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Capturing the Friedmans

Capturing the Friedmans

Dokumentation. USA 2003. 107 Minuten.

Regie: Andrew Jarecki
Mit: David Friedman, Arnold Friedman, Elaine Friedman

Arnold Friedman: braver Familienvater oder pädophiler Gewaltverbrecher? Hochspannende Doku über einen der kontroversiellsten Medienschauprozesse der US-Geschichte.

Filmstart: 28. November 2003

An einem kühlen Novembermorgen des Jahres 1987 war die Welt noch in Ordnung: In einem kleinen schnuckeligen Haus in der wohlhabenden, netten Kleinstadt Great Neck auf Long Island bereitet Elaine Friedman, treusorgende Mutter dreier wohlgeratener, fast erwachsener Söhne, gerade mit viel Liebe ein köstliches Thanksgiving-Dinner zu. Vater Arnold Friedman, ein mit mehreren Forschungspreisen ausgezeichneter, allseits beliebter Lehrer, macht sich daran, den prächtigen Truthahn zu tranchieren, während die Sprösslinge David, Seth und Jesse sich auf einen harmonischen Tag im Kreis der Familie freuen: ein häusliches Idyll, wie es Hollywood nicht perfekter hinkriegt. Doch ganz plötzlich ist nichts mehr so, wie´s vorher war. Ein lautes Krachen, die Haustür bricht auf. Polizei stürmt ins Wohnzimmer, Officers laufen hektisch zwischen den völlig verstörten Friedmans hin und her und beginnen, das ganze Haus systematisch zu durchsuchen. Und tatsächlich finden sie etwas, was das bisherige Leben der netten Familie Friedman für immer in Frage stellen wird: In Arnold Friedmans Arbeitszimmer, sorgfältig versteckt hinter dem Klavier, finden die Officers stapelweise Magazine mit Kinderpornographie.
Arnold Friedman wird festgenommen - gemeinsam mit seinem damals 18-jährigen jüngsten Sohn Jesse, und durch ein inszwischen im Vorgarten des Friedmanschen Einfamilienhaus versammeltes Spalier an Fotografen, Kameraleuten und Reportern abgeführt. Die Anklage: Schwerer Kindesmissbrauch und Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses - ihm wird vorgeworfen, mit Hilfe seines Sohnes mehrere Schüler seines Computerkurses vergewaltigt zu haben.
Der darauf folgende Prozess zieht sich über Jahre, die Verbrechen, die Arnold und Jesse vorgeworfen werden, werden zusehends monströser. Dass Friedman kein Unschuldsengel war, scheint klar - aber wie weit ging er wirklich? Ehemalige Schüler Friedmans berichten über grausame Sex-Spiele im Unterricht, während andere, die ebenfalls jahrelang bei ihm lernten, nie mit "außerschulischen" Interessen Friedmans konfrontiert wurden. Und während Friedmans ältere Söhne unbedingt zu Vater und Bruder stehen und bis zum Schluss an einen schrecklichen Irrtum glauben, brechen bei Mutter und Ehefrau Elaine Zweifel aus, die während jahrzehntelanger Ehe unbemerkt gewachsen sind.
Für seine preisgekrönte Doku verwendete Regisseur Andrew Jarecki zahlreiche Home-Videos der Familie Friedman und führte stundenlange Interviews mit Beteiligten: Familie, Polizei, Zeugen. Für ihn geht es allerdings nicht um Schuld oder Unschuld, weniger um die Wahrheit selber, sondern vielmehr um den Umgang mit der Wahrheit, die gerade durch die bohrende Suche nach objektiver Schärfe immer verschwommener scheint. "Es war bemerkenswert, wie eloquent und glaubwürdig jeder einzelne seine Version der Geschichte erzählt", kommentiert Jarecki. "Nicht nur die Familienmitglieder, die alle smart sind und gut mit Worten umgehen können - auch die Polizisten, die Detectives, der Post-Inspektor, die Richterin. Das wirklich Überraschende daran war allerdings, dass obwohl jeder einzelne mit Wissen und wohl auch Gewissen hinter seiner Version stand, es kaum Übereinstimmungen gab."

Text:  Gini Brenner

Credits

Titel Capturing the Friedmans
Originaltitel Capturing the Friedmans
Genre Dokumentation
Land, Jahr USA, 2003
Länge 107 Minuten
Regie Andrew Jarecki
Kamera Adolfo Doring
Schnitt Richard Hankin
Musik Andrea Morricone
Produktion Andrew Jarecki
Darsteller David Friedman, Arnold Friedman, Elaine Friedman
Verleih Stadtkino

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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