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Vollgas

Vollgas

Drama. Österreich 2002. 96 Minuten.

Regie: Sabine Derflinger
Mit: Gregor Bloéb, Henriette Heinze, Carmen Gratl

Stress, Suff, Sex, Absturz. Die österreichische Filmemacherin Sabine Derflinger beschreibt den Alltag einer Saisonkellnerin im Tiroler Wintertourismus als gefährliches Pendeln zwischen den Extremen.

Filmstart: 15. März 2002

Winter in den Tiroler Bergen. Die einen kommen, um sich zu erholen, die anderen sind zum Geldverdienen da. Evi arbeitet als Saisonkraft im Gastgewerbe. Kellnerin. Das bedeutet, monatelang keinen freien Tag zu haben, von früh bis spät unter Dauerstress zu stehen, nach der Arbeit so kaputt zu sein, dass dich nur noch Alkohol und anonymer Sex zum Abschalten bringen. Ein Mörderjob, der an Leib und Seele geht. Einerseits. Andrerseits gibt es natürlich auch jede Menge Geld dafür. Saisonkellnerin ist ein Job für Profis. Wenn du nicht funktionierst, bist du weg. Ende.
Neo-Realismus trifft Heimatfilm. Österreichbild heute. "Zu Saisonende klagen viele SaisonarbeiterInnen, dass sie sich ausgelaugt, ausgenützt und schlecht behandelt fühlen", schreibt Sabine Derflinger, die vom Dokumentarfilm her kommt und mit Vollgas ihr beim Max Ophüls Preis ausgezeichnetes Spielfilmdebüt ablieferte, in einem Recherchebericht zu ihrem Film. "Auch die Klagen der Hoteliers über die mangelnde Qualität ihres Personals häufen sich. Einig ist man sich darüber, dass man die Gäste nicht mehr sehen kann. Man pusht sich mit Kaffee, Zigaretten und Medikamente hoch und coolt sich mit Alkohol und Drogen wieder down."
Evi (hervorragend die junge deutsche Schauspielerin Henriette Heinze), die unter Kollegen aber auch beim Chef als besonders tüchtige Kraft gilt, stöhnt unter der Doppelbelastung als gestresste Kellnerin und alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter. Sie ist am Ende ihrer Kräfte angelangt. Anmerken lässt sie sich das freilich nicht. Das Kind wird schon irgendwie geschaukelt, und wenn´s gar nicht mehr anders geht, springt Evis Schwester ein. Der Berufsstress wird mit Alkohol und Party bekämpft. Weil wenn bis zum frühen Morgen der Ballermann aus der Skihütte dröhnt, kannst du im Personalhaus gegenüber auch nicht wirklich gut an Schlafen denken. Schnaps drüber. Und schneller Sex hat auch noch nie geschadet.
Manche Hoteliers würden sich schon wehren, wenn da jemand herkommt und ein derart ungeschminktes Bild von ihrem Gewerbe zeichnet, wird Sabine Derflinger später im Interview erzählen. Andere wiederum würden es begrüßen, wenn die Dinge endlich einmal so gezeigt werden, wie sie sind. Im Grunde ist Vollgas die Fortsetzung der Piefkesaga mit anderen Mitteln. Das damals war Satire. Das hier ist Realismus.

Text:  Peter Krobath

Credits

Titel Vollgas
Originaltitel Vollgas
Genre Drama
Land, Jahr Österreich, 2002
Länge 96 Minuten
Regie Sabine Derflinger
Drehbuch Sabine Derflinger, Maria Scheibelhofer
Kamera Bernhard Pötscher
Schnitt Karina Ressler
Musik Johannes Konecny
Produktion Michael Seeber, Heinz Stussak
Darsteller Gregor Bloéb, Henriette Heinze, Carmen Gratl, Sibylle Gogg, Rainer Egger, Simon Schwarz, Klaus Windisch
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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