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MA 2412 - die Staatsdiener

MA 2412 - die Staatsdiener

Komödie. Österreich 2003. 97 Minuten.

Regie: Harald Sicheritz
Mit: Karl Ferdinand Kratzl, Roland Düringer, Alfred Dorfer, Monika Weinzettl

Wissen Sie, wer der erste Beamte war? Mit der Kinoversion ihrer Kult-TV-Serie unternimmt die Belegschaft der MA 2412 eine satirische Reise zu den Ursprüngen der österreichischen Tintenburgen.

Filmstart: 25. Dezember 2003

"In Österreich", sagt der Filmemacher Harald Sicheritz, "ist man eben Beamter oder man hat sehr häufig mit Beamten zu tun." Stimmt. Aber war das immer schon so? Beamte - insbesondere wenn sie dem Bereich der Exekutive angehören - mögen mir die folgenden harten Worte verzeihen, aber die Frage, die uns allen auf den Lippen brennt, lautet doch: Hat es diesen Staat im Staat, diese Großmacht aus Kleingeistern, diese pragmatisierten Gelegenheitssadisten, die täglich neue Treibsandlöcher in den Paragrafendschungel graben, auf dass wir ausrutschen und darin versinken mögen, diese mieselsüchtigen Bewohner einer selbstgebauten Welt, die im wesentlichen nur aus Wurstsemmeln und Aktenordnern besteht, diese Dienststempel gewordenen ehemaligen Menschenwesen - hat es die immer schon gegeben? Wurden die Österreicher schon unter Maria Theresia von Vollzugsorganen gequält, denen die Verordnung wichtiger war als der Verstand? Gab es schon im alten Rom Senatoren, die instinktiv wussten, in welche Körperteile man kriechen muss, um allzu grobe Engpässe im Karriereplan zu vermeiden? Ist es vorstellbar, dass eventuell schon unter Urmenschen jede Gruppe aus solchen bestand, die wagemutig durchs gefährliche Leben gingen, und aus solchen, die zwar jede Aktion der Wagemutigen mit einem abfälligen Grunzen begleiteten, sich aber sonst schön vorsichtig im Hintergrund hielten? Die zwar lang und breit darüber diskutierten, mit welcher Keule ein Säbelzahntiger vorschriftsmäßig zu erledigen sei, niemals aber auf die Idee gekommen wären, dem Tier das Ding selbst auf den Schädel zu hauen? Die ein mächtiges Magistrat um ihr Lagerfeuer bauten, zehntausende von Jahren bevor es dieses Wort überhaupt gegeben hat? Kann das sein?
Die Antwort lautet schlicht und einfach: Ja. Das kann nicht nur so sein, höchstwahrscheinlich ist das sogar auch so. Österreich war, ist und wird immer nur die offizielle Entschuldigung für die Machenschaften einer überdimensionalen Tintenburg sein. Einerseits könnte einem so eine Erkenntnis leicht zur Verzweiflung treiben. Andererseits kann man hierin auch die Grundlage für eine feine Satire in voller Kinolänge sehen. Aber dazu muss man schon Alfred Dorfer, Roland Düringer oder eben Harald Sicheritz heißen.
Mit MA 2412 - die Staatsdiener haben die landesweit beliebten Magistratsbeamten nichts weiter getan, als ihre Nonsensabteilung vom Fernsehen auf die Filmleinwand zu heben. Mehr war auch gar nicht nötig. Denn kaum, dass die Bilder breiter und die Mittel größer wurden, schon fand man Platz und Raum, um sich dem Wesentlichem zu widmen: Wie ist das Ganze eigentlich gekommen? Warum gibt es am Rand von Wien eine Magistratsabteilung, die sich angeblich mit der Genehmigung von Weihnachtsdekoration beschäftigt, während sie eigentlich doch nur eine Art Abstellkammerl für einen besserwisserischen Weihnachtsmann (Karl F. Kratzl) darstellt und eine Form von Beschäftigungstherapie für zwei ganz besondere Aushängeschilder der österreichischen Beamtenschar. Wie sind Michael "Mike" Weber (Alfred Dorfer) und Ing. Engelbert Breitfuss (Roland Düringer) überhaupt zu ihrem Alptraumamt gekommen? Die Antwort heißt: Fleischeslust. Weil der Herr Obersenatsrat (Wolfgang Böck) damals, als er noch Senatsrat war, in der Wurstabteilung eines Supermarktes nicht nur die Leberkässemmeln kennen und schätzen lernte, sondern auch die dazugehörige Verkäuferin, musste ein neuer Arbeitsplatz für Sylvia Knackal (Monica Weinzettl) her. Und damit die p.t. Gattin nichts vom Gspusi erfährt, sollte diese Blüte möglichst im Verborgenen blühen. So entstand die MA 2412 - eine Abteilung, die keiner braucht, außer dem, der sie gegründet hat.
Natürlich sind damit längst nicht alle Fragen beantwortet. Aber weil Breitfuss und Weber die Erkundigungen eines Reporterteams, das für einen Dokumentarfilm über die Ursprünge des österreichischen Beamtenwesens recherchiert, vor allem und ausschließlich auf ihre eigene Situation beziehen, kommt in vielen Interviews, Rückblenden und historischen Sequenzen auch so manch andere Wahrheit ans Tageslicht.
In der altbewährten Mischung aus Spaß, Satire, Spott und Scharfsinn zieht MA 2412 - die Staatsdiener einen breiten Bogen von den Anfängen der heimischen Beamten(un)kultur über deren Gegenwart bis hin in eine mögliche Zukunft. Denn irgendwann wird uns auch die EU nicht mehr ausweichen können. So ist es nur eine Frage von Zeit und Machtverhältnissen, bis Weber, Breitfuss und Knackal am Ende aller Abenteuer sogar in Brüssel auftauchen. "Na ja, sie machen dort eh nichts. Sie gehen eh wieder heim", gesteht Roland Düringer. Und ganz im Vertrauen: Jede andere Drehbuchwendung wäre eklatant an der Wirklichkeit vorbeigelaufen.

Text:  Peter Krobath

Credits

Titel MA 2412 - die Staatsdiener
Originaltitel MA 2412 - die Staatsdiener
Genre Komödie
Land, Jahr Österreich, 2003
Länge 97 Minuten
Regie Harald Sicheritz
Drehbuch Alfred Dorfer, Roland Düringer, Harald Sicheritz
Kamera Thomas Kürzl
Schnitt Ingrid Koller
Musik Lothar Scherpe, Peter Herrmann
Produktion Kurt J. Mrkwicka
Darsteller Karl Ferdinand Kratzl, Roland Düringer, Alfred Dorfer, Monika Weinzettl, Wolfgang Böck, Karl Künstler, Reinhard Nowak, Andrea Händler, Peter Fröhlich, Andreas Vitasek, Hans Krankl
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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