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Nacktschnecken

Nacktschnecken

Komödie. Österreich 2003. 91 Minuten.

Regie: Michael Glawogger
Mit: Raimund Wallisch, Pia Hierzegger, Michael Ostrowski

Ficktion buchstäblich. Die schräge steirische Post-Hippie-Indie-Sexklamotte von Michael Glawogger (Regie) und Michael Ostrowski (Buch) hat das Zeug zur Kultkomödie.

Filmstart: 5. März 2004

Das Leben dreier Grazer Ex-Studenten abseits vom Universitätsbetrieb. Johann (Raimund Walisch) jobbt bei der Post. Manchmal verschickt er anonyme Liebesbriefe an verheiratete Frauen. Abgesehen davon gibt es nur wenig Entfaltungsmöglichkeiten für seine sexuellen Gelüste.
Max (Michael Ostrowski, der mit Michael Glawogger auch gemeinsam das Drehbuch geschrieben hat) träumt von revolutionären Werbeideen, die doch nie verwirklicht werden. Ein quirliger Quälgeist, der außer langen Vorträgen zum Zustand der Zivilisation nicht viel zuwege bringt. Auch Max hängt sexuell in der Luft. Außerdem ist er insgeheim in Mao verliebt.
Mao (Pia Hierzegger) ist die geborene Checkerin. Eigentlich will sie Filme machen, aber im Moment hält sie sich mit kleinen Drogendeals über Wasser. Nichts Aufregendes, nur was zum Kiffen. Das meiste geht ohnehin für den Hausgebrauch drauf.
Schorsch (Georg Friedrich) gehört zu Maos Stammkunden. Ein kleiner Zuhälter, der sich für was Größeres hält. Er bringt Mao auf eine Idee, die Richtung Bargeld führt. "A Video, verstehst. Studenten und Studentinnen. So Sex und so. Technisch gor net aufwendig. So wie jeder halt so filmt im Urlaub. Oba schon richtig."
Ein Pornofilm. Zuerst lehnt Mao entrüstet ab. Aber dann denkt sie nach. "Das gibt es doch net, dass du net a paar Burschn kennst, die nur pudern im Schädel haben", hat Schorschi gesagt. Stimmt schon. Mao kennt solche Burschen. Johann und Max.
Nacktschnecken, der Film, den seine Macher in aller Bescheidenheit als "Post-Hippie-Indie-Sexklamotte" bezeichnen, hat das Zeug zur Kultkomödie. Die längst überfällige Antwort auf den Porno-Wahn, den Internet und Privatfernsehen längst bis in die letzten Winkel unserer Wohnzimmer bringen, wirkt einerseits wie ein Dogma-Film, der sämtliche Dogma-Regeln grundsätzlich missachtet, und andererseits wie eine surreale Farce, die in ihrer Bildgestaltung oft an die Kitsch-Ästethik der französischen Fotokünstler Pierre et Gilles erinnert. Wobei der schräge Witz, der sich quer durch die Geschichte zieht, am Ende aller nackten Tatsachen natürlich auch mit einer bitteren Wahrheit aufwarten kann: Ficken vor der Kamera ist harte Arbeit. Besonders für Amateure.
"Für mich sind Pornofilme etwas sehr wahrhaftiges, in dem Sinn, dass die Darsteller das ja wirklich tun", sagt Michael Glawogger. "Pornofilme, selbst wenn sie schlecht gemacht sind, haben eine nicht wegzuleugnende Authentizität, die einem den Atem raubt - und eben dieses Terrain beginnt sich der andere Film, der Nicht-Pornofilm im Moment zu erobern. Im normalen Spielfilm ist das einfach noch nicht ausgeschöpft. Aber ich denke, das wird sich etablieren und auch im normalen Film wird bald mehr gefickt werden."
So gesehen wäre Nacktschnecken pure Avantgarde. Aber zu ernst sollte man die Sache auch nicht nehmen. Immerhin betont Michael Ostrwoski, dass er beim Schreiben des Drehbuchs einen pseudointellektuellen Dialog erreichen wollte, "der einerseits deppert ist, aber andererseits auch stimmt. Das Gleiche gilt auch für den Film: Er ist auf der einen Seite ziemlich blöd, aber auf der anderen Seite trifft er die Sachen auf den Punkt."

Credits

Titel Nacktschnecken
Originaltitel Nacktschnecken
Genre Komödie
Land, Jahr Österreich, 2003
Länge 91 Minuten
Regie Michael Glawogger
Drehbuch Michael Glawogger, Michael Ostrowski
Kamera Wolfgang Thaler
Schnitt Andrea Wagner
Musik Patrick Pulsinger
Produktion Danny Krausz, Kurt Stocker
Darsteller Raimund Wallisch, Pia Hierzegger, Michael Ostrowski, Sophia Laggner, Georg Friedrich, Mike Supancic, Brigitte Kren, Detlev Buck, Iva Lukic
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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