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Matangi/Maya/M.I.A.

Matangi/Maya/M.I.A.

Biografie, Dokumentation, Musikfilm. GB, USA 2018. 96 Minuten.

Regie: Steve Loveridge

Statt mit einer wilden Musik-Doku über ihr Alter Ego M.I.A. hat Regisseur Steve Loveridge seine gute Freundin Maya bei der diesjährigen Berlinale mit einem intimen filmischen Porträt überrumpelt. Jetzt darf auch das Kinopublikum die kontroverse Künstlerin in all ihren Facetten erleben.

Filmstart: 23. November 2018

Mathangi „Maya“ Arulpragasam ist Mitte 20 als sie 2001 ihre Verwandten in Sri Lanka besucht, um deren vom Bürgerkrieg gebeuteltes Leben zu dokumentieren. Während einer Busfahrt bedrängen sie Soldaten – ihre mitreisende Mutter hält sie zurück: „Wenn du jetzt etwas sagst, ziehen sie dich in den Wald und vergewaltigen dich.“ Ein letztes Mal schweigt Maya also noch. In ihren Song-Texten, auf der Bühne und in den Medien nimmt sie sich später kein Blatt mehr vor den Mund.

Mit zehn Jahren flüchtete die geborene Tamilin mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern vor dem eskalierenden Konflikt in Sri Lanka nach London. Ihr Vater, Begründer der tamilischen Unabhängigkeitsbewegung blieb zurück, um zu kämpfen – erst Jahre später sollte ihn Maya in England wieder treffen. Nach ihm benennt sie schließlich auch ihr erstes Album Arular. Als M.I.A. mischt sie darauf HipHop und Einflüsse verschiedenster Migrationskulturen zu einem kantigen Culture-Clash-Sound. Ihre Musik wird im Zuge des frühen File-Sharing-Booms massiv geteilt und macht die Songschreiberin, Produzentin und Sängerin über Nacht zum Star.

Von Anfang an polarisiert das selbsternannte „Bad Girl“, wird gefeiert und gleichzeitig scharf kritisiert. Immer wieder nützt sie ihre Popularität als Bühne, um die Aufmerksamkeit auf den Genozid in ihrem Herkunftsland zu richten und die Ignoranz der Medien anzuprangern. Statt die Menschenrechtsverletzungen in ihrer Heimat zu verurteilen, skandalisieren die nämlich lieber die Gewalt in ihren Musikvideos. Weil es das ehemalige Flüchtlingskind mittlerweile zu Ruhm und Wohlstand gebracht hat, wird ihr zudem Radical Chic unterstellt. Doch M.I.A. singt weiter, kommentiert weiter, kritisiert weiter; 2015 mit Borders als eine der ersten Künstlerinnen beispielsweise die gegenwärtige Flüchtlingspolitik.

Um M.I.A.s Attitüde und musikalisches Selbstverständnis zu verstehen, muss man Mathangi Arulpragasams Wurzeln kennen: Steve Loveridge hat sich deshalb gegen den Wunsch seiner alten Schulfreundin, aus den über 700 Stunden Videomaterial einen stylishen Musikfilm über die Künstlerin zu schneidern, für ein borstiges Porträt ihres Werdegangs als Mensch entschieden. Auszüge aus den größtenteils von Arulpragasam selbst aufgenommenen Privatvideos, Interviews, Konzertmitschnitte und TV-Bilder hat der Filmemacher zu einer intimen Collage arrangiert, die zeigt, dass ein Leben, das voller Gegensätze scheint, noch lange nicht widersprüchlich sein muss.

Text:  Claudia Dlapa

Credits

Titel Matangi/Maya/M.I.A.
Originaltitel Matangi/Maya/M.I.A.
Genre Biografie/Dokumentation/Musikfilm
Land, Jahr GB/USA, 2018
Länge 96 Minuten
Regie Steve Loveridge
Verleih Stadtkino
Fotos © Viennale

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