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Die Wand

Die Wand

Drama, Literaturverfilmung. Deutschland, Österreich 2012. 108 Minuten.

Regie: Julian Roman Pölsler
Mit: Martina Gedeck

Allein am Berg: In Julian Pölslers grandioser Verfilmung von Marlen Haushofers Kultroman ist Martina Gedeck mit einem unerklärlichen Naturereignis konfrontiert - und muss damit umgehen lernen, womöglich der letzte Mensch auf Erden zu sein.

Filmstart: 5. Oktober 2012

Eine Frau (Martina Gedeck) sitzt allein in einer Berghütte, mit struppigen Haaren, schmutzigen Fingernägeln. Im Licht einer rußigen Lampe beugt sie sich über Papier, schreibt wie manisch. Um nicht verrückt zu werden, muss sie protokollieren, was ihr widerfahren ist, auch wenn es nie jemand außer ihr lesen wird. Denn sie ist die einzige hier - womöglich auf der ganzen Welt.
Es ist eine Situation, wie sie Hollywood immer wieder verfilmt hat: Nach einer Katastrophe ist nur mehr ein Einzelner übrig, und der muss sich alleine durchschlagen; auf der Suche nach anderen Überlebenden, nach einer Erklärung für das, was passiert ist: Atomkrieg, Zombie-Invasion oder Killerviren?

Radikaler als alle diese Geschichten ist jedoch der Roman Die Wand. Als die Oberösterreicherin Marlen Haushofer, Hausfrau, Mutter zweier Kinder, das Buch 1963 veröffentlichte, wurde es kaum beachtet, erst viel später erkannte nicht nur die Frauenbewegung den Text als großartige Literatur. Seither gab es unzählige Versuche, die kompromisslose Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Regisseur Julian Pölsler ist nun eine Adaption gelungen, die wie ein unheimlicher Heimatfilm Naturidylle und ultimative Verstörung zu kombinieren versteht.

Die Frau war einst Städterin, mit hohen Absätzen, eleganter Golduhr und Sommerkleid. Auf Urlaub war sie ins Gebirge gekommen, mit einem befreundeten Ehepaar und dessen Hund namens Luchs. Gemeinsam wollte man den Sommer verbringen. Doch dann machen sich die beiden Gastgeber nachmittags auf den Weg ins nahe Dorf, lassen den Hund zurück - und kehren nicht wieder. Und als sie auf die Suche geht nach den beiden, geschieht das Unfassbare: Sie stößt auf ein unsichtbares, unüberwindliches Hindernis, eine Wand wie aus Glas, kühl, glatt, unzerstörbar. Was ist passiert? Offenbar hat die Wand das ganze Tal abgeschirmt, und sie und der Hund sind allein. Ob hinter der Wand die anderen ihr Leben weiterleben? Ob keiner sie vermisst? Oder sind alle tot, dort, jenseits der unsichtbaren Barriere?

Unsentimental, beinahe trotzig spielt Martina Gedeck die Rolle dieser namenlosen Frau, die womöglich die wichtigste, auf jeden Fall aber die ungewöhnlichste ihrer gesamten Karriere ist: Eine Figur, die die Vielschichtigkeit des Romans von Haushofer widerspiegelt, zugleich aber von einer großer Direktheit und Unverfälschtheit ist - in einer der schönsten Landschaften Österreichs, rund um den Dachstein im Salzkammergut.

Text:  Magdalena Miedl

Credits

Titel Die Wand
Originaltitel Die Wand
Genre Drama/Literaturverfilmung
Land, Jahr Deutschland/Österreich, 2012
Länge 108 Minuten
Regie Julian Roman Pölsler
Drehbuch Julian Roman Pölsler nach dem Roman von Marlen Haushofer
Kamera Christian Berger
Schnitt Bettina Mazakarini
Produktion Rainer Kölmel, Antonin Svoboda
Darsteller Martina Gedeck, Ulrike Beimpold, Karlheinz Hackl, Wolfgang M. Bauer, Hans-Michael Rehberg, Julia Gschnitzer
Verleih Thimfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

1 Kommentar

überwältigend gut!

Ich bewundere Martina Gedeck - und sie ist auch diesem Film schlicht und ergreifend großartig. Der Film selber ist schwere Kost, fast jeder Satz, der gesprochen wird, wirft eine unheimliche Vielzahl an philosophischen Fragen auf ... Werde wohl das Buch lesen, auch wenn ich mich dafür fürchte.

7. Oktober 2014
12:30 Uhr

von Haubenkoch

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