Filminfo zu

Wolfzeit

Le temps du loup

Drama. Deutschland, Frankreich, Österreich 2003. 113 Minuten.

Regie: Michael Haneke
Mit: Patrice Chéreau, Béatrice Dalle, Isabelle Huppert

Apocalypse Now irgendwo in Europa. Im neuen Film von Michael Haneke zählt für Isabelle Huppert nur noch das nackte Überleben.

Filmstart: 23. Januar 2004

Irgendetwas Schreckliches ist passiert. Es gibt keine Stromversorgung mehr. Benzin ist Mangelware. Auch sauberes Wasser ist selten geworden. Die Bauern schlachten ihre Pferde, weil sie sonst nichts mehr zu essen haben. Tiefer Nebel liegt über dem Land. Es ist kalt. In der Nacht siehst du weit und breit kein einziges Licht. Die Menschen schließen sich in ihren Häusern ein. Jeder ist auf sich allein gestellt. Es geht nur noch ums nackte Überleben.
Annas Familie kommt aus der Stadt. Obere Mittelschicht. Sie wollen in ihrem Ferienhaus abwarten, bis sich die allgemeine Lage wieder beruhigt hat. Bei ihrem Eintreffen stoßen sie auf Fremde. Die Konfrontation führt zur Katastrophe. Annas Mann wird erschossen. Schockiert findet sich die Frau (Isabelle Huppert) mit ihren beiden Kindern (Lucas Biscombe, Anais Demoustier) auf der Straße wieder. Von den Nachbarn kann und will ihnen keiner weiterhelfen. Die drei können zwar etwas Essen erbetteln, aber die Nacht müssen sie im Freien verbringen.
Am nächsten Morgen wird das ganze Ausmaß der Apokalypse spürbar. Verzweiflung und Überlebenswille führen zu einem Zustand allgemeiner Gewalt und Hoffnungslosigkeit, es gelingt nur mühsam, humane Zustände aufrechtzuerhalten. Ein streunender Junge (Hakim Taleb) bringt ihnen Grundzüge des Überlebens bei. Etwa dass man an den vielen toten Tieren nicht achtlos vorbeigeht, eventuell ist ihr Fleisch noch genießbar. Auch menschliche Leichen können nützlich sein. Zumindest solange sie noch Gewand am Körper haben. Ein paar Fußstunden weiter südlich soll es eine Bahnstation geben. Angeblich fahren dort noch Züge durch. Das wäre der einzige Weg, um in die Stadt zurückzukommen. Der kleine Wartesaal ist völlig überfüllt. Seit zehn Tagen hat kein Zug mehr angehalten. Man beschließt, eine Barrikade zu bauen. Wer noch Lebensmittel oder Trinkwasser hat, verkauft sie teuer. Anna hat ihren letzten Schmuck bereits eingetauscht. Kleine Kinder und alte Menschen sterben als erstes. Heilsbotschaften machen sich breit. Es soll Leute geben, die sich nackt ins Feuer werfen, wird erzählt. Sie wollen Buße tun, damit der Rest der Menschheit überlebt.
"Nichts ist mehr, wie es war", stand in einem Begleittext, als der international erfolgreiche österreichische Filmemacher Michael Haneke (Funny Games, Code: unbekannt, Die Klavierspielerin) seinen neuesten Film im Rahmen des Wettbewerbs von Cannes präsentierte. "Was als Geschichte einer Familie beginnt, entwickelt sich schnell zur kollektiven Tragödie. Aber es ist auch eine Legende und als solche die Geschichte eines Opfers und, vielleicht, die Geschichte eines Heiligen."
Apocalypse Now irgendwo in Europa. Hollywood hätte aus dieser Vorgabe einen aufgeblasenen Action-Blockbuster gemacht, aber Haneke hält nichts davon, sein Publikum mit plakativer Gewalt oder attraktiver Action zu verführen. Stattdessen erzeugt er konzentrierte Bilder, deren Sog übermächtig wird - sofern man die Geduld aufbringt, sich darauf einzulassen. Seine Filme zeugen von emotionaler Vergletscherung, hat Haneke einmal gesagt. Diese Beschreibung gilt noch immer.

Credits

Titel Wolfzeit
Originaltitel Le temps du loup
Genre Drama
Land, Jahr Deutschland/Frankreich/Österreich, 2003
Länge 113 Minuten
Regie Michael Haneke
Drehbuch Michael Haneke
Kamera Jürgen Jürgens
Schnitt Nadine Muse, Monika Willi
Produktion Michael Weber, Veit Heiduschka, Magaret Ménégoz
Darsteller Patrice Chéreau, Béatrice Dalle, Isabelle Huppert, Anais Demoustier, Olivier Gourmet, Maurice Bénichou, Andreas Lust, Branko Samarovski, Maria Hofstätter
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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