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Der Sohn

Le fils

Drama. Belgien, Frankreich 2002. 103 Minuten.

Regie: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Mit: Morgan Marinne, Olivier Gourmet, Isabella Soupart

Ein Vater trifft auf den Mörder seines Sohns. Gewalt, Schmerz, Vergeltung oder Vergebung? Nach Rosetta ein weiteres beklemmend präzises Stück Kino der belgischen Filmemacher Jean-Pierre und Luc Dardenne.

Filmstart: 7. Februar 2003

"Warum warst du eingesperrt?" Der 16-jährige Francis (Morgan Marinne) hat keine Ahnung, wen er vor sich hat. Wie soll er antworten? Die letzten fünf Jahre in einer geschlossenen Anstalt für jugendliche Straftäter verbracht. An die Tat, die er begangen hat, erinnert er sich ungern. Er weicht aus. Francis nimmt Tabletten, damit er überhaupt schlafen kann. Ob er bereut? Klar. Fünf Jahre eingesperrt - das bereut jeder. Jetzt will er neu anfangen und einen Beruf erlernen. Er bewirbt er sich für den Tischlerlehrgang von Olivier (Olivier Gourmet) im Jugendzentrum. Olivier ist die Güte in Person. Bis jetzt hat er noch aus jedem pickeligen Halbstarken einen ganz passablen Tischlergesellen gemacht. Er hat seine Gründe, warum er seinen Posten im Holzwerk seines Bruders aufgegeben hat, und sich ganz seiner Tätigkeit im Jugendzentrum widmet. Hier, so Olivier, 'fühlt er sich gebraucht'. Die Jungs, die unter seiner Obhut das Handwerk lernen, und deren Probleme hat er im Griff. Dass der eine oder andere seiner Schützlinge schon einmal in eine Straftat verwickelt war, kratzt Olivier gar nicht. Von Ausgrenzung hält er nichts. Bei ihm kriegt jeder eine zweite Chance oder die erste. Bei Francis verhält sich Olivier jedoch anders. Er zögert. Ihn als Auszubildenden anzunehmen, war eine schwere Entscheidung für den sonst so kumpelhaften Tischlermeister. Das Bürschchen macht ihn nervös. Olivier spioniert dem Kleinen nach, inspiziert seinen Spind und klaut sogar Francis Wohnungsschlüssel. Angst spiegelt sich in seinen Brillen Was verbindet die beiden und warum interessiert sich Olivier so für Francis, der ihn gleichzeitig anzuziehen und abzustoßen scheint?
"Warum tust du das?" möchte Oliviers Ex-Frau Magali (Isabella Soupart) von ihm wissen. Gute Frage. "Niemand anderer würde das tun." Olivier weiß darauf keine Antwort. Minutiös erkunden die Brüder Dardenne das Terrain menschlicher Abgründe. Narben hat der bullige Tischlermeister nicht nur auf den Händen, sondern auch auf der Seele.
"Wir konnten uns nicht vorstellen, dass diese Figur von einem anderen als Olivier Goumet dargestellt wird", bekennen die Brüder Dardenne. Ihre Handkamera sitzt dem Hauptdarsteller im Nacken. Jede Bewegung, jeder Blick und jedes kaum vernehmbare Atmen von Olivier wird dokumentiert. Wie in ihren früheren Filmen Nationale 7 oder Rosetta ihren Figuren fast unerträglich nahe auf den Leib und erzwingen beklemmende Intensität. Olivier Gourmet wurde für seine Rolle in Der Sohn bei den Filmfestspielen in Cannes 2002 als bester Darsteller ausgezeichnet.

Text:  Catherine Holzer

Credits

Titel Der Sohn
Originaltitel Le fils
Genre Drama
Land, Jahr Belgien/Frankreich, 2002
Länge 103 Minuten
Regie Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Drehbuch Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Kamera Alain Marcoen
Schnitt Marie-Hélène Dozo
Produktion Denis Freyd, Luc Dardenne, Jean-Pierre Dardenne
Darsteller Morgan Marinne, Olivier Gourmet, Isabella Soupart
Verleih Stadtkino

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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