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Der Bockerer IV - Prager Frühling

Der Bockerer IV - Prager Frühling

Drama. Österreich 2003. 89 Minuten.

Regie: Franz Antel
Mit: Katharina Stemberger, Karl Merkatz, Wolfgang Böck

Echte Österreicher gehen nicht unter. Im vierten Teil ihrer Bockerer-Reihe nehmen sich Franz Antel und Karl Merkatz mit Schmäh und Zivilcourage den Prager Frühling vor.

Filmstart: 31. Oktober 2003

"Ich bin der König vom Kitsch." Egal ob man den österreichischen Film als gemütliche Unterhaltung, hochwertiges Kulturgut, internationale Qualitätsware, weltweit gesuchtes Festivalmaterial, liebenswerte Reliquie, bemitleidenswertes Politikum oder vielleicht sogar als nationales Ärgernis betrachten will, ein Punkt stimmt in jedem Fall: Wer immer sich mit Gegenwart und Geschichte der heimischen Filmwirtschaft beschäftigt, wird an einem Namen nicht vorbeikommen: Franz Antel.
Der altersstarke Zelluloid-Zampano - mit neunzig Jahren noch im Regiestuhl zu sitzen, könnte womöglich gar schon eine Eintragung ins Buch der Rekorde bringen - ist der einzige Filmemacher Österreichs, der seinem Land, seinen Geschichten und seinen Geschmack von Anfang bis zum Ende treu geblieben ist und dabei trotzdem - und zwar nicht nur wegen seines fast schon legendären Rufs als Partylöwe und Frauenfreund - zumindest einen Hauch von Hollywood nach Hause geholt hat. ”Ich habe mich immer nach den Bedürfnissen des Publikums gerichtet”, sagt Antel. Manchmal - wie etwa bei Hallo, Dienstmann (1951), Spionage (1955) oder Der Bockerer (1981) - sind dabei Meisterwerke raus gekommen. Manchmal nicht. Da waren die Bedürfnisse eben tiefer.
"Der beste Film taugt nichts, wenn niemand ihn sehen will." Frei nach diesem Motto war der standesbewußte "Kommerzfilmer" selbst dann gut, wenn er schlecht war. In anderen Worten: Sein Publikum wurde nie enttäuscht. Filme wie Otto ist auf Frauen scharf (1968), Mein Vater, der Affe und ich (1970) oder Wenn Mädchen zum Manöver blasen (1974) hielten stets, was der Titel versprach. Und der bildungssüchtige Cineast, der sich hier ins Kino verirrte, war selbst schuld an seiner Misere.
Ein echter Antel geht nicht unter. Seinen ersten Film drehte der "filmnarrische" Sohn eines Wiener Post-Oberinspektors im Jahre 1933. Um das Geld auftreiben zu können, versetzte er eine goldene Uhr und belehnte das Grundstück seiner Eltern. Seinen bislang letzten drehte Franz Antel 2003, also immerhin 70 Jahre später. Was er alles ausknobeln musste, um Der Bockerer IV - Prager Frühling finanziert zu kriegen, wird wohl nie so ganz ans Licht der Öffentlichkeit dringen. Aber es dürfte einiges gewesen sein. Denn so rosig ist die pekuniäre Lage der österreichischen Filmwirtschaft nun auch wieder nicht.
Die Bockerer-Reihe, die aus dem sowohl künstlerischen wie finanziellen Erfolg von Der Bockerer aus dem Jahr 1981 entsprang, ist wohl Antels Vermächtnis an Österreich. Eine Serie von bislang vier Filmen, deren Hauptfigur, gespielt von Karl Merkatz, ein positives Gegenstück zu Qualtingers Herrn Karl abgibt. Wo der für die miesen Seiten der österreichischen Seele steht, für das Ducken, Mitlaufen und trotzdem Raunzen, verkörpert Karl Bockerer stets nur das Gute.
"Ein Unrecht ist ein Unrecht. Da muss man doch was dagegen machen." So lautet der legendäre Schlachtruf, der den unbeugsamen Fleischhauer vom Anschluß Österreichs an Nazi-Deutschland (1) über die Besatzungszeit (2) bis in die Wirren des Ungarn-Aufstands von 1956 (3) und zuletzt - Der neue Bockerer - Prager Frühling - sogar mitten in den Prager Frühling geführt hat.
Wien, im Sommer 1968. Zwölf Jahre sind vergangen, seit Karl Bockerer mit seinem Ziehsohn Gustl in Budapest die Niederschlagung des ungarischen Aufstands durch die Rote Armee hautnah erlebt hat. Mittlerweile ist Gustl (Sascha Wussow) mit Elena (Caroline Vasicek) in die Tschechoslowakei gezogen, angelockt vom Slogan "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" will er dort eine Fleischhauerei eröffnen. Als Karl Bockerer seine langjährige Haushalterin Anna heiratet, laden die beiden das Brautpaar zu sich in ihre neue Heimat ein. Eine aufregende Zeit. In der Tschechoslowakei weht der warme Wind des Prager Frühlings. Bis die Russen einmarschieren - und der Bockerer wieder einmal mittendrinnen steht. Es ist eine alte Geschichte: Wenn´s wo ungerecht wird, kann der Karli seinen Mund nicht halten. Und das ist gut so. Weil wo Zivilcourage ist, ist auch ein Weg.

Credits

Titel Der Bockerer IV - Prager Frühling
Originaltitel Der Bockerer IV - Prager Frühling
Genre Drama
Land, Jahr Österreich, 2003
Länge 89 Minuten
Regie Franz Antel
Drehbuch Fedor Mosnak, Kurt Huemer, Franz Antel
Kamera Martin Stingl
Schnitt Charlotte Müllner-Berger
Musik Gerhard Heinz
Produktion Dieter Pochlatko
Darsteller Katharina Stemberger, Karl Merkatz, Wolfgang Böck, Marianne Nentwich, Thaddäus Podgorski, Alexander Wussow, Brigitte Neumeister, Caroline Vasicek, Harald Serafin, Heinz Petters, Hary Prinz, Christian Spatzek, Heinrich Schweiger, Heinz Marecek
Verleih Buena Vista International

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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