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... und dann kam Polly

Along Came Polly

Liebeskomödie. USA 2004. 90 Minuten.

Regie: John Hamburg
Mit: Ben Stiller, Jennifer Aniston, Philip Seymour Hoffman

Liebesnöte eines Großstadtneurotikers. Im turbulenten Techtelmechtel mit Jennifer Aniston erweist sich Ben Stiller als Woody Allen der MTV-Generation.

Filmstart: 5. März 2004

Reuben Feffer (Ben Stiller) lebt vom Wissen, dass das Leben lebensgefährlich ist. Als international gefragter Experte für Risikoabschätzung bei Lebens- und Kapitalversicherungen ist er mit sämtlichen Schlagfallen des Schicksals bestens vertraut. Dass Extremsportarten wie Bungee-Jumping oder Haifisch Füttern den Alltag nicht sonderlich sicherer machen, weiß jeder. Aber Reuben Feffer kann dir auf das Komma hinter dem Prozentpunkt genau sagen, wie groß etwa die Chance ist, dass du dir gleich eine langwierige Infektion einhandeln wirst, weil die Erdnüsse, die der Barkeeper mit freundlichem Lächeln zu deinem Drink serviert, noch die Krankheitskeime des vorigen Kunden auf sich tragen. Das war der Dreckskerl, der sich nach der Toilette die Hände nicht gewaschen hat. Womit er in der amerikanischen Männerwelt zur absoluten Mehrheit gehört. Also Finger weg von den Erdnüssen. Es sei denn du stehst auf Durchfall.

Reuben Feffer ist ein Vollprofi im Vermeiden verhängnisvoller Situationen. Das ist sein Beruf und seine Berufung. Nur einmal hat ihn die Liebe blind gemacht. Der hundertprozentige Vernunft-Fan hielt die zweihundertprozentig vernünftig wirkende Immobilienmaklerin Lisa Kramer (Debra Messing) für die perfekte Ehefrau. Es gab keinerlei Risiken zu berechnen, hier hatten Herz und Hirn eine traumwandlerisch sichere Einheit gefunden. Diese Ehe würde er jederzeit versichern, hatte Reubens Boss (Alec Baldwin) noch vor wenigen Tagen bei der Hochzeit gesagt. Und jetzt steht der Flitterwöchner verwirrt am Traumstrand einer Karibikinsel und muss sich fassungslos eingestehen, dass sich seine Braut gerade glücklich glucksend zwischen den Flossen ihres französischen Tauchlehrers (Hank Azaria) tummelt. Von wegen Vernunft, hier herrscht nackte Begierde. Reuben bricht die Hochzeitsreise ab, die Ehe natürlich auch.

Zurück in New York versucht er, seine Depression mit Arbeit zu bewältigen. Falscher Weg, du brauchst ein Date, meint sein bester Freund Sandy Lyle (Philip Seymour Hoffman), ein notorisch erfolgloser Schauspieler, der viel weniger vom Leben hat als Reuben, aber das dafür umso mehr genießt. Ein Date hilft aus jeder Depression. Nur Polly (Jennifer Aniston), die ehemalige Mitschülerin aus der Highschool, die Reuben auf einer Party traf und gerne wieder treffen möchte, hält Sandy für ganz und gar nicht geeignet. Reuben ist ein Zwangsneurotiker, dessen Leben bis ins kleinste Detail in absolut geordneten Bahnen verlaufen muss. Polly ist eine chaotische Alltags-Anarchistin, eine notorische Weltenbummlerin, die ihr Dasein eher als ein großes Glücksspiel begreift, keinen Gedanken an die Zukunft verschwendet, vor allem für den Moment liebt, scharfes Essen und heiße Salsa-Tänze liebt und ihre Wohnung mit einem blinden Frettchen teilt. Gegensätze ziehen sich an, sagt der Volksmund. Aber gleich solche Gegensätze?

...und dann kam Polly ist das neueste Projekt des Komödien-Spezialisten und Drehbuchautors John Hamburg, der für Ben Stiller schon Hits wie Meine Braut, ihr Vater und ich oder Zoolander geschrieben hat. Hier stand er zum ersten Mal seit seinem Regiedebüt, dem in Sundance gefeierten Kultfilm Safe Men, auch wieder als Regisseur hinter der Kamera. "Für diesen Film hatte ich einen Kerl im Sinn, der sein ganzes Leben genau geplant hatte. Was wäre für so einen Fanatiker das Schlimmste? Wie wäre es mit einer Situation, in der ihn die Frau, mit der er sein Leben verbringen will, in den Flitterwochen sitzen lässt? Er müsste von vorne anfangen - und danach, was wäre dann sozusagen das nächste Schlimmste, das passieren könnte? Er lernt eine neue Frau kennen, zu der er eine Verbindung spürt, aber es stellt sich heraus, dass sie völlig bindungsunfähig ist. Und aus dieser Situation heraus entwickelte sich der Film."

Liebe kann auch lustig sein. Schlechter Geschmack bringt gute Gags. Salsa ist immer noch das beste Vorspiel. Und gute Ehen werden schon lange nicht mehr im Himmel geschlossen. Dank solcher Weisheiten, die unübersehbar zwischen den Bildern stehen, wird ... und dann kam Polly zu einem frechen Vergnügen, das intelligente Seitenhiebe auf das moderne Leben mit jener Form von haarsträubender Situationskomik verbindet, wie sie unweigerlich entsteht, wenn etwa ein magenkranker Kavalier beim ersten Date nach einem ausgiebigen Abendessen in der Wohnung seiner neuen Flamme landet und statt der Couch erst einmal das Klo aufsucht. Wo da der Witz liegt? Ganz einfach: Natürlich gibt es kein Klopapier in Pollys Toilette. Dafür aber eine Rückenbürste aus Skandinavien, ein Zierhandtuch, das die Oma eigenhändig mit Spitzen dekoriert hat, und ein blindes Frettchen, das nichts Böses ahnend in der Ecke hockt. Reuben muss sich entscheiden. Den Rest überlassen wir der Fantasie unserer Leser ...

Credits

Titel ... und dann kam Polly
Originaltitel Along Came Polly
Genre Liebeskomödie
Land, Jahr USA, 2004
Länge 90 Minuten
Regie John Hamburg
Drehbuch John Hamburg
Kamera Seamus McGarvey
Schnitt William Kerr, Nick Moore
Musik Theodore Shapiro
Produktion Stacey Sher, Danny DeVito, Michael Shamberg
Darsteller Ben Stiller, Jennifer Aniston, Philip Seymour Hoffman, Debra Messing, Alec Baldwin, Hank Azaria, Bryan Brown, Theodore Shapiro, Missi Pyle
Verleih UIP

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

very funny

When you like Ben Stiller too you will like this movie. Jennifer Aniston is as good as in Friends movies. LAURA7

7. August 2017
17:19 Uhr

von LAURA7

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