinnen, befragt portugiesische Polizisten nach ihrem Zugang zur Todesstrafe, deutsche Schülerinnen nach ihrem Umgang mit der Zeitgeschichte und norwegische Häftlinge nach der Zufriedenheit im Strafvollzug. Und stellt fest: viele dieser Ideen, die er erobern und nach Hause mitnehmen will, stammen eigentlich aus den USA. Warum, verdammt, machen die Amerikaner das also nicht selber so?

Europudding. Where to Invade Next ist vielleicht vordringlich für amerikanisches Publikum gedacht, doch ein wichtiges und im Übrigen sehr vergnügliches Dokument auch für europäische Zuschauerinnen und Zuschauer: Es erinnert uns an die vielen europäischen Tugenden, die unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern erkämpft haben, und die wir nicht als selbstverständlich nehmen dürfen. Und daran, dass wir auch innerhalb Europas im Positiven voneinander lernen können, immer noch, und immer wieder.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Where to Invade Next
Originaltitel Where to Invade Next
Genre Dokumentation
Land, Jahr USA, 2015
Länge 110 Minuten
Regie Michael Moore
Drehbuch Michael Moore
Kamera Rick Rowley, Jayme Roy
Schnitt Pablo Proenza, T. Woody Richman, Tyler H. Walk
Produktion Michael Moore, Tia Lessin, Carl Deal
Darsteller Michael Moore
Verleih Einhorn Film

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