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Deadpool 2

Deadpool 2

Action, Komödie. USA 2018. 110 Minuten.

Regie: David Leitch
Mit: Zazie Beetz, Ryan Reynolds, Josh Brolin

Der Rote und seine Brigade: Um ein supermächtig feuereifriges Kind vor dem Zugriff eines zeitreisenden Cyborgs (Josh Brolin) beschützen zu können muss sich unser aller­liebster Quassel­mutant (Ryan Reynolds) in der erprobt frechen Fort­setzung des selbstironischen Sensationshits Verstärkung von einigen verwegen verrückten Verbündeten holen.

Filmstart: 17. Mai 2018

Worum geht’s? 

Rotes Lederdress, Maske überm von grenzmedizinischen Experimenten dauerimprägnierten Gesicht, ungestüm Samurai-Schwerter und noch ungestümer Sprüche schwingend: So haben wir Deadpool (Ryan Reynolds) vor zwei Kinospielzeiten kennen und womöglich sogar lieben gelernt. Und weil man ihn nicht von ungefähr den Söldner mit der großen Schnauze nennt, konnte der unkaputtbare Antisuperheld im Abspann seiner ersten eigenen Leinwandmission denn auch nicht anders, als auszuplaudern, dass er es in der Fortsetzung mit einem gewissen Cable zu tun kriegen würde. Und hier ist er nun auch schon, der „schlecht gelaunte und bis unter die Zähne bewaffnete Onkel aus der Zukunft“ (Josh Brolin, Avengers: Infinity War) und führt nur bedingt Erbauliches im Schilde. Konkret ist der knorrige Cyborg aus einer persönlichen Motivation heraus hinter einem Kid mit furiosen Feuerkräften (Julian Dennison, Wo die wilden Menschen jagen) her. Der von einem unangemeldeten quasi-väterlichen Beschützerinstinkt angetriebene Deadpool will den jungen Russell beschützen – und trommelt zum Support eine Truppe wackerer Wegbegleiter mit Special Skills zusammen: Domino (Zazie Beetz, Atlanta) kann das Glück manipulieren, Bedlam (Terry Crews, The Expendables) elektrische Felder, Shatterstar (Lewis Tan) ist ein biotechnisch aufgepimpter Krieger von einem anderen Planeten und Peter (Rob Delaney), öhm, ein netter Kerl, der eben auch wahnsinnig gern dabei wäre. Die X-Force ist geboren – und sie ist zu-gegebenermaßen ein wenig wilder und waghalsiger drauf als vergleichbare Superhelden-Zusammenrottungen … 

Was steckt dahinter? 

Die Schönheit der zweiten Chance. Es dürfte wohl kaum wer damit gerechnet haben, dass man Deadpool, selbst im minoritären Mutantenstadl der X-Men seit jeher ein Außenseiter, nach seinem fragwürdigen Gastauftritt im ersten Wolverine-Solostreifen 2009, nochmals auf der großen Leinwand sehen würde. Dessen Darsteller Ryan Reynolds allerdings schon. Hartnäckig brachte er Deadpools eigenes Debüt-Kinoabenteuer immer wieder ins Gespräch – bis es vor zwei Jahren tatsächlich noch einschlagen konnte. Im wahrhaftigsten Wortsinne nämlich: Bei einem Comicverfilmungs-Sparfuchsbudget von eben mal 58 Millionen Dollar wurden global 783 Millionen Dollar in die Kinokassen gespült. Und das trotz oder eben gerade wegen des wagemutigen Manövers, das stark Schematische, das Comic-Adaptionen heute oftmals an den Schuhen klebt, gegen ein gerüttelt Maß an Subversion anspielen zu lassen. Man hatte es hier mit einer Comicfigur zu tun, der nur allzu gut bewusst war, dass sie eine ebensolche ist und das Publikum dies mit direkten Ansprachen auch wissen ließ – wenn ihr nicht grade eine fix nicht jugendfreie Unflätigkeit über die Zunge flutschte. Und auch sonst wurde all die geile Grenzüberschreitung zwischen Sex, Gewalt und guter Laune aufgefahren, die man sich nur dann erlauben kann, wenn man mit Anlauf auf Jugendfreigaben pfeift. Dem erstaunlichen Erfolg entsprechend wurde jedenfalls zügig die Fortsetzung in Angriff genommen: von Atomic Blonde-Regisseur David Leitch, der Tim Miller, den wegen „kreativer Differenzen“ abgesprungenen Zepterschwinger des ersten Kapitels, letztlich mit guter Gleichwertigkeit sowie neuem Esprit ersetzte. 

Was wird geboten? 

Deadpool, still that cool? Na aber sicher doch. Dass das Budget hierfür erheblich raufgeschraubt wurde, hatte nämlich höchstens zur Folge, dass die Grundwerte dieses stark postmodern durchgeknallten Irrsinns nunmehr noch gepfefferter und höher dosiert zur Geltung kommen. Kräftiges Karacho aus allen Kanonenrohren, augenzwinkernd grobes Gemetzel und derber bis selbstironisch bestens über sich Bescheid wissender Witz: eine erneut aufreizend maßlose Orgie der Verwüstung und Vergnügung. 

 

Text:  Christoph Prenner

Credits

Titel Deadpool 2
Originaltitel Deadpool 2
Genre Action/Komödie
Land, Jahr USA, 2018
Länge 110 Minuten
Regie David Leitch
Drehbuch Rhett Reese, Paul Wernick, Ryan Reynolds
Darsteller Zazie Beetz, Ryan Reynolds, Josh Brolin, Morena Baccarin, Julian Dennison, Terry Crews, Bill Skarsgård, Stefan Kapičić, Brianna Hildebrand, T.J. Miller, Rob Delaney, Eddie Marsan
Verleih Centfox
Altersempfehlung ab 16

1 Kommentar

BEKENNTNISSE EINES KAMIKAZE-COMIKERS

Gaudeamus mortis! - Der Einstand für die nonkonforme X-Force wird für Marvel´s Enfant Terrible im wahrsten Sinne zur kalauerstarken Zerreißprobe. Die ganze Review auf FILMGENUSS unter https://filmgenuss.wordpress.com/2018...

22. Mai 2018
11:20 Uhr

von filmgenuss

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