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Dogville

Dogville

Drama. Dänemark, Norwegen, Schweden 2003. 178 Minuten.

Regie: Lars von Trier
Mit: Stellan Skarsgård, Nicole Kidman, Paul Bettany

Für seinen neuesten Film hat sich der dänische Filmemacher Lars von Trier (Breaking the Waves, Dancer in the Dark) eine besonders perfide Geschichte ausgedacht. Sein schönes Opfer: Nicole Kidman.

Filmstart: 31. Oktober 2003

Mitten in den Rocky Mountains liegt das kleine Nest Dogville. "Es mussten unbedingt die Rocky Mountains sein", sagt Lars von Trier. "Dieser Name hat mich nämlich schon immer fasziniert: Felsige Berge. Was sollen Berge denn sonst sein als felsig? Oder heißt das etwa, dass die Rocky Mountains ganz besonders felsig sind?"
Keineswegs Originalkulissen sind es allerdings, die Dogville vor den Augen des Betrachters entstehen lassen, sondern weiße Kreidestriche auf einem schwarzen Bühnenboden. "Man vergisst sehr schnell, dass da keine wirklichen Häuschen sind. Die Stadt entsteht vor dem geistigen Auge, und was noch viel wichtiger ist: es gibt keine Wände zwischen den Figuren und dem Publikum."
Die Handvoll Bewohner sind gute, ehrliche Menschen, die alles daran setzen, ihr Dörfchen hübsch und adrett zu erhalten. Alles geht seinen gewohnten ruhigen Lauf, bis eines Tages die schöne Grace (Nicole Kidman) auf der Flucht vor Gangstern just in Dogville landet. Der junge Tom (Paul Bettany) nimmt sich ihrer an. Tom kann von allen am besten mit Worten umgehen, vielleicht wird er sogar einmal ein richtiger Schriftsteller - und deshalb stimmen nach anfänglichem Zögern schließlich auch alle zu, als Tom vorschlägt, dass Grace bleiben soll. Mit kleinen, gering bezahlten Arbeiten soll Grace sich die Gastfreundschaft verdienen. Dankbar macht sich Grace ans Werk.
Toms Plan scheint zu funktionieren. In jedem Haus gibt es eine kleine Aufgabe für Grace, und als ihr auch noch Tom - etwas unbeholfen, aber immerhin - seine Liebe erklärt, scheint das kleine Glück perfekt. Eines Tages jedoch kommt Polizei ins Dorf und hängt einen Steckbrief auf - mit Graces Bild. Die Dorfbewohner finden nun, dass sie sich ihre riskante Gastfreundschaft viel zu billig haben abgelten lassen. Grace soll von nun an härter arbeiten, für weniger Geld. Ihre Hingabe wird gnadenlos ausgenutzt, in jeder Beziehung. Von den Frauen wird Grace beschimpft, von den Männern missbraucht, erst heimlich, dann nicht einmal mehr das. Und sogar Tom fehlen plötzlich die vielen großen Worte ...
Dogville ist ein ungewöhnlicher, außergewöhnlicher Film, der in scheinbarer Einfachheit eine große Geschichte von nahezu mythologischem Ausmaß erzählt, von Geben, Nehmen, Vergebung und Rache - in von Triers ganz eigener, streng formalistischer und dennoch seltsam unaufgeräumter Manier. Und trotz der spärliche Ausstattung, von Special Effects gar nicht zu reden (sogar der Dorfhund ist nur aufgezeichnet), ist Dogville über fast drei Stunden so packend und spannend, dass das aufregende Finale gleichzeitig erlösend und enttäuschend ist: Was, schon aus?
Lars von Trier: "Was heutzutage als Großes Kino gilt, ist mir viel zu einfach: Man drückt auf einen Knopf, und schon hat man Berge, Drachen, Explosionen. Als ich jünger war, hätte ich all dieses computergenerierte Zeugs sicher fantastisch gefunden. Jetzt bin ich alt und eigensinnig, und es gibt für mich Grenzen, wie toll ein Film auszusehen hat. Wenn er zu toll aussieht, muss ich mich übergeben."

Text:  Kurt Zechner

Credits

Titel Dogville
Originaltitel Dogville
Genre Drama
Land, Jahr Dänemark/Norwegen/Schweden, 2003
Länge 178 Minuten
Regie Lars von Trier
Drehbuch Lars von Trier
Kamera Anthony Dod Mantle
Schnitt Molly Marlene Stensgård
Musik David Bowie
Produktion Vibeke Windeløv
Darsteller Stellan Skarsgård, Nicole Kidman, Paul Bettany, Jeremy Davies, Jean-Marc Barr, Patricia Clarkson, Ben Gazzara, John Hurt, Udo Kier, Philip Baker Hall, Lauren Bacall, James Caan, Chloë Sevigny
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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