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Alles auf Zucker

Alles auf Zucker

Komödie. Deutschland 2004. 90 Minuten.

Regie: Dani Levy
Mit: Henry Hübchen, Hannelore Elsner, Udo Samel

Jüdischer Humor in einer schwungvollen Komödie um Religion und Realitätsverwirrung. Als Jaecki Zucker zeigt Henry Hübchen Hirnsausen auf hohem Niveau.

Filmstart: 14. Januar 2005

"Ich stehe bis zum Hals in Scheiße, aber der Ausblick ist gut." Wie schön, dass Jaeckie Zucker (Henry Hübchen) trotz all der Schlagfallen und Stolperdrähte, die das Schicksal in den Schlingerkurs seines Lebens legt, immer noch Humor und Überblick behält. Andere würden längst nicht mehr lachen, Jaeckie grinst wenigstens noch ein wenig. In der DDR war er ein Star gewesen, ein Sportreporter, den auf der Straße jeder kannte. Nach der Wende fiel er wuchtig auf die Schnauze, wie so viele, seitdem hält er sich mehr schlecht als recht mit seiner Billard-Leidenschaft über Wasser. In den schummrigen Cafés von Berlin findet sich immer ein Doofer, den man beim Pool abzocken kann. Wozu den Kopf hängen lassen, sagt sich Jaecki. Davon wird das Leben auch nicht besser.
Seine Frau sieht die Sache anders. Marlene (Hannelore Elsner) hat den Hals gestrichen voll von einem Mann, dem jedes Würfelspiel wichtiger als die Wahrheit ist. Sie will die Scheidung. Dann steht auch noch der Gerichtsvollzieher vor der Tür und besteht auf dringende Begleichung überfälliger Schulden. Jaeckie hat sich gedacht, wenn der eigene Sohn (Steffen Groth) Kreditberater bei der Bank ist, wird sich der Rahmen wohl noch einige Zeit nach oben drücken lassen. Denkste. Muss er halt seine Tochter um Geld anpumpen. Dumm nur, dass er schon seit Jahren kein Wort mehr mit Jana (Anja Franke) gesprochen hat.
Jaeckies Leben war noch nie besonders geordnet, aber neuerdings nimmt das Chaos übermächtige Formen an. Dann kommt auch noch die Nachricht vom Tod seiner Mutter. Die alte Dame wollte auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee beerdigt werden. Ihr Wunsch ist Befehl. Für morgen kündigt Jackies Bruder Samuel (Udo Samel) nebst Familie seine Ankunft aus Frankfurt an. Jaeckie ist nicht gerade dick mit seiner strenggläubigen Verwandtschaft, und das Judentum ist auch nicht wirklich seine Sache. "Mit dem Club habe ich nichts zu tun", verkündet er voller Inbrunst. Bis ihm Rabbi Ginsberg (Ralf Hoppe) die Feinheiten des Testaments erklärt. Wenn Jaecki nicht mit seinen Trauergästen die Schiva hält, die siebentägige Totenmesse, fällt er ums Erbe um. Wo er das Geld doch so dringend brauchen würde. Muss er halt seine Wohnung in ein Zentrum koscheren Familienglücks verwandeln. Wenigstens für eine Woche. Bleibt nur noch ein Problem: Die Schiva darf nur in Ausnahmefällen unterbrochen werden. Und ein Billardturnier gilt nicht als Ausnahmefall. Selbst wenn 100.000 DM Preisgeld winken. Da sind die ganz streng. Kein Wunder, dass Jaecki nie Jude sein wollte.
Dani Levys Alles auf Zucker ist die Berliner Ausgabe einer Weltverwirrung Marke Woody Allen. Ein mitreißendes Spiel mit Klischees, frech wie Oskar, aber trotzdem nie respektlos oder gar antisemitisch. Typisch jüdischer Humor, meint Levy, weil diese besondere Form des Witzes zeichnet sich dadurch aus, "dass er ziemlich schonungslos und durchaus selbstironisch mit den menschlichen Schwächen und Macken umgeht - auch mit den Eigenheiten der Juden."

Credits

Titel Alles auf Zucker
Originaltitel Alles auf Zucker
Genre Komödie
Land, Jahr Deutschland, 2004
Länge 90 Minuten
Regie Dani Levy
Drehbuch Dani Levy
Kamera Carl-Friedrich Koschnick
Schnitt Elena Bromund
Musik Niki Reiser
Produktion Manuela Stehr
Darsteller Henry Hübchen, Hannelore Elsner, Udo Samel, Sebastian Blomberg, Steffen Groth, Anja Franke
Verleih Filmladen

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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