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Carlos - Der Schakal

Carlos

Biografie, Drama. Deutschland, Frankreich 2010. 187 Minuten.

Regie: Olivier Assayas
Mit: Alexander Scheer, Nora von Waldstätten, Édgar Ramírez

Ilich Ramirez "Carlos“ Sanchez, der meistgesuchte Terrorist der Welt: Rockstar unter den Verbrechern oder nur wichtigtuerisches Arschloch? Olivier Assayas’ überlebensgroßes Biopic einer der Schlüsselfiguren des 20. Jahrhunderts.

Filmstart: 5. November 2010

„Ich habe bald gemerkt, dass ich da einem Monster Leben einhauche, bis hin zu einem Punkt, an dem ich gar nicht mehr sicher war, ob der Film überhaupt zustande kommt. Aber das Wunder ist geschehen.“ Eine Lebensgeschichte, die so bewegt, so irre, so unglaublich ist, zu verfilmen, ist mutig – insbesondere wenn die Erinnerung an den Protagonisten keineswegs verblasst ist, er sogar noch lebt.
Carlos’ Vita liest sich wie eine Aneinanderreihung von ungewöhnlichen Stories, von Anfang an: Ilich Ramirez Sanchez, geboren 1949, war der mittlere von drei Söhnen, die der Vater, ein begeisterter Marxist, Wladimir, Ilich und Lenin nannte. Er wuchs in Caracas und London auf, anschließend besuchte er die Patrice-Lumumba-Universität in Moskau – wo er umgehend wegen seines „ausschweifenden Lebensstils“ rausflog. Die nächste Station war ein Trainingslager der Volksfront zur Befreiung Palästinas in Jordanien – dort bekam er seinen Nom de Guerre Carlos, und seinen ersten Auftrag: Carlos (Édgar Ramírez spielt ihn im Film) war 24, als er einen Mordanschlag auf einen jüdischen Geschäftsmann verübte. Der ging zwar schief, war aber auch der Beginn einer beispiellosen Karriere: Nach mehreren Bombenanschlägen in Paris und London plante Carlos von Beirut aus den blutigen Anschlag auf das OPEC-Gebäude in Wien 1975.
All dies geschah im Namen der Revolution – als allerdings ruchbar wurde, dass Carlos, der trotz seines politischen Anspruchs immer eher für Luxus und Dekadenz schwärmte als für die Ideale des Volkes, einen Teil des Lösegelds unterschlagen hatte, wurde er aus der Volksfront ausgeschlossen.
Daraufhin gründete Carlos die „Organization of the Armed Arab Struggle“, mit der er beste Kontakte zu internationalen Geheimdiensten, darunter der DDR-Stasi und der rumänischen Securitate, unterhielt – die natürlich auch ihre Hand dabei im Spiel hatten, dass der mittlerweile weltweit meistgesuchte Terrorist ein mehr oder weniger unbehelligtes Leben als glamouröser Gangster-Playboy weiterführen konnte. Erst 1994 wurde er endgültig verhaftet, heute sitzt er im Pariser Gefängnis La Santé, lebenslänglich.

Nach akribischer Recherche porträtiert Assayas Carlos und seine von politischen Umbrüchen geprägte Zeit, stellt historische Ereignisse mit faszinierendem Archivmaterial und sorgfältig nachgespielten Szenen dar (toll: Udo Samel als Bruno Kreisky) – und zeigt die vielen Gesichter des Rockstars des internationalen Terrorismus: den größenwahnsinnigen Macho, den politischen Wendehals, den eitlen Frauenhelden, der gerne trank und Sekunden später eiskalt Polizisten erschoss – und den verliebten Hitzkopf, der mit seiner Lebens- und Kampfgefährtin Magdalena Kopp (Nora von Waldstätten) 15 Jahre lang eine wahnsinnige Liebe lebte.

Text:  Julia Pühringer, Kurt Zechner

Credits

Titel Carlos - Der Schakal
Originaltitel Carlos
Genre Biografie/Drama
Land, Jahr Deutschland/Frankreich, 2010
Länge 187 Minuten
Regie Olivier Assayas
Drehbuch Dan Franck, Olivier Assayas
Kamera Denis Lenoir, Yorick Le Saux
Schnitt Luc Barnier, Marion Monnier
Produktion Jens Meurer, Daniel Leconte
Darsteller Alexander Scheer, Nora von Waldstätten, Édgar Ramírez, Ahmad Kaabour, Alejandro Arroyo, Aljoscha Stadelmann, Udo Samel, Anna Thalbach, Susanne Wuest, Christoph Bach
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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