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Der Polarexpress

The Polar Express

Abenteuer, Animation, Märchen. USA 2004. 91 Minuten.

Regie: Robert Zemeckis
Mit: Tom Hanks, Peter Scolari, Nona Gaye

Nach Forrest Gump und Verschollen gehen Robert Zemeckis und Tom Hanks diesmal auf gemeinsame Abenteuerreise zum Nordpol: Bahnbrechende Animations-Technik und universeller Anspruch im schönsten Weihnachtsfilm seit langem.

Filmstart: 25. November 2004

Kommt das Christkind wirklich angeflogen? Steckt hinter dem wolligen Rauschebart vom Nikolaus nicht doch der Dorfpfarrer? Was passiert, wenn ich dem Krampus ordentlich gegen das Schienbein trete? Mit solchen Fragen beginnt in jeder glücklichen Kindheit die Phase der sanften Auflösung jener Ansammlung von Mythen, die in frühen Jahren die kindliche Fantasie und Imagination anregen wie kein anderes Ereignis: Weihnachten.
An einem verschneiten Weihnachtsabend liegt ein kleiner Bub (Tom Hanks), der sich gerade in dieser Phase befindet, aufgeregt und hellwach in seinem Bett. Er hört ein Geräusch, schleicht sich aus dem Zimmer - und erblickt im Erdgeschoß den Schatten eines beleibten Mannes. Der Weihnachtsmann?! Nein, es ist nur sein Vater (Tom Hanks) mit seiner Schwester im Arm. Eben: Den Weihnachtsmann gibt es nicht. Aber als der Bub wieder in seinem Bett liegt, lauscht er dann doch angestrengt nach dem Klingeln der Glöckchen am Schlitten des Weihnachtsmanns …
Es sind fünf Minuten bis Mitternacht. Und plötzlich wird der Bub von einem donnernden Brausen aufgeschreckt. Er wischt den Beschlag von der Fensterscheibe und traut seinen Augen nicht: Eine mächtige, schwarze Lokomotive mit dutzenden Waggons hat direkt vor seinem Fenster gehalten, ihr Dampf zischt einladend durch die sanft fallenden Schneeflocken in den Nachthimmel. Der Bub rennt in Pyjama und Hausschuhen nach draußen und begegnet dem Zugschaffner (Tom Hanks). "Also", fragt der Schaffner, "kommst du mit?" "Wohin?" fragt der Bub. "Na, zum Nordpol natürlich", lautet die Antwort. "Dies ist der Polarexpress!"
Das 1985 von Chris Van Allsburg verfasste und illustrierte Kinderbuch Der Polarexpress, auf Deutsch bei Carlsen (auch als Hörbuch) erschienen und mit der Caldecott-Medaille ausgezeichnet, ist einer der großen Weihnachts-Klassiker der US-Literatur. "Für den Erfolg des Buchs waren vor allem auch die Bilder von Chris Van Allsburg ausschlaggebend", ist sich Regisseur Robert Zemeckis sicher. Deshalb haben er und Tom Hanks die 18 Seiten des Buchs während der letzten Jahre in ein abendfüllendes Drehbuch umgewandelt und mit revolutionärer Technik - optisch getreu den Illustrationen Van Allsburgs - verfilmt.
Tom Hanks spielt darin gleich mehrere Rollen gleichzeitig. Er spielt den kleinen Buben, den Zugschaffner und zahlreiche Nebenfiguren. Möglich wurde dies durch eine neue Methode des Motion-Capturing, genannt Performance-Capture; dabei spielen die Schauspieler ihre Rollen fast wie bei einer normalen Filmproduktion selbst, wobei allerdings ihre gesamte Gestik und Mimik in den Computer übertragen wird, sodass schließlich ein komplettes 3D-Modell des Schauspielers und seiner Darstellung in eine digital gerenderte Umgebung integriert werden kann. Also stellen hier nicht im Computer erzeugte Comic-Fische oder Spielzeugfiguren, sondern Stars wie Tom Hanks sichtbar und wiedererkennbar die Charaktere dar, und trotzdem stehen den Filmemachern alle Möglichkeiten des Computer-Animationsfilms offen. Davon macht Der Polarexpress reichlich Gebrauch. Die abenteuerliche Reise zum Nordpol, wo die Elfen den großen Geschenkesack von Santa Claus geschnürt haben und in Kürze Weihnachten einläuten werden, ist ein Feuerwerk an Einfallsreichtum und beeindruckenden Animationssequenzen. Gleich einer Achterbahn rast der Zug quer über Land, erklimmt schwindelnde Höhen und rast im 90-Prozent-Gefälle in Täler, während der Bub mit einem Vagabunden (Tom Hanks) eine Schitour über die Waggondächer bewältigt. Nahe am Nordpol, bei der Fahrt über eine riesige Eisplatte, gerät der Zug ins Schleudern, auch das eine unvergesslich imposante Animationssequenz. Zwei von echten Tänzern dargestellte und computerisierte Musicalnummern sorgen für fröhliche Abwechslung mit surrealistischen Elementen. Und die romantische, emotionale Atmosphäre, die Van Allsburg mit seinen Bildern im Buch erzeugt, wird durch die bestechende, absolut einzigartige Optik des Films gebührend zum Leben erweckt. Weihnachten und Kino leben vom selben Prinzip: Alles ist Fassade, alles ist vorgetäuscht, aber die Gefühle, die sie erzeugen, und die Magie, die sie verströmen, sind echt. Darin liegt die Stärke von Der Polarexpress.

Text:  Klaus Hübner

Credits

Titel Der Polarexpress
Originaltitel The Polar Express
Genre Abenteuer/Animation/Märchen
Land, Jahr USA, 2004
Länge 91 Minuten
Regie Robert Zemeckis
Drehbuch Robert Zemeckis basierend auf dem Kinderbuch von Chris Van Allsburg
Kamera Don Burgess, Robert Presley
Schnitt R. Orlando Duenas, Jeremiah O´Driscoll
Musik Alan Silvestri, Glen Ballard
Produktion William Teitler, Robert Zemeckis, Gary Goetzman, Steve Starkey
Darsteller Tom Hanks, Peter Scolari, Nona Gaye, Michael Jeter, Eddie Deezen, Charles Fleischer
Verleih Warner

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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