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Die Invasion der Barbaren

Les invasions barbares

Tragikomödie. Frankreich, Kanada 2003. 99 Minuten.

Regie: Denys Arcand
Mit: Rémy Girard, Stéphane Rousseau, Dorothée Berryman

Humor, Zynismus und Verstand. Denys Arcands scharfsinnige Satire ist ein Film, der vom Sterben handelt und trotzdem pure Lebensfreude vermittelt.

Filmstart: 19. März 2004

Ein Lebemann liegt im Sterben. Rémy (Rémy Girard), ein ehemaliger Universitäts-Professor für Geschichte, ein scharfsinniger Freigeist, körperlichen wie intellektuellen Reizen gegenüber gleichermaßen aufgeschlossen, wird den Tumor, der in seinem Körper wächst, wohl nicht mehr bewältigen können. Das Personal im Krankenhaus tut sein Bestes, aber die Mittel im kanadischen Gesundheitssystem sind eben sehr begrenzt. Der einzige Mensch, der Rémy in dieser Situation helfen kann, ist sein Sohn Sébastien (Stéphane Rousseau), ein in London lebender Vorzeige-Yuppie, der sein Geld mit internationalen Börsengeschäften verdient. Finanziell gesehen hat Sébastien alle Mittel in der Hand, um seinem Vater das Sterben erträglich zu machen. Aber gerade diesen Gedanken kann der nicht ertragen.
"Bitte verstehen Sie", fleht er die Krankenschwester an. "Mein Sohn ist ein kapitalistischer, ehrgeiziger, prüder Mensch, während ich mein Leben lang Sozialist, Hedonist und geil war."
Schwester Constance (Johanne Marie Tremblay) kontert kühl. "Wollen Sie wissen, wie ihre Hölle sein wird? Sie werden mit allen Frauen zusammengesperrt sein, die Sie verführt haben und gezwungen, Ihnen für alle Ewigkeit zuzuhören." Angewandte Religionstheorie. Wenn es einen Teufel gibt, dann hat die Dame sicher Recht. Immerhin bekam sie schon einiges zu hören und sehen, seit dieser seltsame Patient in ihren Gängen liegt.
17 Jahre nach seinem frenetisch umjubelten Meisterwerk Der Untergang des amerikanischen Imperiums hat der kanadische Regisseur Denys Arcand seine Helden von damals erneut vor der Kamera versammelt. Trotzdem handelt es sich bei Die Invasion der Barbaren um keine direkte Fortsetzung des Kultfilms. Eher um eine Weiterführung einmal ausgesprochener Gedanken, um die Wiederauferstehung eines großartigen Schauspieler-Ensembles, das den perfekten Rahmen für Arcands ebenso kluge wie urkomische Form von Zivilisationskritik abgibt.
Rémy stirbt, so wie er gelebt hat. Seine Krankengeschichte ist eine einzige große Party. Alte Freunde und ehemalige Geliebte geben sich ein ständiges Stelldichein vor seinem Bett, die allgemeine Geilheit dieser scharfzüngigen Intellektuellen-Runde ist dauerndes Gesprächsthema. Wenn die Schmerzen des Patienten unerträglich werden, sorgt der Sohn persönlich mit einer täglichen Heroinlieferung für Linderung. Und als der Mann am Ende stirbt, war es seine eigene Entscheidung, sich vom Leben zu verabschieden. Seine Lieben blicken auf den idyllischen See, den er sich für den Tod ausgesucht hat, am Ende wird ein Flugzeug den Sohn wieder nach London bringen und auf der Tonspur hören wir Francoise Hardy wie sie von den Menschen singt, die "die Zeit der Freundschaft zur schönsten aller Jahreszeiten" gemacht haben. "Nur manchmal schleicht sich Traurigkeit in ihre Augen", heißt es in L´amitie. "Dann kommen sie, um sich zu wärmen, bei mir, bei dir." Genau darum geht es in Die Invasion der Barbaren. Schöner als dieses Lied kann keine Inhaltsangabe den Film beschreiben.

Text:  Peter Krobath

Credits

Titel Die Invasion der Barbaren
Originaltitel Les invasions barbares
Genre Tragikomödie
Land, Jahr Frankreich/Kanada, 2003
Länge 99 Minuten
Regie Denys Arcand
Drehbuch Denys Arcand
Kamera Guy Dufaux
Schnitt Isabelle Dedieu
Musik Pierre Aviat
Produktion Denise Robert
Darsteller Rémy Girard, Stéphane Rousseau, Dorothée Berryman, Johanne Marie Tremblay, Daniel Louis, Marie-Josée Croze, Marina Hands
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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