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Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein

Wie ich lernte bei mir selbst Kind zu sein

Coming-Of-Age-Drama. Österreich 2018. 134 Minuten.

Regie: Rupert Henning
Mit: Valentin Hagg, Karl Markovics

Hellerboy. Nach Motiven der gleichnamigen, autobiografisch gefärbten Erzählung von André Heller entführt uns ein österreichisches Coming of Age-Drama in die wundersame Welt des jungen Paul Silberstein.

Filmstart: 1. März 2019

Worum geht’s?

Paul Silberstein kommt aus gutem Hause, ist für seine zwölf Lebensjahre hervorragend gebildet und drückt sich zuweilen wie ein Doktorand aus. So richtig glücklich ist er aber dennoch nicht. Sein strenger Vater, ein alteingesessener Wiener Patriarch, will den Sohnemann in ein Klosterinternat stecken, seine Mutter weiß nicht so recht, wie sie unter dem despotischen Ehemann sie selbst sein kann, und Pauls großer Bruder hat in seinem Vater ganz offensichtlich ein (strenges) Vorbild gefunden. Trotz des Gefängnisses, das das Internat darstellt, versucht Paul, das Beste aus seiner Situation zu machen. Doch bald schon reicht ihm das nicht mehr, er will ausbrechen und sein eigenes Leben führen. Nicht etwa das, was andere Menschen für ihn vorgesehen haben, sondern jenes, das ihn in seiner lebhaften, fantasiereichen Vorstellung zu einem erfüllten, selbstbestimmten Leben bringen kann.

Wer ist dabei?

Regisseur Rupert Henning hat sich André Hellers Erzählung mit großer Hingabe angenommen. Als Grundlage dafür dient in erster Linie die gut gewählte Besetzung, die von dem neunmalklugen und verträumten Paul, verkörpert von Valentin Hagg, angeführt wird. Neben dem Schauspieldebütanten brilliert vor allem Karl Markovics als dessen Filmvater. Mit seinen ständigen Gefühlsschwankungen, dem exzentrischen Verhalten und dem Hang zum Größenwahn inklusive geheimer Obsessionen spielt Markovics hier seine ganz eigene Version eines österreichischen Don Vito Corleone.

Was wird geboten?

Obwohl der Film vornehmlich in den 50er Jahren spielt, atmet er frische Luft. Die Schwere der Handlung wird durch die Lebensfreude und den sich immer weiterentwickelnden Humor-Farben des jungen Silberstein wettgemacht. Seine Abenteuer und Erlebnisse sind dynamisch inszeniert und warten mit der einen oder anderen Überraschung, besonders auf visueller Ebene, auf. Flotte Melodien umrahmen die teils absurden Vorkommnisse, und auch Klassiker wie Verdi oder Schostakowitsch erhalten ihren dramatischen Auftritt. Es 
ist ein Film, der inspiriert und dazu einlädt, anders zu sein. Dabei richtet er sich gleichermaßen an junge und junggebliebene Zuschauer und sorgt mit seinem augenzwinkernden Ton für zwei Stunden voller magischen Realismus der Marke Heller.

Text:  Christoph Waldboth

Credits

Titel Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein
Originaltitel Wie ich lernte bei mir selbst Kind zu sein
Genre Coming-Of-Age-Drama
Land, Jahr Österreich, 2018
Länge 134 Minuten
Regie Rupert Henning
Darsteller Valentin Hagg, Karl Markovics, Sabine Timoteo, André Wilms, Udo Samel, Nikolaas von Schrader
Verleih Filmladen
Fotos Filmladen
Altersempfehlung ab 12

1 Kommentar

DIE WAHREN ABENTEUER SIND IM KOPF

Bekenne dich zu deiner Merkwürdigkeit! Diese schräg-bizarre Familienaufstellung aus Österreich hat genau das vor und lässt André Hellers kindliches Alter Ego zwischen Unterwerfung und Selbstbestimmung wählen. Wie gut ihm das gelingt, erfährt ihr auf FILMGENUSS unter https://filmgenuss.com/2019/03/11/wie...

11. März 2019
11:52 Uhr

von filmgenuss

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