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Kater

Kater

Drama. Österreich 2016. 119 Minuten.

Regie: Händl Klaus
Mit: Lukas Turtur, Philipp Hochmair

Friede, Freude, Katzenflausch. Aber dann passiert eine Katastrophe: Händl Klaus untersucht in seinem zweiten Spielfilm, was mit einer harmonischen Liebesbeziehung passiert, wenn ein Abgrund sich auftut.

Filmstart: 4. November 2016

Sie haben’s richtig gut miteinander: Andreas (Philipp Hochmair) und Stefan (Lukas Turtur) leben in einem geschmackvoll eingerichteten Haus irgendwo in den Weinbergen um Wien, mit Roland-Rainer-Stühlen im Esszimmer, Ribiselstauden im Garten, mit sommerlichen Festen für die Kollegenschaft – die beiden arbeiten beim Radiosymphonieorchester – und mit Geborgenheit und zärtlichem Füreinanderdasein, mit einem Tigerkater namens Moses, und ohne jeden Misston. Demnächst, wie wäre das, könnte man doch gemeinsam nach Barcelona fliegen? Und ja klar, die Wäsche ist schon aufgehängt, das mach ich doch gern, Schatz! Wäre da nicht eine selbst nach vielen Jahren des Zusammenseins immer noch verspielte Erotik, man müsste den beiden blankes Spießertum vorwerfen.

Irgendwann, bei einem fröhlichen Abendessen unter Musikerkollegen (unter anderem: Manuel Rubey, Thomas Stipsits, Gerald Votava), wirft dann einer streitlustig in die Runde, dass reine Harmonie doch fad sei: Richard Strauss, unerträglicher Kitsch! Es braucht Dissonanzen! Lebhafte Diskussionen, ja, es geht um Musik, mm was denn sonst. Doch rückblickend wirkt dieser Einwurf prophetisch. Denn es passiert etwas im Leben des zärtlichen Paares, ein irrationaler Ausbruch von Gewalt, gegen etwas Unschuldiges gerichtet, scheinbar völlig unmotiviert, der geeignet ist, alles zu zerstören. Und der andere ist fassungslos: „Wer bist du überhaupt?“ und graust sich vor dem Abgrund, der sich im Partner da plötzlich auftut.

Kater ist ein sommerlicher Liebesfilm, ein detailreicher Psychothriller, und vielleicht sogar ein Horrorfilm. Denn der Abgrund, der da lauert, den hat letztlich jede Person in sich, manche besser versteckt, manche ganz offen. Es ist die Finsternis, aus der der Joker bei Batman schreit „I wanna see the world burn!“, es ist die Mikrosekunde, in der uns die Bahnschienen locken, die Angstlust, die unbändige Neugierde darauf, was passiert, wenn der schlimmste Fall eintritt. In seinem zweiten Spielfilm (nach März, 2008) untersucht der Autor und Filmemacher Händl Klaus, was geschieht, wenn einer das tut, wovor ihn Impulskontrolle und moralische Werte immer bewahrt haben. Und wie es ihm später damit ergeht, wenn er sieht, was er angerichtet hat. Kater ist ein verstörender Film, dessen Widerhaken lange nicht loslassen. Bei der Berlinale wurde er mit dem Teddy-Award für den besten Spielfilm ausgezeichnet.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Kater
Originaltitel Kater
Genre Drama
Land, Jahr Österreich, 2016
Länge 119 Minuten
Regie Händl Klaus
Drehbuch Händl Klaus
Kamera Gerald Kerkletz
Schnitt Joana Scrinci
Musik Christof Dienz
Produktion Antonin Svoboda, Bruno Wagner
Darsteller Lukas Turtur, Philipp Hochmair, Thomas Stipsits, Manuel Rubey, Gerald Votava
Verleih Thimfilm

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