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Böse Zellen

Böse Zellen

Drama. Österreich 2003. 120 Minuten.

Regie: Barbara Albert
Mit: Georg Friedrich, Kathrin Resetarits, Ursula Strauss

Emotional unbefriedigt, paranoid, sexuell ausgehungert: Barbara Alberts Helden aus Böse Zellen kämpfen gegen die Dämonen der Gleichgültigkeit, Einsamkeit und die Angst vor dem Tod.

Filmstart: 21. November 2003

Es ist ein Kind, das im neuen Film von Barbara Albert die wichtigste Frage stellt. Das Mädchen liegt schon seit Tagen im Krankenhaus, es will wissen, was mit ihm geschieht. "Was untersuchen die bei mir? Das tut so weh."
"Die schauen ob du vielleicht böse Zellen hast", antwortet die Tante, die auf Besuch gekommen ist, weil die Mama tot ist und der Papa keine Zeit hat. "Das haben sie bei mir auch gemacht. Das machen sie mit jedem. Aber wir haben keine. Und wenn sie es noch so gerne hätten." Eine x-beliebige Stadt in Österreich. Die Jahreszeiten wechseln ohne dass sich außer dem Wetter viel verändert. Dabei kann in Brasilien schon der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Tornado auslösen, der zum Absturz eines Flugzeugs führt. Die Frau, die diese Katastrophe dort überlebt hat, wohnt heute hier, am Abend wird sie mit dem Auto in die Disco fahren und irgendwie hängt das alles zusammen, ein großer kosmischer Plan, nach dem wir durch unser Leben laufen. Chaostheorie weiß der Physiklehrer, da kennt er sich aus, aber wie er die dunkelhäutige Parfümverkäuferin im Supermarkt ansprechen soll, das weiß er nicht. Da fehlen die Worte. Obwohl er doch Afrikafan ist. Obwohl doch alles eine Bedeutung und einen Zusammenhang hat. Genau wie in seinem Computer, wo noch die absurdesten Abläufe nach festen Regeln funktionieren, man muss sie nur sehen.
Ob das ganz normale Leben nicht doch ein wenig zu kompliziert für uns Menschen ist? Am Anfang einiger Worte zu ihrem Film hat Barbara Albert das Zitat einer Filmfigur von Rainer Werner Fassbinder gestellt. "Ich glaub, der Mensch ist so gemacht, dass er den andern Menschen braucht, doch hat er nie gelernt, wie man zusammen ist", vermutete Petra von Kant. Und damit ist eigentlich schon ziemlich viel gesagt. "Wir machen Sie glücklich!". Das wird an einer Stelle im Film versprochen. Dabei sind die meisten vollends mit ihrem Unglück beschäftigt. Und das Verzeihen hat sogar eine eigene Fernsehsendung bekommen, wo sich die Menschen unter der Moderation einer Art Ersatz-Vera dafür entschuldigen, was sie sich gegenseitig angetan haben.
Das Glück - und das ist eine der großen Wahrheiten in Böse Zellen - ist nichts weiter als ein entrückter Gesichtsausdruck, den die Menschen kriegen, wenn sie entspannt singen oder tanzen und auf einmal nicht mehr hier auf dieser Welt sind. Dauert natürlich nicht lange, so ein Glück, dann sind sie wieder ganz daheim mit ihren Gedanken und der Trott geht weiter so wie eh und je.
"Das Thema zwischenmenschlicher Abhängigkeiten hat mich immer fasziniert und war Grundlage für die Entwicklung der Hauptpersonen von Böse Zellen", schreibt Barbara Albert. "Ich habe sehr bewusst Kombinationen von Menschen aus unterschiedlichen Welten gewählt, denen allerdings zwei Wesenszüge gemein sind: einerseits ihre Abhängigkeit von anderen, andererseits ihre tiefe Einsamkeit. Sie alle kämpfen für etwas oder jemanden, wobei keiner und keine von ihnen zu verstehen scheint, was ihnen wirklich fehlt. Gleichzeitig zeichnet sie aber eine starke Lebendigkeit aus, auch wenn sie mutlos sind: die unglaubliche Art und Weise wie sie immer wieder hochkommen, einfach immer weitermachen." Natürlich - immerhin sind wir in keiner romantischen Hollywood-Komödie, sondern in jener Form von österreichischen Kino-Realismus, die seit einigen Jahren auf internationalen Filmfestivals für ungemein positive Reaktionen sorgt - gibt es in Böse Zellen auch welche, die nicht mehr weitermachen. Die aufgeben. Aber das muss wohl so sein. Eine Kleinigkeit kann eine Katastrophe auslösen. Schließlich gilt die Chaostheorie auch im Gefühlshaushalt. Oder dort ganz besonders.

Credits

Titel Böse Zellen
Originaltitel Böse Zellen
Genre Drama
Land, Jahr Österreich, 2003
Länge 120 Minuten
Regie Barbara Albert
Drehbuch Barbara Albert
Kamera Martin Gschlacht
Schnitt Monika Willi
Produktion Antonin Svoboda, Martin Gschlacht
Darsteller Georg Friedrich, Kathrin Resetarits, Ursula Strauss, Marion Mitterhammer, Martin Brambach
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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