Filminfo zu

Baader

Baader

Drama. Deutschland 2002. 114 Minuten.

Regie: Christopher Roth
Mit: Frank Giering, Vadim Glowna, Laura Tonke

Popkultur und politische Bildung. Christopher Roths Film zeigt den RAF-Terroristen Andreas Baader als Dandy, der sein Leben wie einen Actionfilm inszenierte.

Filmstart: 29. November 2002

Einmal - so erinnert sich Christopher Roth in einem Artikel, der in der Süddeutschen Zeitung erschien und den schönen Titel trug: "BMW, Seidenhemden und Samthosen: Warum ich einen Film über Andreas Baader drehe" - einmal fuhr der selbsternannte Revolutionsführer samt seiner Gruppe in die jordanische Wüste, um in einem Ausbildungslager der Fatah die Grundlagen des Guerillakrieges zu erlernen. Schon, dass Baader sich weigerte seine hautenge, burgunderrote Samthose gegen die dort übliche Camouflage-Bekleidung einzutauschen, fiel unangenehm auf. Aber als sich die deutschen Terroristen dann auch noch nackt sonnten, wurden sie von den Fedayin endgültig als Touristen beschimpft und nachhause geschickt.
"Andreas Baader hat bis zu seiner Verhaftung 1972 einen riesigen Film entworfen, mit ihm selbst und Gudrun Ensslin als seiner Geliebten in den Hauptrollen", schreibt Roth weiter - und fast hat es den Anschein, als wolle er damit sagen: Dieser Film ist jetzt endlich Wirklichkeit geworden.
Ein mitreißender Film, der ähnlich wie die Titelfigur (großartig: Frank Giering!) zu vielschichtig ist, um in Klischees gepackt zu werden. Einerseits sehen wir den Top-Terroristen als Micky Maus-lesenden Dandy, dem Fragen der Bekleidung mindestens so wichtig waren wie Details des Klassenkampfes. Andrerseits entsteht des Bild des schwer bewaffneten Bandenführers, der vollgestopft mit Aufputschmitteln in einer Welt der Paranoia lebt und seinen Abgang wie der beste Westernheld inszeniert, den Deutschland je hatte. Dann wiederum erkennen wir den charismatischen Klassenkämpfer, der bis zum Ende glaubt, dass er seinen Krieg gegen das System trotz aller Widerstände doch noch gewinnen kann, der revolutionäre Visionär, der selbst da noch einen Weg sah, wo längst schon nur noch Wildnis wucherte.
Wer war dieser Baader, der Deutschland vor knapp 30 Jahren in Angst und Schrecken versetzte? Als erstes habe er den Leuten, die zur RAF kamen, immer eine Waffe in die Hand gedrückt, denn "Die Knarre löst die Starre" war sein Motto. "Er hat ihnen den Krimi geboten", schreibt Roth. In diesem Sinn muss man den Film auch sehen, diese prägnante Mischung aus Zeitdokument und Vergangenheitsbewältigung, aus B-Picture und politischer Bildung, die konsequenterweise mit Baaders Verhaftung 1972 ein Ende findet. "Im Gefängnis beginnt ein anderer Film. Ein anderes Experiment, der nächste Akt, das nächste Kapitel. Damit stirbt die Filmfigur, die Baader miterfunden hat."

Credits

Titel Baader
Originaltitel Baader
Genre Drama
Land, Jahr Deutschland, 2002
Länge 114 Minuten
Regie Christopher Roth
Drehbuch Christopher Roth, Moritz von Uslar
Kamera Bella Halben, Jutta Pohlmann
Schnitt Barbara Gies
Musik Bob Last
Produktion Christopher Roth, Stefan Fruth, Mark Gläser
Darsteller Frank Giering, Vadim Glowna, Laura Tonke, Michael Sideris, Jana Pallaske, Birge Schade

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.

Wir benutzen COOKIES auf unserer Seite um die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen. Mit der Benutzung unserer Webseite stimmen sie dem Einsatz von Cookies zu.