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Gebürtig

Gebürtig

Drama. Deutschland, Österreich, Polen 2002. 115 Minuten.

Regie: Lukas Stepanik, Robert Schindel
Mit: Peter Simonischek, Ruth Rieser, August Zirner

Die Bewältigung der Vergangenheit beginnt in der Gegenwart. Peter Simonischek, Ruth Rieser, August Zirner, Katja Weitzenböck und Daniel Olbrychski bringen Robert Schindels Roman-Bestseller ins Kino.

Filmstart: 5. April 2002

Eine amerikanische Filmproduktion sucht in Wien nach jüdischen Komparsen für ein KZ-Drama. Viele stellen sich an. Aber nicht alle erfüllen die Erwartungen. ”Nicht jüdisch genug”, bellt der Regie-Assistent ins Gesicht eines alten Mannes. ”Nicht jüdisch genug?”, wird der Abgewiesene danach zu denen sagen, die immer noch draußen vor der Tür auf ihre Chance warten. ”Dem Hitler war ich schon jüdisch genug.”
Gebürtig spielt im Österreich des Jahres 1987, damals als das Land durch die Waldheim-Affäre internationale Schlagzeilen machte. In einer berührenden Mischung aus Witz und Verzweiflung, aus Humor und Melancholie, aus Realität, Albtraum und Wirklichkeit erzählt der Lyriker Robert Schindel (der gemeinsam mit Lukas Stepanik auch für die Film-Regie verantwortlich zeichnet) in seinem ersten Roman vom schweren Gewicht der Geschichte, von einer Vergangenheit, die Juden gleichermaßen plagt wie Nichtjuden und einfach nicht vergehen will.
Wer darf Jud sein und wer nicht? Daniel Demant (August Zirner), ein Kabarettist, der bei den Frauen gleichermaßen beliebt ist wie beim Publikum, darf. Während der Dreharbeiten im Konzentrationslager Auschwitz trifft er auf den Journalisten Konrad Sachs (Daniel Olbrychski). Beide werden von der Wucht des Ortes erschlagen. Daniel als Erbe der Opfer, Konrad als Erbe der Täter. Sein Vater war ein hochrangiger SS-Arzt, der im Lager seinen genetischen Experimenten, seiner Arbeit nachging. Eine Schuld, die den Sohn nicht mehr loslässt.
Hermann Gebirtig (Peter Simonischek) lebt als erfolgreicher Musicalkomponist in New York. Seine Eltern wurden von den Nazis umgebracht. Er hat sich längst von Wien losgesagt, dieser "Schlangengrube", dieser "einstigen Welthauptstadt des Antisemitismus, die heute Hauptstadt des Vergessens ist". Auch Gebirtig wird von dunklen Erinnerungen geplagt und als ihn die Journalistin Susanne Ressel (Ruth Rieser) bittet, nach Wien zu kommen, um als einziger noch verfügbarer Zeitzeuge in einem Prozess gegen einen ehemaligen KZ-Aufseher, dem berüchtigten Schädelknacker von Ebensee auszusagen, lehnt er zunächst empört ab. Wozu hätte er sonst wohl soviel Distanz zwischen sich und seiner Vergangenheit gelegt? Aber Gebirtig wird doch kommen. Er wird vielleicht keine Gerechtigkeit finden. Aber es wird Gespräche geben. Und das ist gut so.
"Dass alle Verständigung zwischen den Gebürtigkeiten, zwischen Juden und Nichtjuden, erdrückt werden von einer niemals vergehenden Vergangenheit, aber auch von der Hoffnung, dass Liebe und Verstehen einmal möglich werden - davon erzählt Gebürtig", schreiben Lukas Stepanik und Robert Schindel in einem Text zu ihrem Film. Zugegeben, dass klingt wie ein frommer Wunsch. Aber warum soll man sich nichts mehr wünschen dürfen?

Credits

Titel Gebürtig
Originaltitel Gebürtig
Genre Drama
Land, Jahr Deutschland/Österreich/Polen, 2002
Länge 115 Minuten
Regie Lukas Stepanik, Robert Schindel
Drehbuch Lukas Stepanik, Robert Schindel, Georg Stefan Troller
Kamera Edward Klosinski
Schnitt Hubert Canaval
Musik Peter Ponger
Produktion Niki List
Darsteller Peter Simonischek, Ruth Rieser, August Zirner, Samuel Finzi, Katja Weitzenböck, Daniel Olbrychski, Corinna Harfouch, Karlheinz Hackl, Otto Tausig, Branko Samarovski, Hans-Michael Rehberg
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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