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Silentium

Silentium

Literaturverfilmung. Österreich 2004. 110 Minuten.

Regie: Wolfgang Murnberger
Mit: Josef Hader, Simon Schwarz, Maria Köstlinger

Jetzt ist schon wieder was passiert. Brenners zweiter Kinofall führt Josef Hader ins sommerliche Salzburg. Quasi Kopfwehklima. Nicht nur wegen der paar Toten.

Filmstart: 24. September 2004

Der Brenner (Josef Hader) hat es auch schon einmal besser gehabt. Im Leben sowieso, aber im Privatleben auch. Bei der Polizei geht längst nichts mehr, erstens weil er damals mit der Frau von seinem Vorgesetzten, na ja, die Geschichte kannst du unter der Hand auf jedem Kommissariat erfragen, Fleischeslust und so, aber zweitens und überhaupt hat der Brenner ohnehin nicht zum Kieberer getaugt. Verbrecherjäger schon, Polizist nein. Da bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten über. Kaufhausdetektiv kann so einer werden, zum Beispiel in Salzburg, wo sich im Sommer zur Festspielzeit zwar hauptsächlich die Cremeversion der Gesellschaft tummelt, aber stehlen tun die oberen Schichten genauso wie die unteren. Musst nur den Brenner fragen. Der kennt sich aus. Freilich wurscht. Die aparte Erscheinung (Maria Köstlinger) zum Beispiel, die mehr Unterwäsche als bezahlt aus dem Kaufhaus schmuggeln wollte, war die Tochter vom Festspielpräsidenten (Udo Samel). Sie gut betucht, er gut besucht. So eine verhaftet in Salzburg keiner. Und einer wie der Brenner schon überhaupt nicht. Eher wird der seinen Job los. Wieder einmal.
Jedes Land bekommt genau die Verbrecherjäger, die ihm gebühren. Amerika hat Dirty Harry, England Sherlock Holmes, Frankreich Kommissar Maigret, Deutschland wenigstens Schimanski und Italien immerhin diesen feschen Commissario, der nicht ruht und rastet, bis die Mafia auch noch den letzten Teil seiner Wohnzimmereinrichtung in die Luft gesprengt hat. Österreich hat den Brenner. Sollen wir uns beschweren? Na ja. Erstens wo? Und zweitens ist das mit der Gerechtigkeit sowieso ein Dings. Meistens kommt die zu dem, der sie eh nicht braucht. Im konkreten Fall zum Brenner. Da kann der machen, was er will.
"Der Brenner schlittert in Kriminalfälle rein und löst die auch auf, aber in Wirklichkeit ist er einer, der sich in der Welt überhaupt nicht zurechtfindet", sagt der österreichische Regisseur Wolfgang Murnberger, der - erneut mit Josef Hader in der Hauptrolle - bereits einen zweiten Roman aus der überaus beliebten Brenner-Serie von Wolf Haas verfilmt hat. "Das macht ihn ja sympathisch, dass er kein Sieger ist, aber dass man ihn trotzdem irgendwie mag. Einen echten Helden verkraftet man ja eigentlich nicht als Österreicher, so wie die Amerikaner immer einen guten, edlen Helden haben. Das glaubt dir ja keiner, dass so einer bei uns lebt."
Irgendwie war es wahrscheinlich eh gut, dass der Brenner die Dame im Kaufhaus nicht verhaften konnte. Weil die flirtet jetzt mit ihm, frage nicht, und einen Auftrag hat sie auch. Ihr Mann ist auf dem Mönchsberg gestiegen, von wo aus man den schönsten Blick über Salzburg hat, aber er war nicht wegen der Aussicht oben, sondern mehr wegen dem freien Fall. Jetzt ist er tot. Selbstmord sagt die Polizei, aber die Lady will das nicht glauben. Frische Witwen sind halt so.
Die Kirche geht das auch was an. Immerhin hat sich nämlich der Tote, als er gerade noch am Leben war, extrem öffentlichkeitswirksam an fragwürdige Erziehungsmethoden erinnert, die ihm der jetzige Erzbischof von Salzburg als sein ehemaliger Erzieher im Knabenkonvikt angedeihen ließ. Eh schon wissen: So sauber kannst du als katholischer Bub gar nicht sein, dass dir nicht dauernd wer beim Waschen helfen will. Jetzt wird der Brenner seine Kopfschmerzen natürlich überhaupt nicht mehr los. Sicher, Salzburg ist ein Föhnnest, das ist das Eine, aber wenn du zwischen höchsten Würdenträgern aus Kirche und Kultur nach einem Mörder suchst, eventuell sogar nach der Wahrheit, dann stichst du schnell in ein Wespennest aus Wut und Weihrauch und Wehleidigkeit, das ist das Andere. Wenigstens hat der Brenner gleich am Anfang der Geschichte einen alten Freund gefunden. Der Bertie (Simon Schwarz), kongenialer Amateurdetektiv und Rettungsauto-Co-Pilot aus Komm, süßer Tod hilft ihm mehr weiter, als dem engagierten Sportpräfekten Fitz (Joachim Krol), dem arroganten Regens vom Knabeninternat (Joachim Bissmeier) oder dem exaltierten Operntenor (Jürgen Tarrach) gottgefällig dünkt. Trotzdem ein Elend: Dauernd führen die schönsten Spuren in die gröbsten Körperverletzungen, meistens tun dem Brenner selbst danach die Knochen weh. Nur der Josef (Georg Friedrich) könnte weiterhelfen. Aber wer hört schon auf den Hausmeister?
Silentium ist eine würdige Weiterführung der österreichischen Kriminalfilm-Großtat Komm, süßer Tod. Und wenn der Schmäh ein wenig härter ist als damals bei den Wiener Rettungsfahren, so steigt gleichermaßen auch das Spannungspotential. Wer die falschen Fragen stellt, verbrennt sich schnell die Finger. Und wer gar auf die richtigen Fragen kommt, verbrüht sich noch viel mehr. So ist das in Salzburg. "Thriller-Groteske" nennt Wolfgang Murnberger seinen Film. Dem Brenner wäre auch keine bessere Bezeichnung eingefallen.

Credits

Titel Silentium
Originaltitel Silentium
Genre Literaturverfilmung
Land, Jahr Österreich, 2004
Länge 110 Minuten
Regie Wolfgang Murnberger
Drehbuch Wolfgang Murnberger, Josef Hader, Wolf Haas nach dem Roman von Wolf Haas
Kamera Peter von Haller
Schnitt Evi Romen
Musik Sofa Surfers
Produktion Danny Krausz, Kurt Stocker
Darsteller Josef Hader, Simon Schwarz, Maria Köstlinger, Johannes Silberschneider, Joachim Bißmeier, Joachim Król, Udo Samel, Jürgen Tarrach, Georg Friedrich, Anne Bennent
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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