Filminfo zu

Utøya 22. Juli

Utøya 22. juli

Drama, Thriller. Norwegen 2018. 90 Minuten.

Regie: Erik Poppe
Mit: Andrea Berntzen, Aleksander Holmen

Wenn Ferien zum Albtraum werden: In hochgradig beklemmenden eineinhalb Stunden erzählt der norwegische Regisseur Erik Poppe die wahre Geschichte des 2011er-Amoklaufs auf der Insel Utøya.

Filmstart: 28. September 2018

Worum geht’s?

Am Nachmittag des 22. Juli 2011 explodiert eine Bombe vor dem Regierungsgebäude in Oslo. Rund 30 Kilometer davon entfernt erfahren rund 500 Jugendliche, die sich im Rahmen eines politischen Camps auf der Insel Utøya aufhalten, von dem Anschlag. Hier, weit abgelegen vom Festland fühlen sie sich sicher. Doch dann betritt ein als Polizist verkleideter Mann die Insel und eröffnet das Feuer auf die Jugendlichen. Was wie die Inhaltsangabe eines billigen Horrorstreifens klingt, ist leider traurige Wahrheit. Utøya 22. Juli erzählt von einer wahren Begebenheit, allerdings aus der fiktiven Sicht der Teilnehmerin Kaja, die sich zum Tatzeitpunkt gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester auf der Insel aufhält. Gejagt von einem Amokläufer flüchtet sie vor den Schüssen, die im Sekundentakt die Stille durchlöchern. Am Ende werden 69 Menschen auf Utøya gestorben sein. Kaja ist mittendrin, genauso wie der Zuschauer.

Wer ist dabei?

Norwegens größte Katastrophe der letzten Jahrzehnte war noch gar nicht so lange her, da nahm sich Regisseur Erik Poppe bereits des Themas an. Besondere Beachtung verdient der Film aufgrund seiner beeindruckenden Kameraarbeit: Poppe inszenierte das Grauen auf der Insel als Plansequenz, von Anfang bis Ende. In 72 Minuten gibt es keinen Schnitt, im Fokus steht dabei stets Kaja, verkörpert von der Jungschauspielerin Andrea Berntzen, die hier Großes leistet. Durch die hektische Kameraarbeit entsteht ein oftmals subjektiver Blickwinkel, der Zuschauer wird gleichsam Teil der Geschichte.

Was wird geboten?

Utøya 22. Juli ist ein intensives Stück Kino. Atemlos und ohne Pause, gnadenlos gejagt laufen Jugendliche panisch umher, ohne Aussicht auf Rettung. Die Polizei lässt sich Zeit, zu viel Zeit, die dem Amokläufer Gelegenheit gibt, sein Vorhaben in aller Ruhe durchzuführen. An Flucht von der Insel über den Wasserweg ist nicht zu denken. Ob es wirklich nötig ist, ein solches Massaker, das wohlgemerkt nie übermäßig grafisch gezeigt wird, nun als Film zu verarbeiten, darf und muss jeder selbst entscheiden. So oder so sind dabei 90 bedrückende Minuten herausgekommen, die den Wahnsinn und die Aussichtslosigkeit auf erschreckende Weise zeigen und wütend machen. Sie sind ein Mahnmal gegen den Rechtsruck in Europa, gegen Hass und Rassismus. Eine Sache macht Utøya 22. Juli auf jeden Fall richtig: Der Film zeigt den Amokschützen nur aus der Ferne und nennt seinen Namen zu keinem Zeitpunkt. Und wir wollen das auch nicht tun.

Text:  Christoph Waldboth

Credits

Titel Utøya 22. Juli
Originaltitel Utøya 22. juli
Genre Drama/Thriller
Land, Jahr Norwegen, 2018
Länge 90 Minuten
Regie Erik Poppe
Drehbuch Siv Rajendram Eliassen , Anna Bache-Wiig, Erik Poppe
Darsteller Andrea Berntzen, Aleksander Holmen, Brede Fristad , Sorosh Sadat
Verleih Lunafilm
Altersempfehlung ab 16

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.