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Suck My Dick

Suck My Dick

Satire. Deutschland 2001. 82 Minuten.

Regie: Oskar Roehler
Mit: Wolfgang Joop, Ralf Richter, Edgar Selge

Nach dem großen Erfolg seiner kunstvoll melancholischen Einsamkeitsstudie Die Unberührbare legt Oskar Roehler mit Suck my dick eine genial trashige Bestandsaufnahme männlicher Wünsche und Verzweiflungen nach.

Filmstart: 17. Mai 2002

Am Anfang steht ein Zitat aus den Schriften des französischen Skandal-Soziologen und Bestseller-Autoren Michel Houellebecq: ”Was das Liebesleben betrifft, waren die Parameter des sexuellen Austausches in Mitteleuropa lange Zeit einer impressionistischen Beschreibung verpflichtet. Auch hier waren es die USA, die den ersten ernsthaften Versuch unternahmen, die Standards zu definieren. Und dieser Versuch, gestützt auf einfache objektiv überprüfbare Kriterien - wie Alter, Gewicht, Größe, Taille, Hüft-, Brustumfang bei der Frau, Alter, Gewicht, Größe, Umfang des erigierten Gliedes beim Mann - wurde zuerst von der Pornoindustrie unters Volk gebracht. Diese erotische Hierarchie stieß aber auch hier bemerkenswert schnell auf breiten Konsens, da der westliche Mensch, besonders der junge, nun in der Lage war, sich mit Hilfe einer Kurzsammlung numerischer Parameter selbst zu definieren.” Stimmt. Fragt sich nur, was passiert, wenn die Grundlagen dieser Parameter wegfallen. Einfach nicht mehr existieren. Ist damit auch der Mensch verschwunden, der dahinter steht?
Suck My Dick, der neue Film von Oskar Roehler (Die Unberührbare) erzählt von einem Mann, der seinen Schwanz verliert. Ein verzweifelter Witz, klar, allerdings nicht auf dem Humor-Level von American Pie oder Knallharte Jungs, sondern auf dem gehobenen intellektuellen Niveau, auf dem sich Literaten, Galeristen, Künstler, Agenten und Psychiater gern bewegen. (Wenn auch gleichzeitig trashig genug, um im Stil an eine Mischung aus Punk und Expressionismus zu erinnern.)
Dr. Jekyll (Edgar Selge) ist eine Art Berliner Alter Ego von Michel Houllebecq. Ein zu Ruhm und Ehren gekommenes Ekel, das es mit Hilfe intellektueller Provokationen und pornografischer Thesen bis in die Bestsellerlisten geschafft hat, im Grunde aber unglücklich ist und an einigermaßen exzentrischen Wahnvorstellungen leidet: Er glaubt, dass seine Romanfigur Hyde (Ralf Richter) aus seinem Gehirn ausgebrochen ist und seinen Schwanz geklaut hat.
”Schizophrenie”, meint der Psychiater (Wolfgang Joop) trocken.
”Was heißt Schizophrenie?”, heult Dr. Jekyll. ”Der Schwanz ist ja wirklich weg.” Und wo er recht hat, hat er recht.
Natürlich muss unser Held in Folge durch sämtliche Fegefeuer des modernen Lebens waten, bevor sich seine Hose halbwegs wieder beult. So entsteht eine schrille Satire auf neomännliche Befindlichkeiten, die gleichermaßen nervös, wie genial und abgefahren ist. Oskar Roehler beruft sich auf Rainer Werner Fassbinder, dem wohl größtem Genie des deutschen Nachkriegskinos, und was den Speed, den Rotz, die Frechheit, die Chuzpe und die Intelligenz seines neuen Films angeht, kann man diesen Vergleich wohl wagen.

Text:  Peter Krobath

Credits

Titel Suck My Dick
Originaltitel Suck My Dick
Genre Satire
Land, Jahr Deutschland, 2001
Länge 82 Minuten
Regie Oskar Roehler
Drehbuch Oskar Roehler
Kamera Carl-Friedrich Koschnick
Schnitt Gergana Voigt
Musik Martin Todsharow
Produktion Werner Koenig
Darsteller Wolfgang Joop, Ralf Richter, Edgar Selge, Katja Flint, Hannelore Elsner
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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