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Monster

Monster

Krimi. USA 2003. 111 Minuten.

Regie: Patty Jenkins
Mit: Charlize Theron, Christina Ricci, Bruce Dern

Es war einmal ein Mädchen, das ein Filmstar werden wollte. Sie landete in der Todeszelle. Die Geschichte der Serienmörderin Aileen Wuornos wurde zum Oscar-Triumph für Charlize Theron.

Filmstart: 15. April 2004

Es war Liebe auf den ersten Drink. Florida weit weg vom Strand, irgendwo zwischen den Hinterhöfen und Autobahnauffahrten des amerikanischen Sonnenstaates. Als sich Aileen Wuornos (Charlize Theron) am Tresen einer schmierigen Gay-Bar das Bierglas von Selby Wall (Christina Ricci) auffüllen lässt, sieht ihr Leben so düster aus wie eine Kurzgeschichte, die Charles Bukowski am Ende aller Rotweinflaschen in den Sinn kommt. Später wird es noch dunkler werden. Obwohl sie zwischendurch ans Glück glaubt. Aber da macht sie sich was vor. Für Menschen wie Aileen Wuornos gibt es kein Glück. Höchstens vage Momente, wo das Leben nicht ganz so weh tut, wo dir das Schicksal ein schiefes Lächeln gönnt, bevor es zum nächsten Tiefschlag ausholt. Verschnaufpausen auf dem Weg nach unten. Sehnsüchtige Umarmungen in einem schmierigen Motelzimmer. Ein zartes Seufzen. Mehr ist nicht zu holen.
Eine von Selbstmordgedanken gepeinigte Straßenprostituierte klammert sich mit der Verzweiflung einer Ertrinkenden an die Liebe einer jungen Frau, fast noch ein Mädchen, die von ihrem Vater zu Verwandten nach Florida geschickt wurde, um dort von ihrer Homosexualität "geheilt" zu werden. Nachdem Aileen Wuornos einen sadistischen Freier in Todesangst erschossen hat, träumt sie von einem neuen Leben, von einem normalen Job. Trotzdem landet sie wieder auf der Straße. Die Gesellschaft hat keine andere Verwendung für sie. Florida braucht Aileen Wuornos nur als billige Nutte. Wenn sie das nicht mehr packt: ihr Problem.
Monster, das Regiedebüt der amerikanischen Filmemacherin Patty Jenkins, zeichnet das ungeschminkte Bild einer Frau, die als Amerikas erste weibliche Serienmörderin in die Kriminalgeschichte einging. Sechs Freier hat Aileen Wuornos in zwei Jahren getötet. Es war Notwehr, sagt sie. Der Film sieht die Sache differenzierter. Aileen Wuornos verbringt zwölf Jahre in der Todeszelle. Oktober 2002 wird sie im Florida State Prison mit einer Giftspritze hingerichtet. Patty Jenkins war schon vorher auf ihren Fall aufmerksam geworden. Aufgrund der reißerischen Medien-Berichterstattung, in der die Frau unisono als "Monster" beschrieben wurde, begann sie sich für die Hintergründe der Bluttaten zu interessieren. Jenkins wollte den Menschen sichtbar machen, der hinter dem Freak steht. Während ihrer Haft schrieb Aileen Wuornos täglich Briefe an ihre beste Freundin aus Kindertagen. Am Vorabend ihrer Hinrichtung gab sie dem Filmteam das Recht, diese Texte im Drehbuch zu zitieren.
"Aileen Wuornos hat schreckliche Dinge getan und ich wusste sehr genau, dass sie dafür auch verantwortlich ist", sagt Patty Jenkins. "Es lag in meiner Verantwortung, dies dem Publikum klar zu machen. Ich wollte nicht die Geschichte eines glorifizierten Massenmörders erzählen, sondern eine weitaus größere Wahrheit zutage fördern: Dass diese Person, die sicherlich auch ein Opfer war, unschuldige Menschen tötete und somit die Leben anderer zerstörte. All dies verantwortungsvoll einzufangen und darzustellen, war mir sehr, sehr wichtig."
So wurde Monster zu einem True-Crime-Thriller, der kaum Thriller-Spannung bietet und das auch gar nicht will. Ein Melodram in mörderischen Verhältnissen. Ein Sezieren seelischer Abgründe. Aber ganz sicher - wie auch Charlize Theron nicht müde wird zu betonen - "kein Lass-uns-den-armen-Serienkiller-bemitleiden-Film". Die Südafrikanerin erreichte mit dieser Hauptrolle einen Status, den ihr Hollywood lange nicht gönnen wollte. Bisher sah das System Charlize Theron als eine Art gutbezahlte Barbiepuppe. Jetzt wird sie als Schauspielerin gehandelt. Vor allem, weil 15 Kilo Übergewicht, strähniges Haar, falsche Zähne und eine unglaubliche Leinwandpräsenz nach Golden Globe und Silbernem Bären schlussendlich als Krönung auch noch den Oscar brachten.

Text:  Peter Krobath

Credits

Titel Monster
Originaltitel Monster
Genre Krimi
Land, Jahr USA, 2003
Länge 111 Minuten
Regie Patty Jenkins
Drehbuch Patty Jenkins
Kamera Steven Bernstein
Schnitt Jane Kurson, Arthur Coburn
Musik BT
Produktion Charlize Theron, Mark Damon, Clark Peterson, Donald Kushner
Darsteller Charlize Theron, Christina Ricci, Bruce Dern, Pruitt Taylor Vince, Lee Tergesen, Annie Corley, Scott Wilson
Verleih Einhorn Film

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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