Filminfo zu

Der unverhoffte Charme des Geldes

La chute de l'empire américain

Komödie. Kanada 2018. 127 Minuten.

Regie: Denys Arcand
Mit: Maxim Roy, Vincent Leclerc

Darf man Geld, das einem zufällig bei einem Banküberfall in die Hände fällt, für sich behalten, ja gar für Edelprostituierte ausgeben? Die Beantwortung der Frage wird nicht leichter, wenn man wie der Protagonist in Denys Arcands neuer Krimikomödie Philosoph und eigentlich gegen jede Form des Kapitalismus ist …

Filmstart: 9. August 2019

Worum geht’s?

Der Philosoph und Kapitalismusgegner Pierre-Paul (Alexandre Landry) finanziert sich sein bescheidenes Leben im frankokanadischen Quebec als Paketlieferant. Als er zufällig in einen bewaffneten Raubüberfall gerät, im Zuge dessen die beiden Täter erschossen werden, packt er doch die sich bietende Gelegenheit beim Schopf und verfrachtet die nun herrenlosen Geldtaschen in seinen Transporter. Bloß wohin mit der gestohlenen Beute? Der sonst so kühl kalkulierende Mann gönnt sich erst einmal ein Schäferstündchen mit Nobel-Escort-Dame Camille (Maripier Morin) und verliebt sich natürlich prompt in die attraktive Frau. Fortan laufen die beiden also als Komplizen durchs Leben und profitieren obendrein noch von einem ehemaligem High-Class-Kunden Camilles (Pierre Curzi), der zufällig Offshore-Banker ist und den einen oder anderen schlauen Rat für die Neo-Millionäre hat, wie man die Summe in natürlich total legale Auslandsunternehmen investieren kann. Zu der illustren Runde stößt zuletzt auch noch ein geläuterter Ex-Häftling (Rémy Girard), der seine Zeit im Gefängnis für ein Wirtschaftsstudium genutzt hat und nun als Quasi-Finanzberater genau weiß, wie man das Geld möglichst lukrativ wieder loswird. Schließlich sitzen dem Quartett schon die Cops im Nacken – und dann wären da ja auch noch die Mafia-Menschen im Spiel, die die Scheinchen ursprünglich mal samt Mitgliederverlusten ergaunert hatten.

Was wird geboten?

Wie ein betont philosophisch-gewitzter Roman, den man irgendwo in der Mitte aufgeschlagen hat, „liest“ sich Regisseur Denys Arcands teilweise auch mal Pretty Woman in Erinnerung rufender Versuch der Kapitalismuskritik. Warum man etwa auf einmal Zeuge eines bewaffneten Raubüberfalls wird, bei dem zunächst überhaupt keine Spur zu den zuvor eingeführten Charakteren erkennbar ist, löst sich erst nach und nach auf – bis am Ende jede Figur und jedes Handlungselement perfekt ins große Ganze passt. In schauspielerischer Hinsicht überzeugt in dieser flockigen Krimikomödie besonders Maripier Morin, die die käufliche Dame mit Heiratspotential charmant-sympathisch verkörpert; das echte Highlight ist allerdings Pierre Curzi als korrupter Banker, der am Schluss doch noch so etwas wie eine gerechte Strafe abbekommt.

 

Gut zu wissen …

Der kanadisch-französische Originaltitel La chute de l’empire américain heißt übersetzt eigentlich Der Fall des amerikanischen Imperiums – er ist eine Anspielung auf Regisseur Denys Arcands eigene oscarnominierte Komödie Der Untergang des amerikanischen Imperiums aus dem Jahre 1986.

Text:  Sarah Riepl

Credits

Titel Der unverhoffte Charme des Geldes
Originaltitel La chute de l'empire américain
Genre Komödie
Land, Jahr Kanada, 2018
Länge 127 Minuten
Regie Denys Arcand
Darsteller Maxim Roy, Vincent Leclerc
Verleih Polyfilm
Altersempfehlung ab 14

1 Kommentar

Wow

So einen tollen Film habe ich schon lange nicht gesehen.

Warum, weil die Castingdirektoren perfekt gecastet haben

und Regie und Drehbuch im Einklang zu einem teils real und

teils surreal wirkenden Meisterwerk sind.

Viel Vergnügen beim Anschauen.

23. August 2019
01:19 Uhr

von per

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.