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The Navigators

The Navigators

Tragikomödie. GB 2001. 92 Minuten.

Regie: Ken Loach
Mit: Venn Tracey, Thomas Craig, Joe Duttine

Nach dem spanischen Bürgerkrieg (Land and Freedom) und den Freiheitskämpfern Nicaraguas (Carla´s Song) ist jetzt die britische Bahn einer näheren Betrachtung unterworfen. Ken Loach gelang ein unterhaltsamer Film zu einem ernsten Thema.

Filmstart: 8. Februar 2002

Ken Loach, der Humanist unter den britischen Filmemachern, scheut sich nicht, mit seinen Filmen klar Stellung zu beziehen. Dafür wird er entweder geschätzt oder als radikal verteufelt. Auch mit The Navigators bleibt er dem von ihm geprägten britischen Sozial-Realismus treu: In sehr persönlicher Weise beleuchtet er anhand einer Handvoll Menschen die Schicksale, Hoffnungen und Anstrengungen der Arbeiterklasse. An den Pranger stellt Ken Loach diesmal die Folgen der Privatisierung der britischen Bahn Mitte der Neunziger Jahre. Indem er eine Gruppe von Bahnarbeitern in einem nordenglischen Bahndepot begleitet, macht er klar, dass eine moderne, flexible, zukunftsorientierte, eben eine private Unternehmensführung sicher nicht die sozialen Aspekte des Betriebs in den Vordergrund rückt.
Eines Morgens empfängt die Arbeiter ein neues Firmenschild am Eingang zum Bahngelände. Und drinnen scharrt schon Harpic (Sean Glenn), der Chef der Anlage, in den Startlöchern. Er hat wichtige Neuigkeiten für seine Leute: Von Privatisierung ist die Rede, von neuen, aufregenden Aufgaben, von Veränderung. Niemand schenkt dem rückgratlosen Redner die nötige Aufmerksamkeit, Scherze sorgen für ausgelassene Stimmung, kaum jemandem ist die gesamte Tragweite der anstehenden Veränderungen bewusst.
Den Beschäftigten werden Abfindungspakete angeboten, da sich die Zahl der benötigten Arbeitskräfte mit der Umwandlung der British Rail in kleine, private Teilbetriebe schlagartig verringert hat. Doch nicht alle greifen zu und gehen freiwillig. Vor allem der Gewerkschafter Gerry (Venn Tracey) will seinen Job und die hart erkämpften Errungenschaften der letzten Jahre nicht ohne weiteres aufgeben. Anfangs scheint die Solidarität unter den Kollegen noch felsenfest, doch ab einem gewissen Punkt ist sich jeder selbst der Nächste - und man kann es keinem übel nehmen, wenn er sich für die Abfindung entscheidet, anstatt es auf eine Machtprobe mit der neuen Betriebsleitung ankommen zu lassen. Doch egal, wie man sich entschieden hat, der Kampf um Arbeitsplätze, bestehende genauso wie neue, ist hart und fordert seine Opfer.

The Navigators entstand nach dem Drehbuch von Rob Dawber. Er war 18 Jahre lang Eisenbahner und Gewerkschafter, bis ihn die Privatisierung den Job kostete. Er schrieb seine Erfahrungen nieder und fand in Ken Loach genau den Richtigen für die Umsetzung. Im Februar 2001 starb Rob Dawber im Alter von 45 Jahren. Er litt an von Asbest verursachtem Lungenkrebs, den er sich als Bahnarbeiter geholt hatte. Übrigens: Trotz oder vielmehr wegen seiner Brisanz (den Sparmaßnahmen nach der Privatisierung wird unter anderem ein schweres Zugsunglück in Hatfield im Oktober 2000 zugeschrieben) schaffte es The Navigators in Großbritannien, abgesehen von ein paar Previews, nicht in die Kinos, sondern feierte im Dezember 2001 auf Channel 4, dem renommierten TV-Sender, seine Premiere!

Text:  Dina Maestrelli

Credits

Titel The Navigators
Originaltitel The Navigators
Genre Tragikomödie
Land, Jahr GB, 2001
Länge 92 Minuten
Regie Ken Loach
Drehbuch Rob Dawber
Kamera Mike Eley, Barry Ackroyd
Schnitt Jonathan Morris
Musik George Fenton
Produktion Rebecca O´Brien
Darsteller Venn Tracey, Thomas Craig, Joe Duttine, Steve Huison, Andy Swallow, Sean Glenn, Dean Andrews
Verleih Stadtkino

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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