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22. Juli

22 July

Biografie, Drama. Island, Norwegen, USA 2018. 133 Minuten.

Regie: Paul Greengrass
Mit: Thorbjørn Harr, Anders Danielsen Lie

Die Katastrophe und ihre Konsequenzen: Wie es zum schlimmsten Terroranschlag in der Geschichte Norwegens kam und welche Auswirkungen dieser auf die Überlebenden und die Gesellschaft hatte – fesselnd rekonstruiert vom einschlägig bewanderten britischen Starregisseur Paul Greengrass (Flug 93). 

Filmstart: 10. Oktober 2018

Worum geht’s? 

Um die grauenvollen Geschehnisse, die am 22. Juli 2011 die gesamte Welt, ganz speziell aber natürlich die norwegische Gesellschaft traumatisiert und tief in ihren Grundfesten erschüttert haben: den Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel und den anschließenden Amoklauf auf der Ferieninsel Utøya, die zusammen 77 Todesopfer, die meisten davon Jugendliche, gefordert haben. Im Besonderen aber auch um deren Nachspiel. Um komplexe Fragen zu Recht und Gerechtigkeit im Zuge des Prozesses gegen den rechtsradikalen Terroristen Anders Breivik (Anders Danielsen Lie), um das Ringen um eine angemessene Reaktion vonseiten der heftig gerügten Regierung rund um Premierminister Jens Stoltenberg (Ola G. Furuseth), um das für schwerstverletzte Überlebende wie etwa den jungen Viljar (Jonas Strand Gravli) sowohl in physischer als auch in psychischer Hinsicht unendlich mühsame Zurückfinden in den Alltag.

Was steckt dahinter?

Das nach dem eben erst angelaufenen Utøya 22. Juli heuer bereits zweite Werk, das besagtem Massaker mit filmischen Mitteln auf den Grund gehen möchte. Anders als jenem bewusst radikalen, den Zuschauer gnadenlos ins Geschehen werfenden Streifen verfolgt Bourne-Regisseur Paul Greengrass in seiner für Netflix gedrehten Annäherung an die Geschichte jedoch erneut jenen nachgerade journalistischen Zugang, den man auch schon aus seinen artverwandten Arbeiten Flug 93 und Bloody Sunday kennt. Auf der Basis von „Einer von uns“, dem zum Thema maßgeblichen Buch von Åsne Seierstad, setzt er die Katastrophe in einen größeren Kontext, rekonstruiert sie aus multiplen Blickwinkeln. Ja, auch aus jenem des Attentäters – womit der Film in Norwegen naturgemäß schon vorab für etliche Aufregung zu sorgen wusste.

Was wird geboten?

Eine analytisch nüchterne, nichts aussparende, dabei aber stets einfühlsame Aufarbeitung eines absoluten Ausnahmezustands. Die Rekonstruktion des Amoklaufs lässt einem den Atem stocken, die Begegnung mit Breivik und seinen Ideen das Blut in den Adern gefrieren; die Art und Weise, wie hier eine Gesellschaft mit einer derart gigantischen Tragödie umgegangen ist, allerdings auch die Wirkkraft der Werkzeuge einer Demokratie wieder ganz von Neuem wertschätzen.

Text:  Christoph Prenner

Credits

Titel 22. Juli
Originaltitel 22 July
Genre Biografie/Drama
Land, Jahr Island/Norwegen/USA, 2018
Länge 133 Minuten
Regie Paul Greengrass
Darsteller Thorbjørn Harr, Anders Danielsen Lie
Verleih Netflix

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