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Last Days

Last Days

Drama. USA 2005. 97 Minuten.

Regie: Gus Van Sant
Mit: Michael Pitt, Lukas Haas, Asia Argento

Here we are now, entertain us: Gus Van Sant nähert sich in einer wilden filmischen Meditation dem tragischen Ende des für viele größten Musikgenies seit den Beatles: dem legendären Nirvana-Frontman Kurt Cobain.

Filmstart: 3. Februar 2006

Viele Filmemacher beschäftigen sich mit aktuellen Themen. Hier eine eigene Sprache zu finden, um allgemein Bekanntes und von vielen wirklich Erlebtes aus ganz neuer Perspektive zu zeigen, anstatt einfach nur alte Bilder neu zu montieren, ist große Kunst. Gus Van Sant (My Own Private Idaho, Good Will Hunting) gelang dies schon mit seinem mehrfach ausgezeichneten Highschool-Drama Elephant. In seinem neuen Werk Last Days widmet er sich den letzten Tagen einer Rock-’n’-Roll-Legende, des 1994 verstorbenen Kurt Cobain - eine sehr individuelle und in jeder Hinsicht nonlineare Aufarbeitung des Themas. So kommt Van Sant dem eigentlichen Phänomen Cobain jedoch um Vieles näher als jede "Insiderdoku" à la Rossacher & Dolezal das jemals fertig brächte. Für die fast intime Nähe am Original stehen dennoch zwei berühmte Namen: Van Sant arbeitete in Last Days eng mit Kim Gordon und Thurston Moore zusammen, Gründer der Alternative-Music-Legenden Sonic Youth und nahe Freunde und frühe Förderer Cobains. Die Gefühle sind authentisch, mit Facts oder Figures geht Van Sant jedoch sehr frei um: nicht einmal die Namen lässt er sich von der Wirklichkeit diktieren. In Last Days gehts um den charismatischen Blake (Michael Pitt), der sich gemeinsam mit seiner Band in eine entlegene Villa im Wald zurückgezogen hat, um gemeinsam an einem neuen Album zu arbeiten. Bloß, musiziert wird nur mehr kaum und wenn, dann allein. Zu tief ist schon die Distanz zwischen dem vom Heroin schwer gezeichneten Leadsänger und dem Rest der Band. Die vertreibt sich die Zeit inzwischen mit diversen Sex- und Alkoholgelagen und nimmt vordringlich keinerlei Notiz von dem bereits in ein weit entferntes geistiges Nirvana entschwundenen Blake, der, meist seltsamst gekleidet, nur mehr starr in der Gegend rumsteht oder durch das Haus stolpert.
Blakes entrückte Kommunikation beschränkt sich auf endlose, drogengeschwängerte Diskurse über musikalische Details, kurze Telefonate mit nervigen Plattenfirmen-Executives oder bizarren Gesprächen mit zufällig vorbeikommenden Vertretern, bis er schließlich nur noch unverständlich murmelnd durch die umliegenden Wälder taumelt, scheinbar ziellos und doch konsequent dem unentrinnbaren Ende entgegen. ...
Gerade noch gab Michael Pitt in der x-ten Wiederholung von Dawson's Creek den triefäugigen Teen, jetzt zeigt er, was wirklich in ihm steckt: In Gus Van Sants neuem Epos bietet einer der momentan besten Jungschauspieler Hollywoods einen furiosen Auftritt als kaputtes Genie am äußersten Rande des Abgrunds. Auch in punkto musikalischer Gestaltung entschied sich Gus Van Sant gegen das allzu Offensichtliche: Nirvana-Songs sucht man in Last Days vergeblich. Pitt, der mittlerweile selbst zum ausgezeichneten Musiker avancierte, präsentiert stattdessen Eigenkompositionen und glänzt mit großartigen Stimm- und Gitarre-Performances, die den impulsiven Outputs des großen Kurt ausgesprochen nahe kommen.

Text:  Kurt Zechner

Credits

Titel Last Days
Originaltitel Last Days
Genre Drama
Land, Jahr USA, 2005
Länge 97 Minuten
Regie Gus Van Sant
Drehbuch Gus Van Sant
Kamera Harris Savides
Schnitt Gus Van Sant
Musik Rodrigo Lopresti
Produktion Dany Wolf
Darsteller Michael Pitt, Lukas Haas, Asia Argento, Ricky Jay, Harmony Korine, Kim Gordon, Scott Green, Nicole Vicius
Verleih Polyfilm

Bewertung

Humor  
Action  
Spannung  
Anspruch  
Romantik  
Erotik  

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